Die Ukraine bereitet sich auf den Beginn der ersten Phase der Erprobung des Antiraketen-Systems Freyja vor, das Kiew gemeinsam mit europäischen Partnern entwickelt. Wie Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, sollen die ersten Tests nach seinen Berechnungen bis Ende Dezember 2026 beginnen. Zum Tempo der Arbeiten betonte der Staatschef: „Die Zeit ist knapp“. Die Aussage erfolgte vor dem Hintergrund der aktiven Einbindung neuer europäischer Unternehmen in das Projekt – laut Selenskyj seien kürzlich eine Reihe von Abkommen unterzeichnet worden, deren Details er jedoch nicht offenlegte.
Europäische Partner und Kanada-Besuch
Während seines Besuchs in Kanada berichtete Selenskyj, dass die Ukraine bereits bis Ende des laufenden Jahres über ein neues Antiraketen-System verfügen wolle. Er zitierte ein charakteristisches Gespräch mit Vertretern der Industrie: „Die Unternehmen haben uns gesagt, dass sie dafür, für das neue ballistische System, 20 bis 30 Jahre brauchen. Ich habe gesagt, dass wir keinen so langen Krieg wollen. Absolut nicht. Das ist eine andere Welt, das ist das 20. Jahrhundert. Jetzt gibt es neue Technologien, ein neues Ukraine, und wir können das alles schneller schaffen. Und wir rechnen damit, dass wir am Ende dieses Jahres das erste System haben werden“. Damit beabsichtigt Kiew, den mehrjährigen Entwicklungszyklus auf ein Jahr zu komprimieren, gestützt auf neue Technologien und Verbündete.
New York, Patriot und Abhängigkeit von Lieferungen
Selenskyj erwartet, dass die Ukraine während der für Ende September 2026 geplanten Treffen in New York ein klareres Bild vom weiteren Zeitplan der Freyja-Programm-Aktivitäten erhalten wird. Gleichzeitig hofft Kiew auf zusätzliche Patriot-Luftabwehrsysteme: Laut ukrainischen Medienangaben wies der Präsident darauf hin, dass das Land für den Winter 100 bis 120 Patriot-Raketen pro Monat benötige. Dabei betonte Selenskyj, dass die Ukraine der amerikanischen Seite vertraue, insbesondere dank der Unterstützung der USA bei der Entwicklung und Einführung von Technologien. Erwähnenswert ist auch die diplomatische Begleitung des Projekts: Zuvor hatte Selenskyj mit dem norwegischen Ministerpräsidenten über das Freyja-Programm verhandelt, was den multivariaten Charakter der europäischen Koalition um das System bestätigt.
Sabotagegefahr durch Russland
Der Präsident warnte zudem, dass Russland versuchen werde, die Umsetzung des Projekts zu behindern und „irgendeinen Unsinn“ in die Runde zu bringen, um die Vereinigung der Partner zu verzögern. Diese Aussage zeigt, dass Kiew Freyja nicht nur als technische, sondern auch als geopolitische und informationelle Aufgabe betrachtet, die vor äußerem Druck und Destabilisierung innerhalb der Koalition geschützt werden muss.
Widersprüchliche Angaben
In den Aussagen Selenskyjs und in zuvor veröffentlichten Plänen des Auftragnehmers zeigen sich Widersprüche bei den Zeitplänen. Einerseits spricht der Präsident vom Beginn der ersten Freyja-Tests bis Ende Dezember 2026 und davon, dass „am Ende dieses Jahres“ die Ukraine über das „erste System“ verfügen werde. Andererseits war zuvor berichtet worden, dass das Unternehmen Fire Point den ersten Abschuss einer ballistischen Rakete im Rahmen des Freyja-Projekts erst bis Mitte 2027 plane. Zwischen „erstem System Ende 2026“ und „erstem Abschuss Mitte 2027“ bleibt also eine Lücke, die sich durch den Unterschied zwischen den Phasen (Testbeginn, Systemaufbau und aktiver Abschuss) erklären lässt; in den öffentlichen Aussagen werden diese Meilensteine jedoch eng beieinander dargestellt, was das Risiko von Verwirrung über die tatsächlichen Zeitpunkte der Einsatzbereitschaft schafft.