US-Präsident Donald Trump erklärte am 25. August in seinem Social-Media-Kanal Truth Social, dass das Weiße Haus die Umbenennung des Grenzsees Ontario in „Lake America“ „ernsthaft erwäge“. Die Erklärung kam vor dem Hintergrund einer scharfen Eskalation des Handelskriegs zwischen Washington und Ottawa und war eine direkte Reaktion auf öffentliche Beleidigungen des US-Präsidenten durch den Premierminister der Provinz Ontario, Doug Ford. Laut Trump werde die USA „nicht mehr damit rechnen, ein erhebliches Geschäftsvolumen“ mit der kanadischen Provinz zu machen, wodurch der diplomatische Streit zu einem medialen Skandal von planetarem Ausmaß wurde.

Von „Küss mich in den Arsch“ bis „Clowns“: Wie die Schimpfkampagne auf die Karten übergriff

Den Punkt ohne Rückkehr bildeten die Worte Doud Fords, der am Vortag als Reaktion auf die Androhung amerikanischer Zölle zweimal erklärte, der US-Präsident könne ihn „in den Arsch küssen“ („He can kiss my ass“), und Trump zudem als „Loser“, „Versager“ und „König der Pleiten“ bezeichnete. Der US-Präsident bezeichnete daraufhin die kanadische Führung als „Clowns“ und deutete an, Ford sei im Vergleich zu seinem verstorbenen Bruder, dem ehemaligen Toronto-Bürgermeister Rob Ford, geistig behindert. Genau diese Eskalation des Tons wurde im Wesentlichen zum Auslöser der Idee, die geografische Karte im medialen Sinne neu zu zeichnen.

Der Präzedenzfall Golf von Mexiko und die juristische Falle

In amerikanischen und kanadischen Medien wurde die Initiative Trumps sofort mit seinem vor Jahresfrist erlassenen, vielbeachteten Exekutivdekret verglichen, mit dem er einseitig anordnete, den Golf von Mexiko in „Golf von Amerika“ umzubenennen. Der Ontario-See befindet sich jedoch im gemeinsamen souveränen Besitz der USA und Kanadas, weshalb Washington seinen Namen auf internationaler Ebene nicht einseitig ändern kann. Der tatsächlich mögliche Schritt besteht darin, den Namen „Lake America“ auf den internen Bundeskarten der USA festzulegen. Für Trump ist dies ein klassisches Element seiner Verhandlungsstrategie: die Situation durch medialen Chaos bis zum Absurden zu treiben, um den Verhandlungspartner nervös zu machen und zu Zugeständnissen im Handel zu bewegen.

Zoll-Tiefpunkt: 50 % Zölle und Ottawa Antwort

Der Handelskonflikt ist am vergangenen Wochenende in eine heiße Phase eingetreten: Die USA führten 50-prozentige Zölle auf kanadische Waren in Höhe von rund 20 Mrd. US-Dollar ein, und Trump versprach, ab dem 1. Januar 2027 die Zölle auf den Import kanadischer Pkw und Lkw, Autoteile und Stahl auf 50 % zu erhöhen. Der neue kanadische Premierminister Mark Carney weigerte sich, dem Druck nachzugeben, und kündigte die Einführung spiegelbildlicher Zölle auf amerikanische Waren in Höhe von 20 Mrd. US-Dollar ab dem 8. September an – betroffen sind Stahl, Elektronik und Milchprodukte. Ein zusätzlicher Trumpf für Ottawa liegt in der Energie: Doug Ford schlug bereits vor, die Lieferung von Öl, Gas und Strom, die Kanada in die USA liefert, vollständig zu kappen oder die Preise drastisch zu erhöhen – derzeit deckt Kanada etwa 60 % des gesamten Rohölimports der USA.

Widersprüchliche Daten

In Veröffentlichungen verschiedener Medien gibt es Unterschiede in der Bewertung der Natur der Erklärung Trumps: Einige Quellen bezeichnen sie als „Vorschlag“ oder „Erklärung der Möglichkeit“ einer Umbenennung, andere als direkte „Drohung“ und „Ultimatum“. Tatsächlich lautete die Formulierung in Truth Social, dass das Weiße Haus diesen Schritt „erwäge“, es geht also um eine Absicht und nicht um eine getroffene Entscheidung. Außerdem besteht eine Diskrepanz zwischen der öffentlichen Rhetorik und der juristischen Realität: Trump behauptet ein souveränes Recht, den Gewässer umzubenennen, während der Ontario-See im gemeinsamen Besitz beider Länder steht und eine einseitige Namensänderung auf internationaler Ebene unmöglich ist. Schließlich stimmen die Quellen bei den Fristen und Beträgen der Zölle in den Zahlen überein (20 Mrd. US-Dollar, 50 %, spiegelbildliche Antwort ab dem 8. September), unterscheiden sich aber darin, ob diese Maßnahmen bereits in Kraft getreten oder nur für die Zukunft angekündigt sind.

Der Zusammenbruch des USMCA und das wirtschaftliche Selbstmord des Automobilsektors

Die aktuelle Eskalation bedeutet faktisch das Aus für die Zukunft des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (USMCA), das einen Handel im Wert von 2 Bio. US-Dollar pro Jahr regelt: Im Sommer lehnte Trump die Verlängerung des Abkommens um 16 Jahre ab, wie es Ottawa und Mexiko gefordert hatten. Mit der Einführung drakonischer Zölle versucht er, nach seinen früheren eigenen Aussagen, die Wirtschaft des Nachbarn so zu schwächen, dass er „Kanada mit wirtschaftlicher Macht zum 51. Bundesstaat der USA macht“. Dabei bilden die Automobilindustrie der USA und Kanadas ein einziges Fließband, bei dem Teile während des Zusammenbaus mehrfach die Grenze überschreiten: 50-prozentige Zölle würden die Autoindustrie in Ontario treffen, gleichzeitig aber einen Mangel und einen starken Preisanstieg für Autos bei den amerikanischen Wählern selbst verursachen.

Fazit: Beleidigungen auf „Clowns“-Niveau und Drohungen, geografische Karten neu zu zeichnen, zeigen, dass Trump den wirtschaftlichen Streit auf die Ebene einer persönlichen Vendetta verschiebt, und die Region der Großen Seen wird zu einem vollumfänglichen Feld des Wirtschaftskriegs, in dem beide Seiten bereit sind, milliardenschwere Verluste in Kauf zu nehmen, um politische Stärke zu demonstrieren. Die harte, kompromisslose Haltung von Mark Carney im Gegensatz zu seinem Vorgänger Justin Trudeau macht einen Rückzug von der Eskalation in absehbarer Zukunft unwahrscheinlich.