US-Präsident Donald Trump erwog am vergangenen Wochenende einen Luftangriff auf die jemenitischen Huthi – eine bewaffnete Gruppierung, die Washington als von Iran unterstützt betrachtet. Laut Quellen wurde die Entscheidung zur Anwendung von Gewalt vorerst aufgeschoben: Das Weiße Haus möchte angesichts der ohnehin angespannten Lage im Nahen Osten und im Roten Meer den Kriegsschauplatz nicht erweitern.

Die schwankende Entscheidung des Weißen Hauses

Der Entscheidungsprozess war laut Berichten nicht linear. Am Mittwoch, den 16. September, gab Trump während der Beratungen mit den Beratern für nationale Sicherheit den Quellen zufolge zu verstehen, dass er sich gegen Luftangriffe entscheide. Doch am Donnerstag, nachdem Kronprinz Mohammed bin Salman aus Saudi-Arabien erneut den US-Präsidenten um Hilfe gebeten hatte (ein ähnlicher Anruf war etwa zehn Tage zuvor erfolgt), wies Trump das Pentagon an, sich auf Luftangriffe vorzubereiten. Spät am Samstagabend wurde jedoch beschlossen, die Maßnahmen gegen die Huthi vorerst aufzuschieben.

Widersprüchliche Daten

Im öffentlichen Signal des Weißen Hauses in diesen Tagen zeigt sich eine bemerkenswerte Diskrepanz, die ehrlich widerzuspiegeln ist. Einerseits zeigte die Regierung am Mittwoch eine Neigung zur Zurückhaltung und zum Verzicht auf Angriffe; andererseits wurde dem Pentagon bereits am Donnerstag nach dem Telefonat mit Riad befohlen, sich auf den Einsatz von Gewalt vorzubereiten. Das Ergebnis war eine dritte, kompromissbereite Position: Die Vorbereitung lief formell, aber der eigentliche Angriff wurde verschoben. Somit existieren die Version „Die USA verzichten auf den Angriff“ und die Version „Die USA bereiten sich auf den Angriff vor“ gleichzeitig in verschiedenen Zeitabschnitten, und die endgültige Entscheidung zur Verschiebung stützt sich auf anonyme Quellen, was das Bild mehrdeutig macht.

Kontext: Die Huthi dringen im Roten Meer vor

Die Entscheidung des Weißen Hauses fiel vor dem Hintergrund einer starken Eskalation im Jemen. In den vergangenen Wochen haben die Huthi vom von Saudi-Arabien unterstützten jemenitischen Regierung wichtige strategische Gebiete zurückerobert, insbesondere entlang der Küste des Roten Meeres. So eroberten die Huthi am 11. September die Insel Perim in der Straße von Bab el-Mandeb – einem der wichtigsten Seewege für den weltweiten Ölhandel. Das strategische Ziel der Eroberung besteht laut Einschätzungen in der Möglichkeit, die Straße zu blockieren. Vor wenigen Tagen griffen die jemenitischen Huthi zudem den Flughafen von Riad und eine Öl-Einrichtung Saudi-Arabiens mit Drohnen und Raketen an, was die Befürchtungen Washingtons vor einer breiten regionalen Eskalation verstärkte.

Diplomatischer Track und die Position Irans

Parallel zum militärischen Track lief auch ein diplomatischer. Laut Berichten der Agentur Reuters sprach Trump bereits am Montag telefonisch mit Raschad al-Alimi – dem Vorsitzenden des Jemenitischen Präsidialrats, des Exekutivorgans der international anerkannten Regierung des Landes. Gleichzeitig warnte Iran, das die USA als Schutzmacht der Huthi betrachten, öffentlich vor einer neuen Eskalation durch die USA und ihre Verbündeten, was die Möglichkeit eines direkten Angriffs zusätzlich erschwert. Zusammengefasst erklären diese Faktoren, warum Washington trotz des Drucks aus Riad und der Bereitschaft des Pentagons die Gewaltoption vorerst aufschreibt.