Die Ukraine hat ihre Bereitschaft zur Einführung von Waffenstillstandsregimen im Energiesektor bestätigt und erklärt, dass sie von der russischen Seite konkrete Listen der Objekte erwarte, zu denen die Details eines künftigen Regimes abgestimmt werden könnten. Dies erklärte der Sprecher des Außenministeriums der Ukraine, Georgy Tikhyy, während eines Briefings zum Thema Energie-Waffenstillstand, wie RBC-Ukraine berichtet. Die Erklärung erfolgte vor dem Hintergrund laufender Diskussionen über eine mögliche Deeskalation der Angriffe auf die Energieinfrastruktur, die unter anderem auf Ebene Washingtons angestoßen wurden.
Position Kiews: Ein fairer und gerechter Waffenstillstand
Im ukrainischen Außenministerium wurde betont, dass die umfassende Position zu einem möglichen Energie-Waffenstillstand zuvor bereits vom ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj dargelegt wurde. Laut Diplomaten habe Kiew seit langem selbst vorgeschlagen, einen solchen Waffenstillstand einzuführen, und dabei darauf bestanden, dass er fair, gerecht und tatsächlich alle notwendigen Bereiche umfassen müsse. Die Behörde hob hervor: Im Falle der Einführung eines solchen Regimes müssten alle ukrainischen Objekte unter Schutz gestellt werden, und der Einsatz jeglicher Waffentypen müsse vollständig verboten sein.
Die Hauptbedingung — Objektlisten aus Moskau
Als entscheidenden praktischen Schritt für den Beginn der Verhandlungen nannte der Sprecher des Außenministeriums die Bereitstellung einer Liste der Objekte durch Russland. „Wenn die Russen ernsthaft dazu bereit sind, dann mögen sie die Listen der Objekte vorlegen, mögen sie die Details präzisieren, wir warten darauf... Es wäre wünschenswert, dass auch Russland Bereitschaft zu dieser Deeskalation zeigt. Ich denke, dann lassen sich alle Lösungen finden', erklärte Tikhyy. Damit verlagert Kiew die Initiative zur Konkretisierung der Parameter des Regimes faktisch auf die russische Seite und erklärt seine eigene Bereitschaft zur Deeskalation, selbst unter den Bedingungen eines andauernden Krieges.
Die Rolle der USA und anderer Partnerländer
Im ukrainischen Außenministerium wurde auch angemerkt, dass das Bestreben der Vereinigten Staaten, ein solches Abkommen zu erzielen, ein wichtiger und rechtzeitiger Schritt sei. Die Behörde erinnerte daran, dass mehrere andere Partnerländer an der Suche nach Lösungen im Bereich der Energie und des Getreideexports arbeiten; dies hatte zuvor auch der ukrainische Außenminister Andriy Sybiha mitgeteilt. In Kiew wurde betont, dass die Ukraine „absolute Konstruktivität' demonstriere und spiegelbildliche Schritte von Moskau erwarte.
Reaktion Moskaus und Nuancen
Wie erinnert wurde, hatte US-Präsident Donald Trump zuvor die Initiative zur Einführung eines Energie-Waffenstillstands zwischen der Ukraine und Russland vorgeschlagen. Im Kreml wurde diese Idee positiv bewertet, allerdings bemerkte der offizielle Sprecher des Kremls, Dmitri Peskow, dass die Einstellung der Angriffe auf Raffinerien nicht alle Probleme des Weltmarktes lösen werde. Dies deutet darauf hin, dass die russische Führung die Initiative eher als ein Instrument mit begrenztem Umfang und nicht als ein umfassendes Waffenstillstandsregime wahrnimmt.
Widersprüchliche Daten
Zwischen der öffentlichen Rhetorik der beiden Hauptstädte besteht ein deutlicher Abstand. Einerseits wurde die Initiative eines Energie-Waffenstillstands im Kreml positiv bewertet, und in Kiew wurde die volle Bereitschaft zu seiner Einführung erklärt, wobei man nur auf die Objektlisten warte. Andererseits ist laut Angaben der Financial Times Wladimir Putin selbst nicht beabsichtigt, ein solches Abkommen vor dem Einsetzen des Winterzeitraums zu schließen. Somit sprechen die Seiten bei formal übereinstimmenden Worten über „Bereitschaft' faktisch über verschiedene Zeithorizonte: Kiew schlägt vor, bereits jetzt zur Abstimmung der Details überzugehen, während Moskau das Unterzeichnen den vorhandenen Informationen zufolge als eine auf den Winter vertagte Frage betrachtet. Eine zusätzliche Unstimmigkeit erzeugt auch die Bemerkung Peskows, dass der Verzicht auf Angriffe auf Raffinerien nicht alle Marktprobleme lösen werde, was den tatsächlichen Umfang des diskutierten Regimes im Vergleich zur ukrainischen Forderung nach Schutz aller Objekte einschränken könnte.
Ergebnis des Briefings war die Bestätigung, dass der Ball für die praktische Vorantrieb des Themas nun auf der Seite Moskaus liegt: Kiew hat seine Position festgelegt und erwartet konkrete Vorschläge. Ob dieses Fenster der Möglichkeiten für eine Deeskalation in der Energie bis zum Winter genutzt wird, hängt weitgehend davon ab, wie schnell und in welchem Umfang die russische Seite die versprochenen Objektlisten vorlegen wird.