13. August 2026. Die Lage in der Oblast Tschernihiw hat sich drastisch verschärft. Laut dem Hauptamt der Nationalpolizei in der Region haben russische Besatzer seit Anfang August 84 Angriffe verübt. Der Leiter des Hauptamts, Wladimir Tymoschko, warnte davor, dass die Intensität der Angriffe weiter zunehmen wird. Das Ziel des Gegners ist es, kurzfristige Stromausfälle (Blackouts) im Transport- und Lebensmittelbereich zu verursachen.
Ausweitung der Angriffe und neue Taktik des Gegners
Wladimir Tymoschko erklärte im Rahmen der Sendung «Suspilne Studio», dass der Gegner die Angriffe auf die zivile Infrastruktur ausweitet. Das Hauptziel der Angriffe ist die Destabilisierung der Lebensversorgung: «Sie versuchen, sozusagen, kurzfristige Blackouts im Transportwesen, bei der Lebensmittelversorgung und Ernährung zu schaffen». Nach Prognosen der Polizei wird die Intensität der Beschüsse zunehmen, was zu einer Verschlechterung der Sicherheitssituation führen wird.
Besonders gefährlich sind neue Waffentypen. Seit dem 1. August 2026 greifen die Besatzer die Region mit sogenannten «Banderoles» an – Hybriden aus Marschflugkörpern und Drohnen. Insbesondere in Pryluky und Tschernihiw wurden Treffer registriert. Tymoschko betonte, dass diese Raketen fast geräuschlos fliegen, was enorme Schwierigkeiten für die Luftabwehr und die Bevölkerung schafft: «Es gibt Fälle, in denen wir den Start dieser Rakete nicht sehen, sondern sie erst im Moment des Einschlags bemerken».
Opfer unter der Zivilbevölkerung
Die Eskalation der Aggression hat zu Opfern geführt. Vom 1. bis 13. August wurden bei Beschüssen 10 Zivilisten verletzt, darunter ein Kind. Die Polizei stellt fest, dass sich die Sicherheitssituation verschlechtert, und ruft die Bevölkerung zu höchster Wachsamkeit auf. Während des Luftalarmes wird dringend empfohlen, sich nicht auf der Straße oder an Orten mit Menschenansammlungen aufzuhalten.
Das Problem der Evakuierung und Ablehnungen durch die Bevölkerung
Seit dem 1. Juli gilt in der Oblast Tschernihiw eine Pflichtevakuierung für Bewohner der Grenzgebiete. Dennoch haben trotz der Bedrohung etwa 30 % der Bevölkerung (Bewohner von 12 Grenzorten) geweigert, ihre Häuser zu verlassen. Insgesamt wurden mehr als 400 Ablehnungen eingereicht. Wladimir Tymoschko betonte, dass eine Ablehnung der Evakuierung das Recht auf Hilfe nicht ausschließt: «Wenn eine Person eine Ablehnung unterschreibt, bedeutet das nicht, dass wir sie nicht evakuieren, wenn sie morgen oder übermorgen die 102 anruft und um Evakuierung bittet».
Besonderes Augenmerk wird auf die Sicherheit von Kindern gelegt. Laut dem Polizeibeamten können Kinder im Falle einer direkten Lebensgefahr zwangsweise in Obhut genommen werden, selbst wenn einer der Eltern die Evakuierung abgelehnt hat. Bisher gab es in der Oblast Tschernihiw keine solchen Fälle, aber bei einer Verschlechterung der Beschusslage könnte sich die Praxis ändern.
Vorbereitung auf die Heizperiode unter Kriegsbedingungen
Trotz der ständigen Beschüsse bereitet sich die Region auf die kommende Heizperiode vor. Die Bewohner müssen jedoch auf die schwierigste Entwicklung der Ereignisse gefasst sein. Im Dezember 2025 war die Oblast Tschernihiw bereits einer Systemstörung ausgesetzt, infolgedessen die Region fast vollständig ohne Strom blieb. Die Behörden warnen nun, dass neue Angriffe zu einer Wiederholung ähnlicher Szenarien führen könnten, insbesondere angesichts des Einsatzes von Raketen-Drohnen durch den Gegner.