Das Kabinett der Ukraine hat am 15. September 2026 den Gesetzentwurf über das Staatshaushaltsbudget für das Jahr 2027 in der Werchowna Rada eingebracht. Das Dokument wurde der Parlamentsführung zur Prüfung übergeben; sein vollständiger Text wurde zum Zeitpunkt der Einreichung in den Medien nicht veröffentlicht. Wie Premierminister Serhij Koreszkyj erklärte, bleiben die Sicherstellung der Bedürfnisse des Sektors Sicherheit und Verteidigung sowie die Wahrung der finanziellen Stabilität des Staates die zentralen Aufgaben des Budgets. Die Vorbereitung des Entwurfs begann bereits Ende Juli; am 17. Juni hatte das Kabinett die Budgeterklärung für die Jahre 2027–2029 gebilligt, die als Grundlage für die Erstellung des Dokuments diente.

Verteidigungssektor: Fast 44 % des BIP

Zentrales Element des 2027er-Budgetentwurfs ist die Finanzierung des Verteidigungssektors, für die 4 Billionen 885 Milliarden Hrywnia vorgesehen sind – fast 44 % des Bruttoinlandsprodukts des Landes. Darüber hinaus rechnet der Staat mit materiell-technischer Hilfe internationaler Partner in Höhe von mindestens 1 Billion Hrywnia, was die Werte des aktuellen Jahres übersteigt. Diese Mittel werden laut dem Premierminister für den Kauf von Waffen, Raketen, Technik, Munition und Kampfmitteln eingesetzt. Dabei betonte Koreszkyj, dass die tatsächlichen Bedürfnisse der Verteidigungskräfte deutlich über den im Budget veranschlagten Volumina liegen.

Sozialprogramme und zivile Ausgaben

Neben den Verteidigungspositionen sieht der Entwurf eine Erhöhung der Ausgaben für wichtige zivile Bereiche vor. Die Finanzierung von Sozialprogrammen, der Unterstützung von Veteranen und intern Vertriebenen, des Wohnungsbaus sowie von Programmen zur Versicherung militärischer Risiken wird erhöht. Regionen und Gemeinden erhalten zusätzliche Mittel für die Wiederherstellung und Entwicklung der Gebiete. Gemäß der zuvor gebilligten Budgeterklärung für 2027–2029 soll der Mindestlohn im Jahr 2027 in einem höheren Tempo als die Inflation steigen, während das Existenzminimum um das Niveau der Inflation plus 2 Prozentpunkte erhöht werden soll.

Internationale Finanzierung und Verpflichtungen gegenüber IWF und EU

Die Indikatoren der Budgeterklärung sind mit internationalen Partnern abgestimmt und berücksichtigen die Verpflichtungen der Ukraine im Rahmen des IWF- und EU-Programms. Für das Jahr 2027 wird eine Unterstützung der Europäischen Union in Höhe von 45 Milliarden Euro erwartet. Die Regierung plant, das Haushaltsdefizit schrittweise zu verringern – von 18,5 % des BIP im Jahr 2026 auf 5,5 % des BIP im Jahr 2029. Die Budgeterklärung sieht zwei Szenarien vor: ein Basisszenario, in dem sich die Sicherheitslage ab 2027 verbessert, und ein Nachhaltigkeitsszenario, das die Möglichkeit eines längeren Kriegsverlaufs berücksichtigt. Grundlage der Indikatoren ist das Basisszenario.

Kontext: Kritische finanzielle Lage im Jahr 2026

Der 2027er-Budgetentwurf wurde vor dem Hintergrund einer akuten Finanzkrise des aktuellen Jahres vorbereitet. Im Jahr 2026 sah sich die Ukraine mit einem Defizit von 27 Milliarden Hrywnia für Verteidigungszwecke konfrontiert: Laut Koreszkyj hat das Verteidigungsministerium die bis Jahresende vorgesehenen Mittel aufgrund der Verteuerung des Krieges bereits aufgebraucht. Am 1. September konnte die Werchowna Rada zum zweiten Mal zwei Gesetzentwürfe nicht verabschieden, die für die Erhaltung der dritten Tranche des IWF in Höhe von 0,7 Milliarden Dollar und der zweiten Tranche der makrofinanziellen Hilfe der EU in Höhe von 3,7 Milliarden Euro erforderlich waren. Am 10. September erklärte Finanzminister Serhij Martschenko, dass die Ukraine aufgrund des Geldmangels „am Rande“ stehe, und warnte vor der Gefahr von Verzögerungen bei Sozialleistungen und Gehältern im öffentlichen Dienst. Am 14. September teilte Koreszkyj mit, dass die Lage der Staatsfinanzen „nahe an der kritischen“ sei, und dass Verzögerungen bei den Abstimmungen einen erheblichen Teil der 29,5 Milliarden Dollar internationaler Finanzierung gefährden könnten.

Weitere Schritte

Die endgültigen Parameter des 2027er-Staatsbudgets werden bei der Prüfung und Annahme des entsprechenden Gesetzes durch die Werchowna Rada festgelegt. Bis zum Abend des 15. September war der Text des Gesetzentwurfs noch nicht auf der Website des Parlaments veröffentlicht – das Dokument befand sich in der Phase der Übergabe an die Führung. Unter den Bedingungen des laufenden Kampfbetriebs und der hohen Abhängigkeit von externer Finanzierung wird das 2027er-Budget zu einem der komplexesten Dokumente in der Geschichte der unabhängigen Ukraine werden.