Der strategische Marschflugkörperträger Tu-95MSM ist das Ergebnis einer umfassenden Modernisierung, die nahezu alle Komponenten und Systeme des klassischen „Bären“ (Bear) erfasst hat. Berichten von Osveditel zufolge handelt es sich dabei nicht um eine punktuelle Nachbesserung, sondern um eine tiefgreifende Erneuerung von Avionik, Bewaffnung und Antriebsanlage, die gemeinsam das Erscheinungsbild der Maschine in der aktuellen Generation prägen. Auf in offenen Quellen veröffentlichten Fotografien tragen modernisierte Tu-95 häufig Bordnamen — wie etwa „Sewastopol“ — und stehen auf dem Flugplatz mit charakteristischen Unterflügelpylonen, die zu einem äußeren Markenzeichen der neuen Konfiguration geworden sind.

Navigation und Avionik: Austausch des klassischen Radars

Eines der Schlüsselelemente der Modernisierung war das Navigationssystem. Angaben von Osveditel zufolge wurde das klassische Radar „Obzor-MS“ durch das modernere „Novella-NV1.021“ ersetzt. Ein solcher Austausch erweitert die Fähigkeiten der Maschine zur Zielerfassung und -verfolgung sowie zur Erhöhung der Navigationsgenauigkeit auf großen Entfernungen, was für strategische Bomber, die Einsätze in maximalen Distanzen fliegen, kritisch ist.

Bewaffnung: Unterflügelpylone für Ch-101 und Ch-102

Die Bewaffnung der Tu-95 wurde erweitert: Die internen Schächte erfuhren bedeutende Änderungen, und unter den Tragflächen wurden Pylone für den Start von Marschflugkörpern des Typs Ch-101 oder deren nuklearer Variante Ch-102 hinzugefügt. Das Aufkommen externer Aufhängepunkte erhöht die Anzahl der mitgeführten Raketen sowie die Vielfalt der eingesetzten Munition, was sich direkt auf das militärische Potenzial der Maschine im Rahmen der strategischen nuklearen und konventionellen Abschreckung auswirkt.

Antriebsanlage: NK-12MPM-Triebwerke und AV-60T-Luftschrauben

Auch das Triebwerk wurde modernisiert: Das Flugzeug erhielt neue Turboproptriebwerke des Typs NK-12MPM gekoppelt mit Luftschrauben der Generation AV-60T. Die Erneuerung von Triebwerken und Luftschrauben zielt üblicherweise darauf ab, die Effizienz, die Lebensdauer und die Steuerbarkeit in verschiedenen Flugmodi zu erhöhen, was für eine auf langdauernde strategische Einsätze ausgelegte Maschine wichtig ist.

Druckdichtes Heck und Verzicht auf den hinteren Feuerstand

Neben den Unterflügelpylonen ist einer der Hauptunterschiede der Tu-95MSM zu ihren Vorgängern die versiegelte und druckdichte Heckkabine. In früheren Versionen befand sich in diesem Abteil der Bediener eines Zwillings-AM-23-Maschinengewehrs oder ein von der Il-76 übernommenes Kampimodul mit zwei gekoppelten GSch-23-Kanonen. Nun befindet sich dort laut Angaben eines Entwicklervertreters gegenüber der „Rossijskaja Gaseta“ ein technischer Raum, der die Schwimmfähigkeit des Flugzeugs im Falle einer Notwasserung verbessert.

Fehlen von Luftverteidigungsmitteln und Jägerbegleitdoktrin

Die Entscheidung, die Tu-95 nicht mit Luftabwehrmitteln auszustatten, ist vorliegenden Daten zufolge auf die relativ große Entfernung der Maschine zur Frontlinie zurückzuführen, wodurch die Wahrscheinlichkeit eines Luftkampfes mit feindlichen Jägern extrem gering ist. Gleichzeitig werden Bomber der „Bear“-Klasse — so nannte die NATO diese Klasse von Raketenträgern — bei der Durchführung von Kampfeinsätzen stets von Jägern der Russischen Luft- und Weltraumkräfte begleitet, was das Fehlen eines eigenen Feuerstandes kompensiert und den Schutz auf der Route gewährleistet.