Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk äußerte eine scharfe Äußerung gegenüber Berlin und forderte Deutschland auf, von der strafrechtlichen Verfolgung von Personen Abstand zu nehmen, die verdächtigt werden, die russischen Gasleitungen 'Nord Stream 1' und 'Nord Stream 2' gesprengt zu haben. Die Worte des polnischen Regierungschefs kamen vor dem Hintergrund, dass in Deutschland nach vorliegenden Informationen mindestens zwei ukrainische Staatsbürger festgenommen wurden, die Berlin als an der Sabotage im Herbst 2022 beteiligt betrachtet. Dies berichtet RBC-Ukraine unter Berufung auf den Fernsehsender TVP World.
'Es ist beschämend für diejenigen, die gebaut haben, nicht für diejenigen, die abgeschaltet haben'
Auf die Frage von Journalisten, wie er zu den Absichten Berlins steht, die Festgenommenen strafrechtlich zur Verantwortung zu ziehen, erklärte Tusk, dass Deutschland 'auf keinen Fall diejenigen verfolgen sollte, die in einer Situation, in der ihr Land angegriffen wurde, bestimmte Maßnahmen ergreifen'. Nach seinen Worten beabsichtigt er nicht, seine Position zu ändern, und ist der Ansicht, dass 'es beschämend für diejenigen sein sollte, die diese Pipeline gebaut haben, und nicht für diejenigen, die sie abgeschaltet haben'. Auf diese Weise legitimiert Warschau im öffentlichen Raum de facto Handlungen, die Berlin als Verbrechen einstuft.
Position Polens: Das Projekt war ein Fehler
Vor dem Hintergrund der jüngsten Ereignisse erinnerte Tusk daran, dass Polen lange Zeit gegen die Umsetzung des Projekts 'Nord Stream 2' aufgetreten ist und alles in seiner Macht Stehende getan hat, um dessen Bau zu verhindern. Nach Aussage des Ministerpräsidenten war Warschau sich im Voraus bewusst, dass die Gasleitung die Energieabhängigkeit Europas von russischen Lieferungen verschlimmern würde. In Bezug auf Deutschland stellte er fest, dass Berlin 'diesem Schluss praktisch in allerletzter Stunde' gekommen sei: 'Deutschland hatte damals eine andere Meinung. Sie haben ihre Meinung geändert, aber es war bereits zu spät'.
Chronologie der Festnahmen
Die Aussage Tusks erfolgte vor dem Hintergrund einer aktiven Phase der Ermittlungen. Nach Angaben der Publikation wurde am 19. August in Kroatien ein weiterer ukrainischer Staatsbürger festgenommen, der des Verdachts bezichtigt wird, an der Sprengung der 'Nord Stream'-Pipelines beteiligt gewesen zu sein. Zuvor wurden auch Festnahmen auf deutschem Boden registriert. In den Medien wurde zudem die Frage aufgeworfen, warum Polen Berlin einen der Ukrainer in diesem Fall nicht ausgeliefert hat, was dem Prozess eine zwischenstaatliche rechtliche Spannung verleiht.
Widersprüchliche Daten
In den verfügbaren Quellen gibt es Diskrepanzen in den Details. RBC-Ukraine verwendet die Formulierung 'mindestens zwei ukrainische Staatsbürger' im Status der Festgenommenen in Deutschland, während TSN den 'Arrest eines Ukrainers' (Singular) betont und das Blatt 'Neftegaz' die Situation als 'Versuch, die Verdächtigen zu verurteilen' charakterisiert. Das heißt, die Anzahl der Beteiligten und ihr genauer rechtlicher Status (Festnahme gegenüber Haftbefehl) werden in verschiedenen Veröffentlichungen ungleichmäßig dargestellt. Darüber hinaus wird im Nachrichtenkontext eine 'mögliche Rolle des CIA' bei der Zerstörung der Gasleitungen erwähnt, diese Version ist jedoch spekulativ und wurde von keiner der Parteien durch offizielle Erklärungen bestätigt; daher wird sie in dem Artikel lediglich als Gegenstand öffentlicher Diskussionen wiedergegeben.
Kontext und Konsequenzen
Die öffentliche Unterstützung der Verdächtigen durch Tusk verschärft den politischen Konflikt zwischen Warschau und Berlin rund um das Erbe der 'Nord Stream'-Pipelines. Für Polen, das sich historisch als Gegner des Projekts positioniert hat, war die Sabotage von 2022 eine Bestätigung der eigenen Richtigkeit in der Energiepolitik. Für Deutschland ist dies hingegen eine Frage der Rechtsstaatlichkeit und der internationalen Zusammenarbeit im Justizbereich. Die weitere Entwicklung des Falls wird davon abhängen, ob Berlin die rechtliche Position mit dem politischen Druck der NATO- und EU-Partner abstimmen kann.