Das sechste Festival „Knyzhna Krayina“, das für den 17.–20. September auf dem Gebiet des WDNCh in Kiew geplant war, wurde aufgrund verstärkter russischer Beschussaktionen auf April 2027 verschoben. Die Organisatoren ließen die Leser jedoch nicht ohne kulturelles Ereignis: Bereits am 18. September starteten in der Hauptstadt die „Tage des Buchlandes“ – eine Reihe von Begegnungen, Präsentationen, Diskussionen und intimen Konzerten, die an drei Tagen (18., 19. und 20. September) in verschiedenen Buchhandlungen Kiews stattfinden. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei, was das Programm für ein breites Publikum zugänglich macht. Wie Wave RBC.UA unter Berufung auf die offizielle Festival-Website berichtet, umfasst das Programm Literatur, Musik, Blogosphäre und Verlagsmarkt.
Literarische Diskussionen: vom unzuverlässigen Erzähler bis zum ukrainischen Fantasy
Das zentrale Ereignis des ersten Tages war eine Begegnung anlässlich der Premiere des Films „Verity“ nach dem Roman von Colleen Hoover. Die Teilnehmer diskutierten über die Psychologie der Figuren, das Phänomen des unzuverlässigen Erzählers und die feine Grenze zwischen Opfer und Manipulator. Den Gästen wurden exklusive Materialien zur Verfilmung gezeigt, und es wurde ein Gewinnspiel mit Geschenken durchgeführt. Ein eigener Programmblock war gruseligen Geschichten gewidmet: Für Horror-Fans wurde ein Berg-Performance organisiert und die Romane von Mona Awad „Zajchyk“ und „My tebe lubymo, Zajchyku“ diskutiert. Die Schriftstellerin Serafima Belaja und die Literaturwissenschaftlerin Bohdana Romantsowa führten ein Gespräch über Freundschaft, Besessenheit, Kreativität und die verschwommene Grenze zwischen Realität und Wahnsinn.
Eine separate Diskussion war dem modernen ukrainischen Fantasy und Science-Fiction gewidmet – von magischen Welten bis zu alternativen Realitäten und futuristischen Szenarien. An der Diskussion nahmen Alexandra Tscherepan, Serhij Pyljaj, Jaroslaw Lynder, Anastassija Hetmanska und Julija Syromolot teil. Außerdem umfasst das Programm die Präsentation des Reisetagebuchs von Sofija Jablonska „Aus dem Land des Rost und Opiums“ über das China der 1930er Jahre, vorgestellt von Ilona Zamozna und der Kulturbloggerin Katerynka Aleko, sowie das Buch von Artem Tschapaj und dem Musiker Nyzo Urodljywo „T-schtschastja“, das Anlass für ein Gespräch über Einsamkeit, Ängste und die Suche nach Glück in einer Zeit des Wandels gab.
Musik und Performances: von Browtschenko bis „Mertwyj Piwnja“
Der Abend des ersten Tages endete mit einem intimen Konzert von Tatjana Hontscharowa, die Lieder von Mykola Browtschenko vortrug – dem Komponisten von Stücken für Tina Karol, Wiktor Pawlyk, Kozak System, Slawa Ohnewytsch und anderen bekannten Künstlern. Zwischen den Tracks erzählte Browtschenko, wie Melodien und Texte entstehen und warum manche Kompositionen uns jahrelang begleiten. Ein separates öffentliches Gespräch war Serhij Kuzmysnskyj und dem Phänomen der Gruppe „Bratja Hadjukyny“ gewidmet: Die Moderatorin des Radios „Promin“ Lesja Antypenko und der Frontmann von „Mertwyj Piwnja“ Jurij Rokezkyj diskutierten über den ukrainischen Rock der 90er, den galizischen Farbtupfer und den Einfluss der Gruppe auf die Musikszene. Rokezkyj sprach auch über das neue Leben seiner Gruppe und die Arbeit am Buch „Wssjo tschotko!“.
Preise, Blogosphäre und neue Formate
Rahmen der „Tage des Buchlandes“ wird das meistdiskutierte Übersetzungsbuch ermittelt, das in der Ukraine in den Jahren 2025–2026 veröffentlicht wurde. Zu den Kandidaten zählen „Die Köder-Tasse“ von Robert Jackson Bennett, „Die Teufel“ von Joe Abercrombie, „Tausend glänzende Sonnen“ von Khaled Hosseini, „Katabasis“ von Rebecca Quan und „Das Wasser-Bündnis“ von Abraham Vergis. Außerdem umfasst das Programm den Preis der Buch-Blogger, bei dem die YouTube-Bloggerinnen Yantsi und Atmosfernitsa den Lesern erklärten, was das japanische Light-Novel-Format ist, und die Ausgabe „Myj schaslywyj schlub“ von Nasha Idea vorstellten.
Zusätzliche Sessien umfassen ein breites Themenspektrum: Vertreter ukrainischer Verlage diskutieren die klassische und moderne Gotik und die Popularität dunkler Geschichten; die Illustratorin Anna Hajunowa und die Drehbuchautorin Marija Pachtoltschenko stellen einen neuen ukrainischen Comic über eine Stadt vor, in der Drohnen zum Alltag geworden sind; die Meteorologin Natalja Dydenko präsentiert das Buch „Notizen eines Wetterbeobachters“ und erzählt über die Bildung des Wetters und atmosphärische Phänomene. Das Kulturbuch von Mychajlo Brynych kehrt auf die Bühne zurück – der Autor erklärt erneut die ukrainische und weltweite Klassik durch Humor, Sarkasmus und literarische Satire. Den Abschluss des Programms bildet die Analyse des Phänomens der Reihe von Ruby Dixon „Die Barbaren der gefrorenen Planeten“: Die Schriftstellerin und Übersetzerin Marija Margulis diskutiert zusammen mit der Buch-Bloggerin Walerija Pawlenko, wie Monster-Romane BookTok erobert haben und warum das Genre an Fahrt aufnimmt.