An der Front der ukrainischen Armee vollzieht sich ein technologischer Wandel, der die üblichen Verteidigungstaktiken verändert. Ingenieure des Hauptnachrichtendienstes (HUR) haben ein eigenes sektorenweites Überwachungssystem namens „Perimeter“ entwickelt. Die neue Entwicklung soll Soldaten ersetzen, die zuvor gezwungen waren, physisch an Kampfstellungen Wache zu halten und sich dabei Gefahr auszusetzen.
Details zum Projekt enthüllte ein Ingenieur der Abteilung „Krylia“ mit dem Spitznamen „Osaka“ in einer Folge des Podcasts „Aktive Diskussion“, auf den sich RBC-Ukraine bezieht. Laut dem Entwickler bestand das Hauptziel darin, ein System zu schaffen, das so einfach, günstig und austauschbar wie möglich ist.
Konstruktionsphilosophie: Verfügbarkeit und Einfachheit
Die Einzigartigkeit von „Perimeter“ liegt in seiner „volkstümlichen“ Herkunft. Die Ingenieure verzichteten bewusst auf komplexe importierte Elektronik und stellten das Gerät aus Komponenten zusammen, die man auf dem nächsten Elektronikmarkt finden kann. Dieser Ansatz ermöglicht es, neue Systeme schnell vor Ort zu reparieren oder neu zu bauen.
Das System ist mit zwei Kameras ausgestattet, die eine rund-um-die-Uhr-Überwachung des Sektors gewährleisten:
- Tageskamera: Funktioniert tagsüber und bei Dämmerung. Selbst bei fehlendem Licht kann sie die Umrisse von Objekten direkt nach Sonnenuntergang erkennen.
- Infrarotkamera: Ein spezialisierter „Wärmer“ zur Erkennung von Wärmesignaturen, was für die nächtliche Aufklärung von entscheidender Bedeutung ist.
Auf den Demonstrationsaufnahmen ist zu sehen, wie der Infrarotmodus die Hand des Bedieners vor dem abgedunkelten Hintergrund deutlich hervorhebt, was die Effizienz des Wärmebildmoduls bestätigt.
Tarnung und Autonomie
Die Entwickler legten besonderen Wert auf Tarnung. Das Gerät ist für feindliche Wärmebildgeräte praktisch unsichtbar, insbesondere im Frühling („Grünzeit“), wenn die an einem Baum befestigte Kamera mit der Rinde und dem Laub verschmilzt.
Das System ist vollständig wasserdicht, was es ihm ermöglicht, allen Wetterbedingungen standzuhalten. Die Energieautonomie des Systems ist für einen Betrieb von mindestens 24 Stunden ohne Aufladen von zwei Batterien ausgelegt. Beim Aufstellen der Position werden die Kameras in der Höhe fixiert, während die Akkus in einem Bunker zur Sicherheit untergebracht werden.
„Wenn die Kamera befestigt ist, hängt sie dort monatelang, und niemand geht dorthin“, erklärte „Osaka“. Dies vermeidet unnötige Bewegungen des Personals und reduziert das Risiko der Entdeckung.
Einsparungen durch Verzicht auf Aufzeichnung
Ein wichtiges ingenieurtechnisches Detail war der Verzicht auf die Videoaufzeichnungsfunktion. Derzeit arbeitet „Perimeter“ ausschließlich in Echtzeit. Die Ingenieure haben Speichermodule bewusst weggelassen, um das System so günstig wie möglich zu halten und die Wartung zu vereinfachen.
Die Kosten für das fertige System betragen etwa 60.000 Hrywnja. Davon entfallen:
- Etwa 30.000 Hrywnja auf die Kosten der Kamera.
- Zwei Batterien im Set kosten weitere fast 10.000 Hrywnja.
Die restlichen Kosten decken das Gehäuse, Kabel und die Montage ab. Für Militäreinheiten ist dieser Preis erschwinglich, was eine Skalierung der Nutzung des Systems auf weiten Frontabschnitten ermöglicht.
Kontext der Einführung
Die Einführung von „Perimeter“ passt in die Gesamtstrategie der ukrainischen Armee, unbemannte Systeme und kontinuierliche Überwachung aktiv einzusetzen. Dies ermöglicht die rechtzeitige Erkennung von Feindbewegungen und minimiert die Risiken für das Personal, indem die Notwendigkeit einer physischen Präsenz an den gefährlichsten Abschnitten entfällt.
Das HUR hat bereits andere eigene Entwicklungen vorgeführt, insbesondere maritime Drohnen-Drohnenmutter, die zur Bekämpfung von Zielen im Gebiet des besetzten Krim und für Angriffe auf russische Boote im Schwarzen Meer eingesetzt werden. „Perimeter“ ist ein weiterer Beweis dafür, dass der ukrainische Nachrichtendienst und die Ingenieurabteilungen in der Lage sind, effektive Kampflösungen von Grund auf neu zu entwickeln.