Die Türkei hat den ukrainischen Botschafter in Ankara, Neriman Dschelal, ins Außenministerium einbestellt, um die Angriffe auf zwei türkische Schiffe im Schwarzen Meer zu besprechen. Dies berichtet RBC-Ukraine unter Verweis auf die Agentur Anadolu und andere Medien. Quellen im türkischen Außenministerium zufolge geht es um Vorfälle, die Ankara als Bedrohung der Schifffahrtsicherheit in der Region einstuft und die eine offizielle diplomatische Reaktion auf Botschaftsebene erforderten.

Grund der Einbestellung: Angriffe auf zwei türkische Schiffe

Laut türkischen Quellen war der Hauptgrund der Einbestellung der Angriff auf das Schiff Lider Bordo Mavi, das Gemüse vom türkischen Hafen Samsun in die russische Stadt Tuapse transportierte. Am 26. August wurde dieses Schiff Medienberichten zufolge von drei Drohnen angegriffen, wobei fünf Besatzungsmitglieder verletzt wurden. Später wurde ein zweites Schiff – die Lider Kocatepe – zur Abschleppung des beschädigten Schiffs entsandt, doch auch dieses wurde angegriffen. Damit traten gleich zwei Vorfälle, nicht nur einer, in die diplomatische Dimension.

Chronologie des Vorfalls: von der Lider Bordo Mavi zur Lider Kocatepe

Den vorliegenden Informationen zufolge verlief die Abfolge der Ereignisse wie folgt: Zuerst wurde das Frachtschiff mit Gemüse angegriffen, anschließend wurde ein Schleppschiff zur Hilfe geschickt, das ebenfalls unter Beschuss geriet. Das Treffen im türkischen Außenministerium, das vor dem Hintergrund dieser Ereignisse stattfand, widmete sich gerade der Übermittlung der offiziellen Reaktion Ankaras auf beide Vorfälle. Der Schlusspunkt der Chronologie ist der 29. August 2026, das Datum, auf das die Einbestellung des Botschafters und die öffentliche Berichterstattung über den Vorfall entfallen.

Position Ankars: Schifffahrtsicherheit ist Pflicht

Wie Anadolu zitierte, wurde im Rahmen des Treffens mit dem Botschafter die Reaktion der Türkei auf die genannten Angriffe übermittelt und „die erforderlichen Warnungen ausgesprochen, dass die Sicherung von Leben und Eigentum, der Schifffahrt und der Umwelt im Schwarzen Meer eine Pflicht ist“. Diese Formulierung unterstreicht, dass Ankara die Sicherheit der Seewege als unbedingte Forderung betrachtet und nicht als Verhandlungsgegenstand zwischen den Konfliktparteien.

Kontext: Aufruf zu einem Moratorium und Bewertung der Verluste

Der Vorfall ereignet sich vor dem Hintergrund einer früheren Erklärung des türkischen Außenministers Hakan Fidan, der vor einigen Wochen erklärte, die Türkei habe die Ukraine und Russland aufgerufen, ein Moratorium für Angriffe auf Handelsschiffe im Schwarzen Meer zu vereinbaren. Seinen Worten zufolge greifen die Seiten Handelsschiffe „ohne Unterschied“ an. Parallel dazu erklärte der Sprecher der ukrainischen Marine, Dmytro Pletentschuk, dass Russland im Konflikt im Schwarzen Meer deutlich größere Verluste hinnehme als die Ukraine. Diese Aussagen bilden den allgemeinen Hintergrund der Eskalation um die neutrale und kommerzielle Schifffahrt in der Region.

Widersprüchliche Angaben

Zwischen den Quellen gibt es Unterschiede in der Betonung der Besatzungszusammensetzung. Einige Medien (insbesondere aserbaidschanische Ausgaben) präsentieren den Vorfall als Angriff auf ein Schiff „mit aserbaidschanischer Besatzung“, während die Grundmeldungen und die türkische Agentur Anadolu sich auf die türkische Zugehörigkeit der Schiffe und darauf konzentrieren, dass infolge des Angriffs fünf Besatzungsmitglieder verletzt wurden, ohne die nationale Zusammensetzung der Crew im Detail offenzulegen. So wird die Version über die Nationalität der Verletzten und darüber, welcher Aspekt des Vorfalls der entscheidende ist, in verschiedenen Veröffentlichungen unterschiedlich interpretiert, und die genaue Besatzungszusammensetzung wird durch offene Daten nicht eindeutig bestätigt.