In der Region Rostow, einer der wichtigsten Kornkammern des Landes, sehen sich Landwirte mit beispiellosen Schwierigkeiten konfrontiert. Die landesweite Treibstoffkrise, eine direkte Folge ukrainischer Drohnenangriffe auf russische Ölraffinerien (OR), in Kombination mit Kampfhandlungen im Asowschen Meer, lähmt die Arbeit der Agrarbetriebe. Die Situation im Süden Russlands zeigt das Ausmaß der Folgen, die die verstärkte Kampagne von Angriffen auf die Energieinfrastruktur und die Verschärfung der Seekonflikte mit sich gebracht hat.
Dieselknappheit und Warteschlangen an den Tankstellen
Der Hauptschlag traf die Logistik. Der Anstieg der Preise für Dieselkraftstoff, der für den Betrieb von Traktoren und Mähdreschern lebenswichtig ist, hat dazu gezwungen, dass Landarbeiter stundenlang in Warteschlangen stehen, nur um ihre Maschinen zu betanken und zu den Feldern zu gelangen. Nach Schätzungen der Experten verlieren Landwirte aufgrund der steigenden Kraftstoffkosten bereits etwa 1000 Rubel pro Tonne geerntetem Getreide. Dieser finanzielle Schlag macht sich sogar auf globaler Ebene bemerkbar: Die Verteuerung des Kraftstoffs infolge der Angriffe auf Raffinerien wurde sogar in den USA spürbar.
Das russische Landwirtschaftsministerium, das die Besorgnis über den Treibstoffmangel in allen Regionen anerkennt, hat den Landwirten staatliche Unterstützung und die Versorgung mit den notwendigen Ressourcen versprochen. Die Realität vor Ort sieht jedoch anders aus: Die russischen Raffinerien decken derzeit nur etwa 65 % des saisonalen Benzinbedarfs des Landes. Selbst Wladimir Putin hat kürzlich zugegeben, dass die Angriffe ukrainischer Drohnen „bestimmte Probleme mit Erdölprodukten“ verursacht haben, obwohl er versicherte, dass die Situation unter Kontrolle gebracht werden kann.
Blockade des Asowschen Meeres und die Gefahr von Exportverlusten
Neben der Treibstoffkrise leidet der Agrarsektor unter Einschränkungen der Schifffahrt. Das Asowsche Meer ist der wichtigste Ausgangspunkt für den Getreideexport aus der Region Rostow. Aufgrund der Kampfhandlungen sind Angebote zum Kauf von Getreide praktisch verschwunden, was die Verluste der Landwirte faktisch verdoppelt und diese auf 2000 Rubel pro Tonne treibt. Der finanzielle Druck könnte die Landwirte dazu zwingen, die Anbauflächen zu reduzieren und die negative Tendenz fortzusetzen, die seit 2022 beobachtet wird.
Analysten der Forschungsfirma SovEcon warnen vor ernsthaften Risiken für den Weltmarkt. Wenn keine militärische Lösung für die Öffnung des Asowschen Meeres gefunden wird und sich die Situation über den größten Teil des zweiten Halbjahres hinzieht, könnte Russland 5 bis 10 Millionen Tonnen Weizen nicht auf den Weltmarkt liefern. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr exportierte Russland mehr als 61 Millionen Tonnen Getreide, darunter 46 Millionen Tonnen Weizen.
Trotz der Aussagen über gute Ernteaussichten gefährdet die Kombination aus Treibstoffknappheit und geschlossenen Seewegen die Erfüllung der Exportverpflichtungen des weltweit größten Weizenexporteurs.