Der Tracksuit ist längst nicht mehr nur Kleidung für das Fitnessstudio oder den schnellen Weg zum Supermarkt. Doch selbst das modischste Oversize-Teil kann ein Outfit schnell „billig“ wirken lassen, wenn es unbedacht ausgewählt wurde. Die Fashion-Bloggerin und Stylistin Jelena Schtschenko (@purpur.stylist) erklärte im Gespräch mit dem Projekt Styler (RBC-Ukraine), worauf man beim Kauf achten sollte und wie man Trainingshosen so stylen kann, dass sie modern und hochwertig wirken. Die Kernaussage: „teurer“ Sport-Chic ist nicht der Preis auf dem Etikett, sondern die Kombination aus richtigem Material, Passform, Spiel mit Formen und durchdachten Akzenten.
Material und Stoffqualität: Worauf man auf dem Etikett achten sollte
Das Erste, was man vor dem Kauf prüfen sollte, ist die Zusammensetzung und die Qualität des Stoffes. Eine gute Basis für einen Tracksuit ist laut Stylistin etwa 80 % Baumwolle und 20 % Polyester. Baumwolle sorgt für ein angenehmes Tragegefühl und atmungsaktive Eigenschaften, während Polyester dem Stoff hilft, besser zu halten und widerstandsfähiger gegen Abnutzung zu sein. Dabei ist die Zusammensetzung allein noch keine Garantie für Qualität: Wenn auf dem Etikett das Wort „Pima“ (Pima-Baumwolle) steht, ist das ein gutes Zeichen. So bezeichnet man hochwertige Garne aus langen Baumwollfasern, die eine glattere Oberfläche haben und besser gegen Pilling widerstehen. Auch die Garnherstellungstechnologie ist wichtig: Ring ist eine mittlere Qualitätsstufe, während Open-End die günstigere Technologie ist. Daher können zwei Suits mit identischer Etikettenangabe sich völlig unterschiedlich präsentieren und tragen. Separat sollte man die Innenseite des Stoffes prüfen: Single-Jersey ohne Frottee eignet sich gut für Frühling und Herbst, während gefrottierter Stoff wärmer ist und für den kalten Herbst und Winter reserviert werden sollte.
Richtige Passform und Schnitt: Warum selbst teurer Stoff nicht rettet
Selbst der teuerste Stoff rettet keinen Suit, wenn die Hose falsch sitzt. In guten Trainingshosen sollte der Stoff glatt über den Hüften liegen, ohne überflüssige Falten oder Spannung, und vom breitesten Punkt der Hüften locker nach unten fallen. Separat sollte man die Taschen prüfen: Wenn sie auseinandergehen, spannen oder sichtbare horizontale Falten bilden, ist die Hose wahrscheinlich zu klein oder hat einfach einen misslungenen Schnitt. Ebenso wichtig ist die richtige Wahl des Volumens des Oberteils. Für eine lockere Jacke empfiehlt die Stylistin die einfache „Handflächen-Regel“: Zwischen Körper und Stoff sollte eine Handfläche frei durchpassen – das Teil darf weder spannen noch zu einem formlosen „Fallschirm“ werden. Wenn das Modell als voluminös konzipiert ist, sollte es im Gegenteil klar an der Figur sitzen. Die schlechteste Variante ist, wenn das Teil weder Oversize noch tailliert ist.
Spiel mit Formen: Warum ein Suit nicht immer „Jacke plus Hose“ bedeutet
Ein Hauptfehler ist es, den Tracksuit ausschließlich als fertiges Set aus Jacke und Hose zu betrachten. Viel moderner wirkt das Spiel mit Formen. Zum Beispiel kann man ein Polo-Sweatshirt mit geraden Hosen oder Palazzo-Hosen tragen, eine Track-Jacke (Olympiade) passt gut zu einem ruhigeren Unterteil, und ein tailliertes Half-Zip lässt sich mit weiten Hosen kombinieren. Eine weitere Option ist ein Crop-Sweatshirt mit Palazzo- oder geraden Hosen, während ein klassisches Sweatshirt oder ein Modell mit V-Ausschnitt leicht mit basic geraden Hosen gestylt werden kann. Interessant wirkt auch ein kurzes Polo mit Flare-Hosen: Dieses Set streckt die Silhouette optisch und sieht deutlich interessanter aus als ein gewöhnlicher Tracksuit.
Metallteile, Oberlayer und Schuhe: Details, die das Outfit „abgerundet“ wirken lassen
Wenn man möchte, dass das Sport-Outfit teurer aussieht, sollte man auf die Metallteile (Furnitur) achten. Ein großes kontrastierendes Logo auf einer Track-Jacke macht das Teil oft sportlicher und massiver, während ein minimalistisches Modell ohne Logo oder mit kleinem, dezentem Logo universeller wirkt. Reißverschlüsse, Knöpfe und andere Metallteile sollten den Blick auch nicht auf sich ziehen – gut ist es, wenn sie in der Stofffarbe gehalten sind. Ein einfacher Weg, den Suit „abgerundeter“ zu machen, ist der richtige Oberlayer: Unter ein Sweatshirt mit V-Ausschnitt kann man ein basic T-Shirt tragen, unter ein Crop-Sweatshirt ein klassisches Hemd – und das Outfit wirkt sofort durchdachter. Und es muss nicht unbedingt Sportschuh sein: Wenn die Situation es erlaubt, können Sneaker durch Loafer oder Chelseaboots ersetzt werden – genau dieser Kontrast aus Sportkleidung und klassischer Schuhe macht das Outfit oft interessanter. Dasselbe gilt für die Tasche: Statt des gewohnten Rucksacks sollte man einen geräumigen Shopper, eine East-West-Tasche oder eine schicke Crossbody-Tasche ausprobieren.
Am Ende hört der Tracksuit auf, wie „nur zum Einkaufen“-Kleidung zu wirken, und wird Teil eines durchdachten Alltags-Outfits. Genau darin liegt laut Stylistin der Geheimnis des modernen „Sport-Chics“: nicht in Logos und nicht im Preis, sondern in der bewussten Wahl von Material, Passform und Details, die zusammen für die Ganzheit und „Teuerlichkeit“ des Looks arbeiten.