Unter den Bedingungen des andauernden Krieges und der Notwendigkeit, den stabilen Betrieb kritischer Infrastrukturen zu gewährleisten, sieht sich die ukrainische Telekommunikationsbranche einer ernsthaften rechtlichen Bedrohung gegenüber. Die Assoziation der Telekommunikationsbetreiber «Telas» hat sich an die Regierung und den Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrat (NSDR) gewandt, um die dringende Beseitigung gesetzlicher Lücken im Landgesetz zu fordern, die Risiken für Unternehmen mit ausländischer Beteiligung schaffen. Es geht um die mehrdeutige Auslegung von Artikel 82, der das Eigentumsrecht an landwirtschaftlich nicht genutztem Boden regelt.
Rechtliche Falle in Artikel 82
Das Kernproblem liegt in der fehlenden klaren zeitlichen Abgrenzung für die Bewertung der Zusammensetzung der Teilnehmer einer juristischen Person. Das Gesetz gibt nicht an, zu welchem Zeitpunkt der Status eines Unternehmens bewertet werden muss – zum Zeitpunkt seiner Gründung oder zum Zeitpunkt des tatsächlichen Erwerbs des Eigentumsrechts am Grundstück. Nach Ansicht der Experten von «Telas» hat diese Unbestimmtheit zu einer chaotischen Anwendung der Norm in der Rechts- und Verwaltungspraxis geführt. Infolgedessen können Unternehmen, die legal Eigentümer von Land sind oder es pachten, als Verstöße eingestuft werden, wenn in ihrer Struktur zum aktuellen Zeitpunkt (oder zum Zeitpunkt der Prüfung) ein Anteil ausländischen Kapitals festgestellt wird, was ihre Eigentumsrechte formal einschränkt.
Gefahr für die Stabilität der Kommunikation und die nationale Sicherheit
Die kritischsten Folgen dieser rechtlichen Kollision werden im Telekommunikationssektor beobachtet. Mobilfunkbasisstationen, die sich häufig auf Grundstücken befinden, die von Gerichten oder Aufsichtsbehörden überprüft werden könnten, befinden sich in der Risikozone. Falls das Eigentumsrecht für ungültig erklärt wird, könnte die Kontrolle über das Land auf Dritte übergehen. Dies öffnet den Weg für Erpressung: Neue Eigentümer könnten die Mietpreise erhöhen, den Zugang von Wartungsteams zur Ausrüstung blockieren oder sogar den Abbau der Sendemasten verlangen. Unter Bedingungen von Stromausfällen (Blackouts) und Notfällen, in denen jede Sekunde funktionierender Kommunikation Gold wert ist, können solche Handlungen zu einer Lähmung der Kommunikation und zum Ausfall der Systeme zur Warnung der Bevölkerung führen.
Umfang des Problems: Von Sendemasten bis zur Rüstungsindustrie
Obwohl die offensichtlichsten Folgen die Telekommunikationsunternehmen betreffen, ist das Problem systemischer Natur. «Telas» schätzt das Ausmaß der Bedrohung als umfassend für mehr als 80.000 ukrainische Unternehmen mit ausländischem Kapital ein. In der Risikozone befinden sich nicht nur Telekommunikationsbetreiber, sondern auch landwirtschaftliche Komplexe, Energieobjekte, Logistik-Hubs und sogar Unternehmen des militärisch-industriellen Komplexes. Die Assoziation bezieht sich auf die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs in der Sache Nr. 926/3616/23 und weist darauf hin, dass eine ungleiche Anwendung der Normen eine Welle von Landstreitigkeiten auslösen könnte, was einen Schlag gegen die Investitionsattraktivität des Landes im Jahr 2026 ausüben würde.
Widersprüchliche Daten
Einerseits besteht die Assoziation «Telas» darauf, dass die aktuelle rechtliche Unbestimmtheit eine direkte Bedrohung für die nationale Sicherheit und das Investitionsklima darstellt und ein sofortiges gesetzgeberisches Eingreifen erfordert. Andererseits fehlen in öffentlichen Quellen derzeit offizielle Kommentare des Justizministeriums oder der Werchowna Rada bezüglich der Fristen zur Prüfung dieser Frage. Es besteht die Gefahr, dass die Regulierungsbehörden die Situation anders einschätzen könnten: als Notwendigkeit, die Kontrolle über die ausländische Beteiligung an strategischen Vermögenswerten zu verschärfen, was zum gegenteiligen Effekt führen könnte – einer noch stärkeren Einschränkung der Geschäftsrechte anstatt deren Schutz. Solange die Position der Behörden unklar bleibt, ist dies an sich ein Risikofaktor.
Aufruf an die Behörden und mögliche Folgen
In ihrem offenen Brief fordert «Telas» die Regierung und den NSDR auf, die rechtliche Unbestimmheit bei der Anwendung von Artikel 82 des Landgesetzes zu beseitigen. Experten der Assoziation betonen, dass der ukrainische Geschäftsbetrieb mit ausländischer Beteiligung ohne klare Spielregeln anfällig für willkürliche Entscheidungen bleibt. Wenn die Gesetzgeber nicht schnell reagieren, riskiert das Land, mit massiven Landstreitigkeiten konfrontiert zu werden, die das Vertrauen ausländischer Investoren untergraben und, was noch wichtiger ist, den Betrieb kritisch wichtiger Infrastrukturen mitten im Konflikt stören könnten.