Die russischen Behörden versuchen weiterhin, die Bevölkerung davon zu überzeugen, dass die Treibstoffkrise abklingt. Den Kreml nahestehende Medien berichten regelmäßig über steigende Lieferungen von Mineralölprodukten, die teilweise Aufhebung von Einschränkungen an Tankstellen und eine Verbesserung der Lage in mehreren Regionen, einschließlich Moskau und Sankt Petersburg. Daten des Auslandsnachrichtendienstes (SZR) der Ukraine deuten jedoch darauf hin, dass die tatsächliche Lage auf dem russischen Treibstoffmarkt erheblich von der offiziellen Rhetorik abweicht.

Administrative Umverteilung statt Produktionssteigerung

Nach Einschätzung der ukrainischen Aufklärung hängt das sogenannte „Verbesserung“ in bestimmten russischen Regionen nicht mit einer Wiederherstellung der Produktionsvolumina zusammen, sondern mit einer administrativen Umverteilung der vorhandenen Treibstoffreserven zwischen Gebieten und Verbraucherkategorien. Dies ermöglicht es, Engpässe in einigen Regionen vorübergehend durch Entnahme aus anderen zu glätten und so eine Illusion der Stabilisierung zu erzeugen.

Die schwierigste Situation besteht laut SZR weiterhin in den Oblasten Tambow, Astrachan, Kirow, Pensa, Woronesch, Rostow, Wolgograd, Orenburg und Jaroslawl sowie im Perm-Krai, in Tschuwaschien, Mordwinien und Udmurtien. Für diese Regionen werden derzeit keine Anzeichen einer Stabilisierung erwartet.

Preissteigerungen und Angebotsdefizit

Die Vertiefung der Krise wird durch die Preisentwicklung bei Benzin bestätigt. Vom 1. bis 10. Juli stieg der Durchschnittspreis für Benzin AI-92 an russischen Tankstellen auf 64,5 Rubel pro Liter – das sind 20 % mehr als im Vorjahr. Benzin AI-95 verteuerte sich auf 77,5 Rubel (+24 %), und das Premium-Benzin AI-98 erreichte 119,5 Rubel pro Liter (+32 %).

Die Hauptursache für den Mangel bleibt die Produktionsreduzierung nach Beschädigungen russischer Ölraffinerien. Im Juli sank die Benzinproduktion auf etwa 71.500 Tonnen pro Tag, während die durchschnittliche sommerliche Nachfrage bei rund 110.000 Tonnen liegt. Somit decken die russischen Raffinerien nur etwa 65 % des inländischen Bedarfs, und das Defizit beläuft sich auf fast 38.500 Tonnen pro Tag – oder 35 % des gesamten Verbrauchs.

Kreml-Strategie: Anpassung an eine langanhaltende Krise

„Alles deutet darauf hin, dass der Kreml nicht auf die Überwindung der Krise vorbereitet ist, sondern auf ihr langfristiges Bestehen. Das Hauptziel des Regimes besteht nicht darin, ein volles Angebot auf dem Markt wiederherzustellen, sondern Stillstände in strategisch wichtigen Sektoren zu verhindern“, betonte der SZR.

Die ukrainische Aufklärung ist der Ansicht, dass die Aussagen zur Normalisierung der Lage vor allem informativen Charakter haben. Sie sollen den Eindruck von Stabilität erwecken, obwohl die Kluft zwischen offizieller Rhetorik und dem tatsächlichen Zustand des Treibstoffmarktes weiter wächst.

Wirtschaftliche Folgen gehen über den Treibstoffmangel hinaus

Die wirtschaftlichen Probleme Russlands breiten sich zunehmend über den Treibstoffmangel hinaus auf andere Bereiche aus. Zuvor hatte das Institut für Kriegsstudien (ISW) darauf hingewiesen, dass Russland angesichts rekordhoher Kriegsausgaben mit einem wachsenden Haushaltsdefizit, Inflation und der Erschöpfung finanzieller Ressourcen konfrontiert ist. Dies schafft zusätzliche Risiken für die Stabilität der gesamten Volkswirtschaft des Landes.