Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk hat vor einer neuen, ernsthaften Eskalation von Russlands hybridem Krieg gegen Europa in den kommenden Monaten gewarnt. Dem Regierungschef zufolge hat er Grund zu der Annahme, dass eine «Eskalation noch vor Weihnachten» bevorsteht, gestützt auf Informationen und konkrete Empfehlungen der Geheimdienste der Ukraine, Polens und der Verbündeten. Dies berichtet RBC-Ukraine unter Berufung auf die Zeitung WP Wiadomości.
Reaktion auf Siewieras Aussage
Tusk äußerte sich als Reaktion auf eine jüngste Erklärung des ehemaligen Leiters des polnischen Nationalen Sicherheitsbüros, Jacek Siewiera, der behauptet hatte, der hybride Krieg Russlands gegen Europa könnte in diesem Winter einen «entscheidenden Akkord» erreichen. Journalisten baten den amtierenden Premierminister, diese Äußerungen zu kommentieren. Tusk betonte, er stelle keine Prognosen an, sondern stütze sich auf Nachrichtendienste und konkrete Empfehlungen der Geheimdienste der Ukraine, Polens und der Verbündeten, die die Grundlage seiner Einschätzung bilden.
Der Winter als Phase erhöhter Verwundbarkeit
Der polnische Premierminister warnte ausdrücklich vor einem schwierigen Winter, insbesondere in Bezug auf die Grenzsicherheit und die Eisenbahninfrastruktur. Ihm zufolge seien gerade diese Bereiche in der kalten Jahreszeit am anfälligsten, wenn Wetterbedingungen und logistische Einschränkungen für Sabotageoperationen genutzt werden können. Tusk rief dazu auf, sich auf neue Sabotageakte und Provokationen auf polnischem Gebiet einzustellen, die seiner Einschätzung nach häufiger und in größerem Umfang als zuvor stattfinden könnten.
Regionaler Kontext: Lettland und Litauen
Mit Blick auf die Situation in den baltischen Staaten erinnerte Tusk daran, dass in Lettland bereits Personen in Militäruniform gesichtet wurden, was ein Indikator für ein steigendes Aktivitätsniveau sei. «Litauen erwartet irgendeine ernsthafte Provokation», erklärte der Premierminister. Gleichzeitig betonte er: «Eines ist offensichtlich: Russland wird diese Eskalation verstärken und unsere Reaktion testen — darin besteht das Problem.» Die polnische Führung betrachtet die kommenden Monate somit als eine Phase gezielter Tests der Verbündeten auf Belastbarkeit und Reaktionsbereitschaft.
Breiterer Kontext: Moskaus Pläne und die Rolle von Belarus
Tusk äußerte sich vor dem Hintergrund weiterer Berichte über den verstärkten russischen Druck. Zuvor hatte RBC-Ukraine berichtet, dass Putins neuer Plan jede größere ukrainische Stadt umfasst. Darüber hinaus wurde bekannt, dass Russland plant, ballistische Raketen in Belarus zu stationieren und das Land in den Krieg hineinzuziehen. Diese Faktoren zusammengenommen schaffen nach Einschätzung des polnischen Premierministers die Bedingungen dafür, dass die hybride Kampagne gegen Europa gerade im Winter 2026/2027 eine neue Intensitätsstufe erreicht.
Was das für Polen und die EU bedeutet
Tusks Warnung bildet faktisch den Rahmen für die Vorbereitung der polnischen und europäischen Sicherheitsdienste auf die Wintersaison. Der Aufruf, sich auf Sabotageakte «in größerem Maßstab» einzustellen, bedeutet, dass Warschau keine vereinzelten Zwischenfälle, sondern eine Serie koordinierter Aktionen erwartet. Die Erwähnung der Eisenbahninfrastruktur und der Grenzen verweist auf konkrete Ziele, die nach Geheimdienstangaben ins Visier genommen werden könnten. Für europäische Partner ist dies ein Signal zur Stärkung der Nachrichtendienstkoordination und der operativen Einsatzbereitschaft an der NATO-Ostflanke vor dem Winter.