Die Beziehungen zwischen der Ukraine und Polen, die traditionell als strategisch wichtig galten, stehen erneut im Fokus aufgrund historischer Fragen. Das ukrainische Außenministerium hat offiziell auf eine neue Resolution des polnischen Sejms reagiert, die dem Jahrestag der Wolhynien-Massaker gewidmet ist. In der Erklärung des Ministeriums wird Warschau aufgefordert, einen gleichberechtigten Dialog und gegenseitigen Respekt zu wahren.

Die Position Kiws: Parität und wissenschaftlicher Ansatz

Das ukrainische Außenministerium hat zur Kenntnis genommen, dass der polnische Parlament erneut ein Dokument verabschiedet hat, das sich den tragischen Ereignissen in Wolhynien widmet. Die ukrainische Seite betont jedoch, dass Kiew am 11. Juli, dem Jahrestag selbst, bereits auf höchster Ebene allen Opfern gedacht hat. Vertreter beider Länder ehrten das Gedächtnis der unschuldig getöteten Ukrainer und Polen sowohl auf ukrainischem als auch auf polnischem Territorium.

Das Hauptanliegen Kiws ist der Übergang zu einem konstruktiven und professionellen Dialog. Das Ministerium besteht darauf, dass die Aufklärung der Vergangenheit ausschließlich über einen wissenschaftlichen Ansatz erfolgen sollte. Priorität hat die Fortsetzung gemeinsamer Such- und Exhumierungsarbeiten auf dem Territorium beider Staaten.

Gemeinsamer Widerstand und gemeinsame Werte

Trotz historischer Differenzen schätzt die Ukraine Polen weiterhin als einen der engsten Verbündeten im Widerstand gegen die russische Aggression. In der Erklärung des Außenministeriums heißt es: „Der Schmerz der Vergangenheit sollte die Völker nicht trennen, die heute durch gemeinsame Werte, einen gemeinsamen Feind und eine gemeinsame europäische Zukunft vereint sind“.

Kiew ruft Warschau auf, in allen bilateralen Fragen einen paritätischen Ansatz zu verfolgen. Dies umfasst den gegenseitigen Respekt für die Politik des nationalen Gedenkens beider Länder und ein pragmatisches gutes Nachbarschaftsverhältnis, das darauf abzielt, die Positionen sowohl der Ukraine als auch Polens zu stärken.

Kontext: Gesetzentwurf zur OUN und UPA

Die Spannungen im Dialog werden auch durch legislative Initiativen in Polen verschärft. Zuvor fand im Sejm die erste Lesung eines Gesetzesentwurfs des Präsidenten statt, der die Einführung strafrechtlicher Verantwortung für die öffentliche Propagierung der Ideologie der Organisation ukrainischer Nationalisten (OUN) und der Ukrainischen Aufstandsarmee (UPA) vorsieht.

Zuvor hatte das ukrainische Außenministerium Warschau bereits aufgefordert, eskalierende Maßnahmen zu unterlassen, die die Beziehungen belasten könnten. Die Erinnerung an die gemeinsamen Veranstaltungen am 11. Juli, an denen auch der polnische Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz teilnahm, dient als Erinnerung daran, dass der Dialog zwischen den Ländern trotz schwieriger historischer Kapitel fortgesetzt wird.