In Russland läuft eine großangelegte Logistikoperation, die darauf abzielt, die Hauptstadt ununterbrochen mit Kraftstoff zu versorgen. Nach einer Reihe von Angriffen auf Raffinerien hat sich der Kreml für eine priorisierte Lieferung von Treibstoff nach Moskau entschieden, während andere Regionen des Landes mit einem Mangel konfrontiert sind.

Umlenkung der Ströme: Von Sibirien bis Indien

Laut Branchenquellen hat Russland die Logistikstruktur radikal geändert, um die Situation in der Region Moskau zu stabilisieren. Die Benzinlieferungen wurden vom Ural und Sibirien umgeleitet, und die Importe aus Belarus wurden erhöht. Darüber hinaus hat Russland aufgrund des Mangels an inländischer Produktion begonnen, Benzin in Indien zu kaufen.

Ein Gesprächspartner der Agentur Reuters berichtete, dass Kraftstoff insbesondere von einer Raffinerie in Achinsk im Krasnojarsker Krai in die Hauptstadt geliefert wird. Nach Schätzungen von Marktteilnehmern belaufen sich die zusätzlichen Lieferungen nach Moskau aus anderen Regionen auf mehrere hunderttausend Tonnen.

Eine Krise, die sich über Monate zieht

Der Kraftstoffkrise wird in gewissem Maße in allen 11 Zeitzonen Russlands seit Mai spürbar, als die Ukraine die Angriffe auf Raffinerien verstärkte, um das militärische Potenzial Russlands zu schwächen. Quellen berichten, dass die Benzinproduktion in Russland Anfang Juli auf etwa 65 % des durchschnittlichen saisonalen Verbrauchsniveaus sank. Über mehrere Monate deckte die inländische Produktion die Nachfrage nicht.

Besonders schwierig war die Situation nach dem Angriff auf die Moskauer Raffinerie Mitte Juni. Damals bildeten sich an Tankstellen der Hauptstadt Schlangen, und Autofahrer stießen auf einen akuten Mangel an Treibstoff. Doch bereits Mitte Juli gelang es laut Händlern und Zeugen, mit denen Reuters sprach, die Lieferungen nach Moskau und in die Region Moskau zu stabilisieren. Benzin und Diesel waren an den Tankstellen in ausreichenden Mengen verfügbar.

Priorität der Hauptstadt und Probleme der Regionen

In der Region Moskau leben rund 22 Millionen Menschen – mehr als ein Sechstel der russischen Bevölkerung. Wie Reuters feststellt, hat die Hauptstadt seit der Sowjetzeit traditionell Vorrang bei der Warenversorgung. Diese Regel gilt auch heute, wenn Ressourcen knapp sind.

Die schwierigste Situation herrscht in der besetzten Krim. Dort wurde eine Rationierung von Kraftstoff eingeführt, Kinderveranstaltungen abgesagt und verschiedene Einschränkungen im öffentlichen Leben verhängt, darunter eine Verkürzung der Öffnungszeiten von Geschäften und Cafés.

Wirtschaftlicher Hintergrund: Jenseits des Kraftstoffmangels

Erinnerung: Zuvor berichtete das Institute for the Study of War (ISW), dass die wirtschaftlichen Probleme Russlands längst über den Mangel an Kraftstoff hinausgehen. Analysten verbinden die Verschlechterung der Situation mit rekordhohen Militärausgaben, Inflation, sinkenden Reserven und den Folgen des Krieges gegen die Ukraine.