Die Europäische Union beabsichtigt, die Errichtung eines neuen Organs – des Europäischen Sicherheitsrats – vorzuschlagen, und die Ukraine hat offiziell ihre Bereitschaft bestätigt, daran teilzunehmen. Dies erklärte der Sprecher des ukrainischen Außenministeriums, Georgy Tychyj, auf einem Briefing zum Thema Energie-Waffenstillstand, als er auf die Fragen eines Korrespondenten von RBC-Ukraine antwortete. Sein Kommentar war eine Reaktion auf die Aussage der Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, die am 16. September in ihrer jährlichen Rede „Zustand der Union“ vor dem Europäischen Parlament die Absicht Brüssels angekündigt hatte, die Ideen zur Verwirklichung des Sicherheitsrats „in die Realität umzusetzen“.
Kontext: Die Rede von der Leyen und die Logik der neuen Initiative
Laut von der Leyen sei die Frage der Schaffung eines europäischen Sicherheitsorgans „angesichts der Art und des Umfangs der Risiken heute noch dringender“ geworden. Deshalb, so erklärte sie, werde die Europäische Kommission konkrete Ideen zur Verwirklichung des Europäischen Sicherheitsrats vorlegen. In Kiew wurde diese Initiative als Signal einer hohen Aufmerksamkeit gegenüber der Ukraine wahrgenommen. „Wir haben bemerkt, wie viel Aufmerksamkeit die Präsidentin der Europäischen Kommission der Ukraine und den Fragen des Schutzes vor der russischen Aggression sowie der Unterstützung unseres Landes geschenkt hat. Und wir danken ihr dafür, dass die Ukraine offensichtlich im Fokus, im Zentrum, in einer besonderen Priorität dieser Rede stand“, so Tychyj. Seiner Meinung nach sei das richtig, da es „heute keinen größeren Herausforderung für die Sicherheit Europas gibt als die russische Aggression gegen die Ukraine“.
Position Kiews: Bereitschaft zur engen Zusammenarbeit
Der Sprecher des Außenministeriums betonte, dass die Ukraine bereits mehrfach ihre Bereitschaft erklärt habe, in eine engere Zusammenarbeit sowohl mit der EU insgesamt als auch mit einzelnen Mitgliedstaaten einzutreten, um die Sicherheit des Kontinents zu stärken. „Wir haben sie bereits aktiv diskutiert, diskutieren sie jetzt und sind bereit, an der Stärkung der Sicherheit Europas teilzunehmen“, fasste er zusammen, wobei er sich auf verschiedene Formate bezog, die in Europa zur Stärkung der kollektiven Verteidigung diskutiert werden. Damit hat Kiew de facto bestätigt, dass es neue institutionelle Mechanismen nicht auslassen wird, sofern sie für eine Teilnahme der Ukraine offenstehen.
Kanada als erstes assoziiertes Mitglied und die Frage der Rolle der USA
Parallel zur Initiative zum Sicherheitsrat fördert Brüssel die Erweiterung des „Kreises der vertrauenswürdigen Partner“: Laut RBC-Ukraine möchte die EU Kanada den Status des ersten assoziierten Mitglieds der Geschichte des Blocks anbieten. Von der Leyen betonte, dass Europa und Kanada gemeinsame Werte teilen, was eine solche Partnerschaft logisch mache. In aserbaidschanischen und ukrainischen Medien wird die Initiative zum Sicherheitsrat oft als „europäisches Äquivalent der NATO“ interpretiert – eine Struktur, die eine kontinentale Verteidigung ohne direkte Stütze auf Washington gewährleisten soll. In den offiziellen Texten formulieren weder Brüssel noch Kiew das neue Organ jedoch ausdrücklich als „Ersatz“ für die NATO, sondern sprechen von einer Stärkung der europäischen Dimension der Sicherheit.
Stärkung der Luftabwehr: Projekt Freyja und modulares System
Eine wichtige praktische Konsequenz des Kurses auf Stärkung der Sicherheit war die Entscheidung, die Luftverteidigung der Ukraine erheblich zu stärken. Eine der Schlüsselrichtungen ist die Schaffung eines gemeinsamen Luftabwehrsystems auf der Grundlage des Projekts Freyja. Von der Leyen erklärte das gemeinsame Bestreben Brüssels und Kiews, ein erschwingliches modulares Raketenabwehrsystem zu schaffen, das es ermöglichen soll, den Schutz schrittweise und unter Berücksichtigung der tatsächlichen Bedürfnisse der ukrainischen Seite auszubauen. Dieser Schritt wird mit der allgemeinen Logik der Integration der Ukraine in das europäische Sicherheitssystem in Verbindung gebracht: von den Erklärungen zum „Fokus auf die Ukraine“ hin zu konkreten Verteidigungsprojekten.
Was das für die Architektur der europäischen Sicherheit bedeutet
Gemeinsam zeichnen die Initiative zum Europäischen Sicherheitsrat, der Status des assoziierten Mitglieds für Kanada und das Projekt Freyja das Bild einer schrittweisen Bildung eines unabhängigeren europäischen Verteidigungsrings, in dem die Ukraine nicht als peripherer Partner, sondern als Teil eines Raums betrachtet wird, dessen Sicherheit direkt mit der Sicherheit des Kontinents verknüpft ist. Für Kiew eröffnet dies die Möglichkeit, auf die Regeln und Formate einzuwirken, die die Verteidigung Europas in den kommenden Jahren bestimmen werden, und für Brüssel ist es ein Weg, das neue Organ durch die Teilnahme eines Landes am vorderen Rand des Konflikts zu legitimieren. Die endgültige Zusammensetzung, der Mandat und die Teilnahmeordnung der Ukraine im Sicherheitsrat sind Stand 17. September 2026 noch nicht festgelegt und werden im Rahmen weiterer Verhandlungen präzisiert werden.