Artem Petrenko, der Geschäftsführer des Verbandes der Gasförderunternehmen der Ukraine (AGPCU), erklärte, dass der teilweise Export von ukrainischem Gas die Einnahmen des Staatshaushalts erheblich steigern kann. Seinen Worten zufolge besteht der Schlüsselmechanismus darin, dass die Lizenzgebühr (Rente) für exportierte Mengen auf Basis des europäischen Gaspreises berechnet wird, der den Binnenpreis deutlich übersteigt. Dies bedeutet, dass der Staat selbst bei Beibehaltung des aktuellen Förderungsniveaus zusätzliche Steuereinnahmen erzielen wird, ohne die Produktionsmengen erhöhen zu müssen.
Lizenzgebühr zum europäischen Preis: Wie der Mechanismus funktioniert
Petrenko erklärte, dass gemäß der Steuerordnung der Ukraine Unternehmen, die Gas exportieren, verpflichtet sind, Lizenzgebühren — eine spezielle Steuer — nicht zu dem auf dem ukrainischen Markt gebildeten Binnenpreis, sondern zu dem in Europa geltenden Preis zu entrichten. „Der Staat wird seinerseits mehr Mittel zur Verfügung haben. Warum? Weil Unternehmen, wenn sie Gas exportieren, gemäß der Steuerordnung der Ukraine Lizenzgebühren, also eine spezielle Steuer, nicht von dem Preis zahlen müssen, der sich derzeit bei uns in der Ukraine gebildet hat, was völlig verständlich ist, sondern zu dem Preis, der in Europa herrscht“, betonte er. Somit wandelt sich die Differenz zwischen dem Inlands- und dem Europapreis automatisch in zusätzliche Budgeteinnahmen um.
Ertragssteuer als zweiter Einnahmekanal
Zusätzlich zu den Lizenzgebühren zieht das Wachstum der Einnahmen aus Gasverkäufen auf den Exportmärkten eine Erhöhung der Gewinnsteuer nach sich. Petrenko wies darauf hin, dass die kombinierte Wirkung der beiden Steuermechanismen — Lizenzgebühren und Gewinnsteuer — es dem Staat ermöglicht, ein wesentlich größeres Volumen an Mitteln aus der gesteigerten Gasförderung und -vermarktung zu erhalten. „Dies wird es dann ermöglichen, entsprechend mehr Mittel aus Lizenzgebühren und entsprechend mehr Mittel aus der Gewinnsteuer zu haben, das heißt, der Staat wird durch die Steigerung der Förderung mehr Mittel erhalten“, erklärte der AGPCU-Direktor.
Win-Win für beide Seiten bei transparentem Mechanismus
Nach Einschätzung von Petrenko profitieren bei einem transparenten und kontrollierten Exportmechanismus beide Seiten. Private Gasförderunternehmen erhalten eine garantierte Nachfrage nach einem Teil der produzierten Ressource, was die Marktrisiken verringert und die Vorhersehbarkeit der Einnahmen sichert. Der Staat wiederum erhält zusätzliche Steuereinnahmen, die zur Finanzierung staatlicher Bedürfnisse erforderlich sind. „Private Unternehmen werden vor allem eine garantierte Nachfrage nach Gas haben, und der Staat wird im Falle der Realisierung mehr Steuern und Mittel haben, die der Staatshaushalt benötigt“, betonte der Geschäftsführer der AGPCU.
Kontext: Gasreserven übertreffen Planwerte
Die Erklärung über mögliche Teilexporte erfolgte vor dem Hintergrund, dass die Ukraine nach Regierungsschätzungen bis Anfang November mehr als 15 Milliarden Kubikmeter Gas ansammeln kann — ein Volumen, das nach Berechnungen des Ministerkabinetts ausreicht, um die Heizperiode zu überstehen. Gleichzeitig hat das Land nach Angaben von Wolodymyr Omeltschenko, dem Direktor für Energieprogramme des Rasumkow-Zentrums, derzeit rund 16 Milliarden Kubikmeter Erdgas angesammelt, was den Planwert um mehr als 1 Milliarde Kubikmeter übertrifft. Gerade das Vorhandensein von Überschussreserven schafft die Voraussetzungen für die Erörterung von Teilexporten ohne Gefährdung der inländischen Energieversorgung.
Strategische Bedeutung: Wiederaufbau und neue Bohrungen
Die AGPCU betonte zudem, dass ein kontrollierter Gasexport dem Staat nicht nur zusätzliche Steuereinnahmen, sondern auch Deviseneinnahmen bescheren wird. Für die Förderer selbst werden die Exporterlöse eine Finanzquelle für die Wiederherstellung der Infrastruktur nach russischen Angriffen, den Schutz von Anlagen und die Finanzierung neuer Bohrungen sein. Daher wird der teilweise Export nicht als einmalige Maßnahme betrachtet, sondern als Element einer langfristigen Strategie zur Stärkung der Energiesicherheit und der finanziellen Stabilität der ukrainischen Gasindustrie.