Die Ukraine bereitet ihr Energiesystem gezielt auf die neue Heizsaison vor, in einer Situation, in der Energieanlagen weiterhin eines der Hauptziele russischer Angriffe bleiben. Dies erklärte Vizepremierminister und Energieminister Denys Schmyhal während des sechsten Gipfels der First Ladies und Gentlemen, wie RBC-Ukraine berichtet. Nach seinen Worten wird der kommende Winter nicht leicht: Russland führt einen Abnutzungskrieg fort, und von der Widerstandsfähigkeit des Energiesystems hängen nicht nur die Stromversorgung, sondern auch die Wärmeversorgung, die Wasserversorgung, die Logistik, die Wirtschaft und letztlich das Leben des Landes ab.

Der Winter wird schwer: Das Eingeständnis des Ministers

Schmyhal bezeichnete die gegenwärtige Phase offen als „historischen Abschnitt“, für den es noch keine Beispiele gab: Das Energiesystem werde, so seine Formulierung, mitten in einem großangelegten Krieg und unter täglichen ballistischen Schlägen umgebaut. Der Minister betonte, dass das Land faktisch eine neue Architektur für den Betrieb des Stromnetzes schaffe und nicht lediglich die Folgen der Angriffe beseitige. Ein solcher Ansatz sei, nach seiner Einschätzung, notwendig, solange die Energieversorgung ein prioritäres Ziel russischer Angriffe bleibe und der Abnutzungskrieg andauere.

Neue Architektur: Schutzräume und ingenieurtechnischer Schutz

Ukrainische Energieexperten und Ingenieure hätten, so Schmyhal, neue Schutzräume für Anlagen unterschiedlicher Ebenen und Leistungen entwickelt. Parallel wurde ein ingenieurtechnischer Schutz geschaffen, der die Funktionsfähigkeit der Energieanlagen auch nach ballistischen Raketenangriffen erhalten soll. Die Kombination aus physischem Schutz und ingenieurtechnischen Lösungen erlaube es, laut Minister, die Wiederherstellungszeiten zu verkürzen: Wo früher die Reparatur einzelner Anlagen Monate dauern konnte, gelinge es nun, einen Teil von ihnen in etwa einer Woche wieder in Betrieb zu nehmen.

Fast 6.000 Tonnen Ausrüstung und die Rolle der internationalen Partner

Die Umsetzung dieser Maßnahmen werde, so Schmyhal, durch die ständige Unterstützung internationaler Partner ermöglicht. Er teilte mit, dass in diesem Jahr fast 6.000 Tonnen Energieausrüstung aus den Verteilzentren in die Regionen und Gemeinden der Ukraine geliefert wurden – darunter Generatoren, Transformatoren, Kogenerationsanlagen und modulare Blockheizwerke. Der Minister dankte den Partnern für ihre Hilfe, die, so sein Ausdruck, „in ganz konkrete Dinge umgesetzt“ werde und sich unmittelbar auf die Widerstandsfähigkeit des Systems vor dem Winter auswirke.

Tarife: Haushalt und Wirtschaft zu unterschiedlichen Bedingungen

Separat erinnerte Schmyhal daran, dass die Stromtarife für Haushaltskunden bis zum nächsten Jahr unverändert bleiben. Die Preise für Unternehmen werden hingegen nach Marktkonditionen gebildet, da die Ukraine Teil des europäischen Strommarkts und des ENTSO-E-Systems ist. Auf diese Weise erhält der Staat den sozialen Schutz der Bevölkerung aufrecht, während der kommerzielle Sektor im Rahmen der Integration in das europäische Energiesystem auf Marktmechanismen überführt wird.