Eine Reihe bekannter Interpreten und Schauspieler, die in der Ukraine geboren und aufgewachsen sind, haben nach dem 24. Februar 2022 keine öffentliche Erklärung mit der Verurteilung der russischen Invasion abgegeben. Ihre Geburtsstädte – Kiew, Odessa, Uschhorod, Pawlograd – befinden sich heute im Kampfgebiet oder unter Besatzung, doch die Karrierewege dieser Künstler sind eng mit der russischen Showbranche verbunden. Laut dem Unterhaltungsprojekt Styler (RBC-Ukraine) verschwanden einige von ihnen nach Beginn des großflächigen Krieges praktisch aus dem ukrainischen Informationsraum, andere beschränkten sich auf vorsichtige Aussagen, die keine direkte Verurteilung der Aggression enthielten. Die Redaktion von XAB.info stellt die wesentlichen Fakten aus dem Styler-Artikel sowie den Kontext der öffentlichen Positionen dieser Personen bis September 2026 dar.
Showman und Produzent: Das Schweigen Tsekalos und die „SVO' in seiner persönlichen Geschichte
Maxim Tsekalo, Showman und Produzent, wurde in Kiew geboren, wo er seine Kindheit verbrachte und in der Ukraine erste Bekanntheit erlangte, bevor er eine große Karriere in der russischen Showbranche aufbaute. Nach Beginn der großflächigen Invasion kommentierte er den Krieg lange Zeit nicht. Allerdings erwähnte Tsekalo laut dem Styler-Artikel 2025 den Konflikt im Kontext seines Privatlebens und verwendete dabei den russischen Begriff „SVO'. Eine öffentliche Erklärung mit der Verurteilung der russischen Invasion folgte nicht, und sein Produktionsunternehmen arbeitet den Angaben zufolge weiterhin mit dem russischen Markt.
Schauspieler kiewischer Herkunft: Makowezki und Tschernyschow
Sergei Makowezki, ebenfalls in Kiew geboren, zog im Erwachsenenalter nach Moskau und wurde zu einem der bekanntesten Schauspieler des russischen Theaters und Kinos. In den ersten Wochen der großflächigen Invasion veröffentlichte er ein Video, in dem er den ukrainischen „Pisnja pro ruschnyk' vortrug. Eine direkte Verurteilung der russischen Aggression enthielt dieser Beitrag jedoch nicht. Nach diesem Vorfall kehrte der Schauspieler faktisch zu seinem gewohnten Leben in Russland zurück und machte keine weiteren öffentlichen Aussagen zum Krieg. Eine ähnliche Situation zeigt sich auch bei einem weiteren Kiewer – dem Schauspieler Tschernyschow, der ukrainischen Zuschauern durch zahlreiche russische Serien bekannt ist. Nach dem 24. Februar 2022 trat er nicht mit einer öffentlichen Verurteilung des Krieges hervor, und in Berichten über sein aktuelles Leben wurde erwähnt, dass der Schauspieler weiterhin aktiv in Moskau arbeitet.
Stojanow: „Meine Sprache ist Kunst, nicht Politik'
Andrei Stojanow wurde in Odessa geboren, wo er einen Teil seiner Kindheit verbrachte. Seine größte Popularität erlangte er in Russland dank der Fernsehshow „Gorodok' und anderen TV-Projekten. 2024 erklärte Stojanow, warum er keine politischen Aussagen macht: Laut seinen Worten ist „seine Sprache Kunst, nicht Politik'. Eine öffentliche Verurteilung der großflächigen russischen Invasion in der Ukraine seitens des Schauspielers folgte nicht.
Jelka und MARUV: Ukrainische Wurzeln und die russische Bühne
Elisaweta Iwanzewa, bekannt unter dem Künstlernamen Jelka, wurde in Uschhorod geboren. Eine Zeit lang war sie auch in der Ukraine populär, wo sie unter anderem als Jury-Mitglied der ukrainischen „X-Factor' arbeitete, baute ihre Karriere jedoch anschließend vor allem in Russland auf. Nach Beginn des großflächigen Krieges sagte die Sängerin ein Konzert ab und schrieb: „Ich bin sicher, dass alle alles verstehen'. Eine direkte Verurteilung der russischen Invasion trotz ihrer ukrainischen Wurzeln gab es von ihr nicht. Später wurde bekannt, dass sie die russische Staatsbürgerschaft erhielt. Anna Korsun, bekannt als MARUV, wurde in Pawlograd geboren. Noch vor dem großflächigen Krieg arbeitete sie aktiv auf dem russischen Markt, und 2019 lehnte sie wegen einer Tournee in Russland die Teilnahmebedingungen für das „Eurovision' seitens der Ukraine ab. 2022 wandte sich MARUV an die russischen Soldaten mit dem Appell, über die Folgen der Kampfhandlungen und die menschlichen Opfer nachzudenken, nannte Putin jedoch nicht den Aggressor und trat nicht mit einer direkten politischen Verurteilung der russischen Behörden hervor. In den Jahren 2025–2026 charakterisierten ukrainische Medien ihre Position weiterhin als schweigend: Die Künstlerin bleibt mit dem russischsprachigen Musikmarkt verbunden.
Kontext: Warum Schweigen zur Position wird
Die Gesamtheit der im Styler-Artikel beschriebenen Fälle zeichnet ein klares Bild: Künstler, deren Karriere nach dem Umzug nach Russland praktisch vollständig vom russischen Markt abhängt, beschränkten sich nach 2022 entweder auf neutrale oder ästhetische Aussagen oder machten gar keine Erklärungen. Keiner der genannten Interpreten trat mit einer direkten öffentlichen Verurteilung der russischen Invasion in der Ukraine hervor. Für das ukrainische Publikum, in dem die Geburtsstädte dieser Personen im Kampfgebiet liegen, wird solches Schweigen als bedeutendes soziales und ethisches Signal wahrgenommen. Das Projekt Styler betont, dass die Unterhaltungsindustrie, in der sich die ukrainischen und russischen Märkte kreuzen, nach 2022 zu einem Feld wurde, in dem berufliche Tätigkeit und bürgerliche Position in den Augen des Publikums untrennbar miteinander verbunden sind.