Im fünften Jahr des Krieges in der Ukraine haben sich die Kampfhandlungen grundlegend verändert. War die Frontlinie früher eine klare Kontaktzone, so hat sich der Schwerpunkt heute in den Himmel verlagert. Unbemannte Luftfahrzeuge (UAVs) sind zum Hauptinstrument sowohl für die ukrainischen als auch für die russischen Streitkräfte geworden und haben sich von einem Hilfsmittel zur Grundlage der Strategie entwickelt.

Totale Drohnenkriegsführung

Laut offiziellen Angaben des ukrainischen Verteidigungsministeriums werden Drohnen derzeit für Angriffe auf etwa 90 % aller Ziele eingesetzt. Der Anwendungsbereich dieser Maschinen hat die unmittelbare Frontlinie längst überschritten. Angriffe werden auf große und mittlere Distanzen durchgeführt und treffen Ziele, die sich hunderte Kilometer vom Schlachtfeld entfernt befinden.

Das Spektrum der angegriffenen Ziele umfasst praktisch alle Arten von Militärausrüstung und Infrastruktur. Zu den getroffenen Zielen gehören:

  • Luftabwehrsysteme (Flugabwehr);
  • Elektronische Kampfsysteme (RKB);
  • Andere unbemannte Systeme und Bodenroboter;
  • Fahrzeuge und gepanzerte Fahrzeuge;
  • Befehls- und Kontrollzentren.

Schroffer Anstieg der Intensität der Angriffe

Die Statistik bestätigt die rasche Eskalation des Drohneneinsatzes. Seit Beginn des Jahres 2026 hat sich die Anzahl der Angriffe auf russische Ziele monatlich fast verdoppelt. Das ukrainische Verteidigungsministerium nannte konkrete Zahlen: Im Januar führten ukrainische Streitkräfte 105.800 erfolgreiche Angriffe durch, bis Juni stieg diese Zahl auf 200.218. Dieses Wachstum deutet auf einen Übergang zu einem industriellen Maßstab des Einsatzes unbemannter Systeme hin.

Die Folgen dieser Angriffe für die russische Armee waren katastrophal. Laut Angaben des russischen Verteidigungsministeriums kamen seit Beginn des Jahres 2026 infolge von Angriffen ukrainischer Drohnen 193.500 russische Soldaten ums Leben oder erlitten schwere Verletzungen.

Milliardeninvestitionen in FPV

Hinter diesem Wachstum steht eine enorme Finanzierung. Im ersten Halbjahr 2026 schloss das ukrainische Agentur für Verteidigungseinkäufe (DOT) Verträge über die Lieferung von UAVs im Wert von 333,6 Milliarden Griwna (etwa 7,5 Milliarden US-Dollar) ab. Dies ist doppelt so viel wie im entsprechenden Zeitraum des Vorjahres.

Den größten Anteil an diesen Einkäufen stellten Drohnen mit First-Person-View (FPV). Gerade diese kompakten und wendigen Geräte sind zum „Arbeitspferd“ der ukrainischen Armee geworden und gewährleisten eine hohe Treffgenauigkeit bei der Zerstörung von Zielen.

Politischer Kontext und personelle Umstrukturierungen

Die Ergebnisse im Bereich der Drohnen wurden zu einem der wichtigsten Erfolge, bildeten aber auch den Hintergrund für politische Erschütterungen. Am 15. Juli trat nach sechs Monaten im Amt der ukrainische Verteidigungsminister Mychailo Fedorow zurück. Sein Rücktritt war von Skandalen begleitet, doch sein Beitrag zur Entwicklung der Drohnenindustrie bleibt eine Tatsache.

Eine der Hauptprioritäten Fedorows war die Erweiterung des Einsatzes von Drohnen. Unter ihm initiierte das Verteidigungsministerium das Programm der „logistischen Blockade“, das darauf abzielte, russische Versorgungsrouten zu unterbrechen, auch in der Krim. Auch das Projekt „Drohnenlinie“ wurde mit seiner Unterstützung umgesetzt, das die Grundlage für die Schaffung der Streitkräfte für unbemannte Systeme und den großangelegten Einkauf von Ausrüstung legte.