Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha erklärte, dass die steigenden Ausgaben des Landes für Verteidigung und Wiederaufbau aus eingefrorenen russischen Vermögenswerten gedeckt werden sollten. Dies teilte er mit, als er die Außenminister Schwedens, Polens, der Niederlande und Spaniens für ein gemeinsames Schreiben zu den eingefrorenen russischen Vermögenswerten dankte. Laut dem Außenminister seien genau diese Mittel nötig, um die wachsende Lücke in den Haushalten für Verteidigung und Wiederaufbau der Infrastruktur in Kiew zu schließen.
Logik der Nutzung russischer Vermögenswerte
Sybiha begründete seine Position damit, dass Russland sich weigere, den Krieg zu beenden, und den Terror weiter verschärfe, weshalb die Ukraine Lücken in den ständig steigenden Ausgaben für Verteidigung und Wiederaufbau decken müsse. „Es ist völlig gerechtfertigt und logisch, russische Vermögenswerte und nicht nur das Geld europäischer Steuerzahler für die zusätzlichen Verteidigungsausgaben der Ukraine und des übrigen Europas gegen die russische Bedrohung einzusetzen“, betonte der Minister bei einem internationalen Event.
Aufruf zu einer rationalen statt emotionalen Debatte
Der ukrainische Außenminister betonte, dass die Debatte über den Mechanismus zur Nutzung der eingefrorenen Mittel rational und nicht emotional geführt werden müsse. Nach seiner Überzeugung seien die Experten in der Lage, konkrete Lösungen zu entwickeln, die den europäischen Normen, dem Völkerrecht und dem Grundsatz der Rechtsstaatlichkeit entsprechen. Die mit dem Mechanismus verbundenen Risiken könnten zudem gemeinsam abgemildert und gleichmäßig verteilt werden, ohne einen ungerechten finanziellen Druck auf einzelne EU-Mitgliedstaaten zu legen, so Sybiha.
Kontext: EU-Reparationskredit und Schadensumfang
Sybigas Rede fügt sich in den breiteren Kontext europäischer Initiativen ein. Zuvor hatte die Europäische Kommission vorgeschlagen, der Ukraine einen Reparationskredit in Höhe von 140 Mrd. Euro aus eingefrorenen russischen Vermögenswerten zu gewähren, von denen ein erheblicher Teil für die Beschaffung von Waffen vorgesehen war. Der Minister hatte zuvor bereits betont, dass diese Mittel für Kiew von entscheidender Bedeutung seien, da der Gesamtschaden des Krieges nach seiner Einschätzung bereits 600 Mrd. Dollar überstiegen habe.
Erwartungen und nächste Schritte
Sybiha fügte hinzu, dass er nächste Woche eine Diskussion über die Nutzung der eingefrorenen Vermögenswerte mit seinen EU-Kollegen erwarte. Damit werde das Thema aus der rein deklarativen Ebene in konkrete Verhandlungen überführt, in denen die juristische Konstruktion des Mechanismus und das Modell der Risikoverteilung zwischen den europäischen Staaten entscheidend sein werden.