KI als fester Mitarbeiter, nicht als Hilfsdienst

Die ukrainische Distanzbildung stützt sich zunehmend auf Automatisierung, und die Online-Schule ThinkGlobal gibt an, als erste im Land einen KI-Agenten als festen Mitarbeiter und nicht als Hilfsdienst angestellt zu haben. ThinkGlobal ist eine lizenzierte Bildungseinrichtung für die Klassen 1 bis 11 und eine der führenden Distanzschulen der Ukraine; ihre Absolventen bestehen laut Angaben der Schule erfolgreich die NMT und werden an ukrainischen und ausländischen Hochschulen aufgenommen. Jeder KI-Agent wurde, wie die Schule betont, eigenständig für einen konkreten Arbeitsbereich entwickelt und nicht als universelles Werkzeug gekauft.

Jeder Agent auf seiner eigenen Stelle

Der Sinn der Einführung liegt, so die Logik der Schule, nicht in der Anzahl der arbeitenden Agenten, sondern darin, dass jeder eine eigene Stelle besetzt und für das Ergebnis in seinem Bereich verantwortlich ist. Für die Familie bedeutet das, wie beschrieben, eine Antwort innerhalb weniger Minuten statt des Wartens bis zum nächsten Arbeitstag, die Überprüfung aller Stunden statt einer stichprobenartigen sowie die Möglichkeit, jederzeit auf einen echten Menschen umzuschalten: Der Agent übergibt das Gespräch weiter. So wird die Automatisierung als Erweiterung der Verantwortung positioniert, nicht als Überwälzung auf den Algorithmus.

Erste Linie: KI-Berater mit animiertem Avatar

Die erste Linie der Kommunikation übernimmt ein KI-Berater mit animiertem Avatar. Das Gespräch mit ihm findet, laut Beschreibung der Schule, in einem Format statt, das einem Videoanruf nahekommt: Der Agent antwortet mit der Stimme, hält Pausen ein und reagiert auf die Mimik des Gesprächspartners. Diese Lösung zielt darauf ab, die Hürde des Erstkontakts für Eltern und Schüler zu senken, für die es vertrauter ist, „mit jemandem zu sprechen“, als in einem Chat zu schreiben.

Analyse von Unterrichtsaufnahmen durch einen eigenen Agenten

Ein eigener Agent wertet die Aufnahmen der Unterrichtsstunden aus: Er prüft, ob jeder Schüler in das Gespräch einbezogen war, ob eine Frage zur Hausaufgabe gestellt wurde und ob es Anzeichen von Mobbing gibt. Die erkannten Abweichungen bleiben, wie angegeben, offen, bis der Lehrer sie korrigiert. So erfüllt der Algorithmus die Funktion einer ständigen Qualitätskontrolle und nicht die eines Abschlussberichts.

Grenzen der Befugnisse und die unveränderte Rolle des Lehrers

Als nächsten Schritt kündigt die Schule KI-Lehrer mit Video und Stimme an, jedoch ausschließlich als zusätzliche Option und nicht als Ersatz für den Unterricht mit echten Lehrern. Unverändert bleibt das Hauptprinzip: Die Stunde wird vom Lehrer geleitet, und die Entscheidung über das Kind trifft ein Mensch. Wie alle Rollen aufgebaut sind und wo die Grenzen der Befugnisse der Agenten verlaufen, beschreibt die Schule in einem eigenen Abschnitt „KI-Team“. Neben den Hauptformaten bietet die Schule auch außerunterrichtliche Richtungen an; der Fahrplan aller Gruppen ist bereits vor der Registrierung einsehbar, und die Kosten werden sowohl monatlich als auch für eine einzelne Live-Stunde berechnet.

Was die Familie sieht

Noten, Besuch und den Kontostand sehen die Eltern in der kostenlosen App ThinkGlobal Parent App für iPhone und Android. Die Branche geht, so die Beobachtungen, allmählich von der allgemeinen Aussage zur „KI-Nutzung“ zu konkreten, überprüfbaren Details über: Welche Prozesse genau automatisiert sind, wer für das Ergebnis verantwortlich ist und was die Familie sieht. Ein zusätzlicher Vorteil des Distanzformats besteht darin, dass jede Stunde in einer Aufnahme bleibt, die man sich ansehen kann, statt sie aus dem Gedächtnis wiederherzustellen.

Widersprüchliche Angaben

In den Veröffentlichungen zur Einführung gibt es eine Abweichung darüber, wie viele Parameter der Algorithmus zur Analyse der Stunden genau prüft. So wird der Algorithmus im Material von Obozrevatel als Prüfung von zwei Parametern beschrieben, während in der eigenen Beschreibung der Schule mehrere Kontrollpunkte aufgeführt werden – die Einbindung des Schülers in das Gespräch, die Frage zur Hausaufgabe und die Anzeichen von Mobbing. Beide Versionen stimmen im Wesentlichen überein: Die Analyse der Aufnahmen erfolgt automatisch, und die Korrektur der erkannten Abweichungen bleibt dem Lehrer vorbehalten. Der Unterschied liegt vermutlich daran, dass die Parameter in einem Fall gruppiert und in dem anderen einzeln aufgeführt werden; die endgültige genaue Spezifikation des Algorithmus legt die Schule im Abschnitt „KI-Team“ offen.