Türkei und Irak haben eine wichtige Vereinbarung über die einjährige Verlängerung des Vertrags getroffen, der den Betrieb der Ölpipeline Kirkuk-Ceyhan regelt. Diese Entscheidung sichert Bagdad eine alternative Route für den Erdölexport ins Mittelmeer, was angesichts der wachsenden Risiken für die Schifffahrt in der Straße von Hormus zu einem entscheidenden Faktor wird.
Den Informationen zufolge haben die Parteien eine vorübergehende Verlängerung des Dokuments vereinbart, dessen Laufzeit am 27. Juli abgelaufen ist. Der neue Vertrag wird rückwirkend wirksam und deckt den Zeitraum ab, in dem das vorherige Abkommen, das 53 Jahre lang funktionierte, endete. Während der Verhandlungen vor der Unterzeichnung wurde der Transport von Kohlenwasserstoffen durch die Pipeline nicht unterbrochen, wodurch eine Unterbrechung der Lieferungen vermieden werden konnte.
Potenzial und Einschränkungen der Route
Der Sprecher des irakischen Ölministeriums, Salim Al-Rikabi, bestätigte, dass die neue Vereinbarung die Reservierung von Exportkapazitäten von bis zu 750.000 Barrel Öl pro Tag ermöglicht. Er präzisierte jedoch, dass die tatsächlichen Liefermengen je nach mehreren Schlüsselfaktoren variieren werden:
- Die Sicherheitslage in der Region;
- Das Tempo der vollständigen Wiederherstellung der Förderung in den Ölfeldern des Irakischen Kurdistan;
- Den Abschluss des Baus der erforderlichen Infrastruktur.
Die Pipeline, die die irakische Stadt Kirkuk mit dem türkischen Mittelmeerhafen Ceyhan verbindet, ist 986 Kilometer lang. Wie das Nachrichtenagentur Bloomberg anmerkt, gewährleistet die Vertragsverlängerung die Stabilität des Exports irakischen Öls über die Landroute. Dies ist besonders relevant vor dem Hintergrund von Versorgungsunterbrechungen durch die Straße von Hormus, die durch die Eskalation der Spannungen in der Region und den Konflikt mit dem Iran verursacht wurden.
Investitionen und Infrastrukturprojekte
Das vorübergehende Abkommen wurde vor dem Hintergrund einer Intensivierung türkischer Investitionen im Energiesektor der Region geschlossen. Das staatliche Unternehmen Turkiye Petrolleri AO (TPAO) gab den Erwerb von 15 % der Anteile am Konsortium BP Energy Company of Kirkuk Limited bekannt, das sich mit der Sanierung von Öl- und Gasfeldern in Kirkuk befasst. Die finanziellen Bedingungen dieses Geschäfts haben die Parteien nicht offengelegt.
Der türkische Energieminister Alparslan Bayraktar bestätigte die Durchsatzkapazität der Pipeline in seinem Konto im sozialen Netzwerk X, obwohl das türkische Energieministerium keine offiziellen Kommentare zu den Details der Transaktion abgegeben hat.
Parallel dazu baut der Irak eine neue Pipeline, die Basra mit Kirkuk verbindet. Nach der Inbetriebnahme dieser Arterie sollten die Exportmöglichkeiten über die Route nach Ceyhan erheblich steigen.
Geopolitischer Kontext
Die Entscheidung zur Vertragsverlängerung fügt sich in das komplexe geopolitische Bild des Nahen Ostens ein. Die Erinnerung daran, dass der Iran das Angebot Omans zur gleichmäßigen Aufteilung der Kontrolle über die Straße von Hormus abgelehnt hat, gefährdet die Hoffnungen auf eine Wiederaufnahme der Verhandlungen zwischen Teheran und Washington. Zuvor hatte Oman dem Iran einen von den Staaten des Persischen Golfs unterstützten Plan vorgelegt, der Fragen der Schifffahrt und der Erhebung freiwilliger Beiträge für die Nutzung der Straße beinhaltete. Unter diesen Umständen wird die Landroute durch die Türkei zu einem strategischen Asset für die irakische Wirtschaft.