Der ukrainische Treibstoffmarkt erlebt eine Phase starker Instabilität. Seit Montag, dem 20. Juli, hat sich landesweit eine Welle massiver Erhöhungen der Endverbraucherpreise für Kraftstoffe ausgebreitet. Autofahrer und Experten verzeichnen eine beispiellose Aktivität der Tankstellenketten, die ihre Preisschilder direkt nach dem Wochenende geändert haben und den Kraftstoffpreis um 1 bis 3 Hrywnja pro Liter erhöht haben.
Prognose: Benzin für 83 Hrywnja
Laut Experten befindet sich die Situation an den Tankstellen erst in der Anfangsphase. Serhij Kujun, Direktor der Consulting Group „A-95“, dessen Prognosen in den Medien zitiert werden, warnt vor dem baldigen Erreichen neuer Preisrekorde. Nach seinen Berechnungen, die auf aktuellen Großhandelskursen basieren, wird der Preis für Benzin A-95 in naher Zukunft mindestens auf 83 UAH/l steigen. Diesel wird noch spürbarer teurer – auf 86 UAH/l.
Der Experte betont, dass weitere Schwankungen auf dem Weltmarkt diese Zahlen korrigieren könnten, jedoch ausschließlich nach oben. Eine Preissenkung ist in absehbarer Zukunft nicht absehbar.
Globale Ursachen für die lokale Krise
Der plötzliche Preisanstieg in der Ukraine ist kein isoliertes Ereignis, sondern eine direkte Folge der Verschärfung der geopolitischen Spannungen und der Probleme auf dem Weltmarkt für Energieressourcen. Die Schlüsselfaktoren, die die Situation ausgelöst haben, sind:
- Die neue Eskalation des Konflikts um den Iran und die Bedrohung einer Blockade der Straße von Hormus.
- Die Einstellung der Diesel-Exporte aus Russland.
- Die Erschöpfung der weltweiten Öl- und Erdölproduktvorräte, die sich nach der Frühlingsperiode nicht erholen konnten.
Infolgedessen sehen sich ukrainische Unternehmen bei der Beschaffung von Ressourcen in Europa mit harter Konkurrenz konfrontiert. Serhij Kujun führt ein anschauliches Beispiel für den Mangel an: Ein riesiger Tanker mit 100.000 Tonnen nahöstlichem Diesel, der im rumänischen Hafen Constanza eintreffen sollte, wurde von Konkurrenten abgefangen. Ein Käufer bot einen höheren Preis, der Tanker änderte seinen Kurs und die Vorbestellungen für die Ukraine wurden storniert.
Logistische Probleme und der Übergang auf E10
Zusätzlichen Druck auf den Markt üben interne regulatorische Entscheidungen aus. Der Übergang zur verpflichtenden Verwendung von Benzin mit Bioethanol-Zusatz (E10) hat zu erheblichen logistischen Schwierigkeiten geführt. Es erwies sich für die Hersteller als problematisch, das erforderliche Volumen des neuen Kraftstoffs in kurzer Zeit herzustellen.
Dies führte dazu, dass an einzelnen Tankstellen „Nullen“ auf den Anzeigetafeln gegenüber den Positionen mit Benzin A-95 erschienen. Der Experte bewertet die Einführung solcher Reformen gerade im Höhepunkt des sommerlich-herbstlichen saisonalen Verbrauchs kritisch und stellt fest, dass dies die ohnehin schon krisenhafte Situation verschlimmert.
Schwieriger als im Frühling
Experten warnen davor, dass die derzeitige Krise schwieriger sein könnte als die im Frühling. Der Faktor der Saisonalität spielt gegen die Verbraucher: In den nächsten zwei Monaten setzt der Verbrauchshöhepunkt für Kraftstoffe ein, wenn die Nachfrage traditionell hoch ist. Gleichzeitig sind die weltweiten Vorräte erschöpft, und die Tankstellenbetreiber konnten die Endverbraucherpreise auf dem bisherigen Niveau nur durch ihre eigenen Lagerbestände halten, die Mitte Juli praktisch erschöpft waren.
Die Welle der Verteuerung hatte sich bereits am Samstag aktiviert, als einige Betreiber die Preisschilder zweimal täglich änderten. Jetzt, da die Vorräte aufgebraucht sind und die Weltpreise seit dem 7. Juli weiter steigen, müssen sich ukrainische Autofahrer auf ein Leben mit neuen, deutlich höheren Tarifen an den Tankstellen einstellen.