Auf dem ukrainischen Markt für Baustoffe bahnt sich eine der größten und bedeutendsten Transaktionen der letzten Jahre an. Der taiwanesische Industriegagant TCC Group plant die Übernahme der ukrainischen Aktiengesellschaft „Iwano-Frankiwskzement“. Die neue Investition kommt zu einer Zeit, in der die Binnennachfrage begrenzt ist, die wirtschaftliche Lage komplex ist und die Europäische Union strenge Handelsbarrieren einführt.
Hintergrund und Details des Großgeschäfts
Ende September dieses Jahres gab eines der führenden Unternehmen der ukrainischen Baubranche offiziell die Gewinnung eines großen strategischen ausländischen Investors bekannt. Käufer ist die taiwanesische Corporation TCC Group Holdings, die über ihre niederländische Tochtergesellschaft TCC Group EMEA Holdings B.V. agiert. Berichten taiwanesischer Medien und spezialisierter Analyseagenturen zufolge beläuft sich der maximale Transaktionswert auf bis zu 750 Millionen Euro für 100 % der Anteile am Zementwerk und drei verbundene Unternehmen für Dachprodukte, Gips und Trockenmörtel. Der endgültige Preis wird um Nettoschulden und Betriebskapital bereinigt.
Widersprüchliche Daten
In offenen Quellen und offiziellen Erklärungen der Parteien gibt es gewisse Abweichungen bei der Einschätzung von Unternehmensgröße und Vermögenswert. So ist der angekündigte Höchstbetrag von 750 Millionen Euro eine Schätzung des Pakets vor Abzug von Verbindlichkeiten, während das gesamte Unternehmen im Jahr 2021 noch auf rund 400 Millionen US-Dollar geschätzt wurde. Darüber hinaus gibt es Unstimmigkeiten bei der Einschätzung des Marktanteils von „Iwano-Frankiwskzement“: Das ukrainische Unternehmen selbst gibt an, sein Marktanteil liege bei über 40 %, während die TCC Group in ihren offiziellen Präsentationen einen Wert von rund 36 % nennt. Experten führen diese Abweichungen auf unterschiedliche Berechnungsmethoden zurück — ob die gesamte physische Produktion oder der tatsächliche Umsatz berücksichtigt wird und ob Exportvolumina einfließen.
Marktauswirkungen und Kartellrechtliche Regulierung
Trotz des gewaltigen Investitionsvolumens betonen Experten, dass die Transaktion nicht zur Entstehung eines Monopols oder einer gefährlichen Marktkonzentration führen wird. Juristen heben hervor, dass die TCC Group zuvor keine Vermögenswerte in der Ukraine hatte, weshalb es sich um den Austausch des Eigentümers eines bestehenden Akteurs handelt und nicht um den Zusammenschluss konkurrierender Werke. Hauptkonkurrenten auf dem ukrainischen Markt bleiben die internationale CRH-Gruppe und inländische Akteure. Der endgültige Abschluss der Transaktion hängt nun vollständig von der Entscheidung des Antimonopolkomitees der Ukraine ab, das die Genehmigung unter Auflagen erteilen kann.
Aussichten für Wohnungs- und Baustoffpreise
Viele Bürger und Marktteilnehmer fragen sich, wie sich der Eigentümerwechsel auf die Endkosten der Quadratmeter auswirken wird. Führende Akteure der Baubranche und Branchenverbände sind sich einig, dass selbst bei eventuellen lokalen Schwankungen der Zementpreise selbst kein direkter, massiver Anstieg der Immobilienpreise zu erwarten ist. Die dämpfenden Faktoren sind die schwache Binnennachfrage, die Unterlastung der Produktionskapazitäten ukrainischer Werke, die nur etwa 60 % des Vorkriegsniveaus erreichen, sowie neue Umweltbarrieren der EU wie der CBAM-Mechanismus, der die ukrainischen Zementexporte nach Europa blockiert hat.