Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und der US-Präsident Donald Trump führen am 22. September 2026 ein Treffen in New York durch. Nach Einschätzung von Alexandra Leonowa, der Geschäftsführerin des Zentrums für angewandte Politikforschung „Penta“, ist bereits die Tatsache dieses Kontakts ein positives Signal für Kiew und seine Verbündeten. Die Expertin betonte, dass noch vor wenigen Tagen im Weißen Haus offiziell erklärt worden war, es gebe keinerlei geplante Kontakte zwischen den beiden Führungspersönlichkeiten. Der Wendepunkt im Zeitplan sei, so ihre Worte, nach den Angriffen auf Moskau und das Moskauer Gebiet eingetreten: Erst dann habe Trump persönlich angerufen und das Treffen bestätigt.
Kontext: von der Ablehnung zur Bestätigung
Die Chronologie der Vorbereitung der Verhandlungen zeigt einen abrupten Wechsel der Position Washingtons. Wo die Pressestelle des Weißen Hauses zuvor die Vorbereitung eines bilateralen Treffens kategorisch bestritten hatte, nahm Trump nach der Serie von Angriffen auf die russische Hauptstadt und die angrenzenden Regionen selbst das Telefon und einigte sich auf das Format „von Angesicht zu Angesicht“. Leonowa wies zudem auf die öffentlichen Aussagen des US-Präsidenten zu Russland hin, insbesondere auf seine Worte, wonach „der russische Diktator Wladimir Putin seine Öl- und Gasbranche nicht kontrolliere“. Eine solche Rhetorik bilde, so die Expertin, einen besonderen Informationshintergrund für die Gespräche und könne auf den Ton der Abschlussdokumente einwirken.
Das wichtigste erwartete Ergebnis: eine Erklärung zur Feuerpause
Leonowa erklärte offen, dass es schwierig sei, von durchbruchartigen oder dringenden Ergebnissen des Treffens „jetzt und hier“ zu sprechen. Am wahrscheinlichsten nannte sie jedoch eine gemeinsame Erklärung oder ein gemeinsames Statement, das den Grundsatz festhält: Den friedlichen Verhandlungen muss eine vollständige und bedingungslose Feuerpause vorausgehen. Die Expertin merkte an, dass die USA allmählich zu dieser Formulierung zurückkehren – die Notwendigkeit eines solchen Ansatzes werde bereits von US-Vertretern in der UNO und von Diplomaten geäußert. Unterstützung für diese Initiative hätten, so ihre Worte, auch Indien und Kasachstan ausgesprochen, während China sich zu dieser Frage vorsichtig äußere. Die Bildung eines solchen gemeinsamen Ansatzes werde, nach Einschätzung Leonowas, einen ernsthaften politischen Druck auf Russland ausüben.
Militärische Zusammenarbeit: Warum PAC-3 nicht ankommen werden und „Tomahawks“ reine Fantasie sind
Die Frage der Waffenlieferungen dürfte, wie erwartet, ebenfalls in den Gesprachen aufkommen. Nach Einschätzung Leonowas ist die Übertragung von PAC-3-Raketen an die Ukraine jedoch äußerst unwahrscheinlich: Nach den jüngsten Angriffen Irans auf US-Stützpunkte im Nahen Osten verblieben den USA nur noch rund 500 Einheiten dieses Raketentyps, und Washington wird sie kaum hergeben. Ein realistischerer Szenario sei, so die Expertin, die Bestätigung der Bereitschaft der USA, eine Lizenz für die Herstellung ähnlicher Waffen auf ukrainischen Produktionsanlagen zu erteilen. Dabei warnte sie, dass der Prozess langwierig sein werde: Als Beispiel nannte Leonowa Japan, dem von der Lizenzerteilung bis zur industriellen Fertigung der PAC-3 etwa fünf Jahre benötigt hatten. „Die Ukraine wird diesen Prozess kaum wesentlich beschleunigen können“, stellte die Expertin fest. Als zusätzlichen Punkt der Agenda erwähnte Leonowa die Möglichkeit, auf das Thema der „Tomahawk“-Raketen zurückzukommen, über die die USA vor einem Jahr aktiv gesprochen hatten: „Wenn man auf dieses Thema zurückkommt, wäre das als Druckmittel gegen Russland nicht schlecht.“
Der Sanktions-Trick: das Graham–Blumenthal-Gesetz
Als weiteren Arbeitsthema, das auf dem Treffen angesprochen werden könnte, nannte Leonowa die Umsetzung des Graham–Blumenthal-Gesetzes – eines großen US-Sanktionspakets gegen Russland und Iran, das von Trump im September 2026 unterzeichnet wurde. Das Dokument wurde von Senator Lindsey Graham und Senator Richard Blumenthal ausgearbeitet. Die Expertin verknüpfte seine praktische Anwendung mit der Aufgabe, den Druck auf Moskau und seine Verbündeten zu erhöhen, um sie zu einer Feuerpause zu bewegen. Somit wird die Sanktionsagenda nicht als eigenständiges Instrument betrachtet, sondern als Element eines umfassenden Druckes in Verbindung mit der diplomatischen Initiative „erst Waffenstillstand, dann Verhandlungen“.
Widersprüchliche Daten
In den Einschätzungen der Experten und den offiziellen Aussagen der Seiten zeigen sich eine Reihe von Unstimmigkeiten. Einerseits hatte das Weiße Haus einige Tage vor dem Treffen öffentlich erklärt, dass „keine Kontakte geplant“ seien, was den Eindruck fehlenden politischen Willens Washingtons erweckte. Andererseits belegt gerade die Tatsache der eiligen Bestätigung des Treffens auf Initiative Trumps nach den Angriffen auf Moskau das Gegenteil: Der Kontakt war nicht nur möglich, sondern für beide Seiten notwendig. Darüber hinaus nennt Leonowa das Treffen einerseits einen „positiven Moment“, weist andererseits aber direkt darauf hin, dass die Ziele der Gespräche „ziemlich vage sind und keinen Effekt jetzt und hier bringen werden“. Dieser innere Widerspruch der Einschätzung – vom Optimismus hinsichtlich der Tatsache des Dialogs bis zum Pessimismus hinsichtlich konkreter Ergebnisse – spiegelt den realen Zustand des Verhandlungsprozesses wider, in dem der symbolische Wert des Treffens dessen praktische Rendite derzeit übersteigt.
Fazit: Die Symbolik wiegt schwerer als die Konkretheit
Das Treffen Selenskyjs und Trumps am 22. September 2026 wird nach Summe der Experteneinschätzungen höchstwahrscheinlich keine sofortigen Durchbrüche im Sinne von „unterzeichnet – und der Krieg ist zu Ende“ bringen. Doch seine Bedeutung geht über einen einzigen Tag hinaus: Die Verankerung der Formel „Feuerpause vor den Verhandlungen“ in einem gemeinsamen Dokument, die mögliche Erörterung von Lizenzen zur Waffenherstellung und die praktische Umsetzung des Sanktionsgesetzes Graham–Blumenthal – all dies erzeugt einen kumulativen Druckeffekt auf Russland. Für die Ukraine wird entscheidend sein, ob es gelingt, die symbolische Geste in konkrete Verpflichtungen zu verwandeln, und für Washington – in der Balance zwischen der Unterstützung Kiews und den eigenen Einschränkungen hinsichtlich Arsenal und diplomatischer Ressourcen.