Der Moderator Alexei Suchanow hat in einem offenen Interview von seinen Erlebnissen berichtet, die mit dem Ende eines der bedeutendsten Projekte seiner beruflichen Laufbahn verbunden sind – des Talk-Shows „Govorit Ukraina“, das von 2012 bis 2022 auf dem Fernsehsender „Ukraina“ ausgestrahlt wurde. In 11 Jahren wurde die Sendung zu mehr als nur einem Arbeitsprojekt – nach den Worten des Moderators selbst zu „dem wichtigsten Projekt meines Lebens“ und zu einem „Kind“, dem er wie einem nahestehenden Menschen beim Wachsen zusah. Suchanow verhehlt nicht, dass er die Einstellung der Show äußerst schmerzhaft erlebt hat und diese Erfahrung mit dem Verlust eines Teils der eigenen Familie vergleicht.
Eine Bühne für Veränderung, nicht nur ein Sendezeitfenster
Im Gespräch betonte Suchanow, dass „Govorit Ukraina“ für ihn vor allem ein Instrument des gesellschaftlichen Ausdrucks war. „Er war für mich vor allem eine Bühne, auf der ich meine Vorstellung davon zum Ausdruck brachte, was zu tun ist, damit sich unser Leben ändert“, erklärte der Moderator. Genau diese Haltung – nicht nur Geschichten zu erzählen, sondern für Gerechtigkeit einzustehen und die Aufmerksamkeit auf Situationen zu lenken, die sonst unbemerkt geblieben wären – bestimmte Format und Ton der Sendung während ihrer gesamten Existenz. Suchanow unterstreicht, dass jede Geschichte der Protagonisten echt war und das Team den Menschen tatsächlich dabei half, ihr Leben zum Besseren zu verändern.
Warum das Projekt von „Beamten, Funktionären und Priestern“ nicht geliebt wurde
Nach den Worten des Moderators war es gerade die gesellschaftliche Ausrichtung und die kritische Haltung der Sendung, die Unzufriedenheit bei Vertretern der Macht und der Kirche auslösten. „Genau deshalb haben unsere Bühne Beamte, Funktionäre und Priester nie geliebt“, stellte Suchanow fest. Er nennt keine konkreten Vorfälle, weist aber darauf hin, dass der Druck auf das Projekt systemisch war und mit seiner Mission zusammenhing – über Probleme zu sprechen, die, aus Sicht des Teams, Veränderung brauchten. Dieser Ansatz machte die Show zu einer der wenigen im ukrainischen Fernsehen, bei der gesellschaftliches Fernsehen keine Dekoration, sondern das Fundament des Formats war.
„Das war unsere Familie“: Das Team als Teil des Lebens
Suchanow gibt zu, dass er das Kollektiv von „Govorit Ukraina“ wie eine Familie betrachtete und das Projekt selbst als wichtigen Teil seines eigenen Lebens. „Gesellschaftliches Fernsehen, 11 Jahre. Das war ein Schlag. Das war unsere Familie“, sagt er und verhehlt seine emotionale Verbundenheit nicht. Die Einstellung der Sendung beschreibt er mit Worten, die man üblicherweise bei der Beschreibung des Verlustes eines nahestehenden Menschen verwendet: „Das war ein Schlag, weil das für mich ein Kind war“. Für den Moderator, der dem Projekt mehr als zehn Jahre gewidmet hatte, war sein Ende nicht nur ein berufliches, sondern ein tief persönliches Ereignis.
Das Ergebnis, das bleibt: die lebendigen Geschichten der Protagonisten
Trotz des Schmerzes über die Einstellung bereut Suchanow die gelebten Jahre nicht und unterstreicht, dass das Hauptergebnis der Arbeit des Teams die Menschen sind, deren Leben es gelungen ist, zu verändern. „Und ich kann Ihnen sagen, dass jede Geschichte echt, wahr war, und vielen haben wir geholfen“, versicherte der Moderator. Er merkt an, dass er bis heute von Zeit zu Zeit Nachrichten über ehemalige Protagonisten der Sendung erfährt und sieht, wie „ihr Leben erblüht ist und wie der Mensch genießt, und vor allem – lebt“. Genau diese lebendigen Geschichten bleiben, nach den Worten Suchanows, für ihn das Hauptergebnis von 11 Jahren im Fernsehen und die Bestätigung dafür, dass gesellschaftliches Fernsehen die Realität beeinflussen kann und nicht einfach nur den Bildschirm füllt.