Die ukrainische Rüstungsindustrie hat die selbstfahrende Kanone „Bogdana“ von einer Einzelentwicklung in eine Massenproduktion überführt: Laut dem Sonderprojekt von RBC-Ukraine „Eigenes оружие — Schild der Unabhängigkeit. Wie die Ukraine ihre Rüstungsindustrie neu aufgestellt hat“ liegt die Fertigung bei 40 Fahrzeugen pro Monat. Zu Beginn der großangelegten Invasion gab es im Land nur ein einziges Exemplar der Anlage, und im Oktober 2025, so erklärte Präsident Wolodymyr Selenskyj, hatte sich die monatliche Produktion im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt und betrug 40 SPG. Heute gilt die „Bogdana“ als eine der größten Serienfertigungen von 155-mm-Selbstfahrlafetten in Europa und als Symbol der Transformation der heimischen Rüstungsindustrie.
Vom Einzelstück zur Serienlinie
Die Geschichte der „Bogdana“ begann 2018 am Kramatorsker Werk für Schweren Maschinenbau (KZTS), wo sie die erste inländische SPG wurde, die für das in NATO-Staaten übliche Kaliber 155 mm entwickelt wurde. Zum Zeitpunkt ihrer Erstellung wurde die Anlage auf einem KRAZ-Fahrwerk gebaut, verfügte über eine gepanzerte Kabine für eine Besatzung von fünf Personen, eine Feuerrate von 4–6 Schüssen pro Minute und eine Reichweite von bis zu 50 km. Wie Serhij Paschynskyj, Vorsitzender der Nationalen Assoziation der Rüstungsindustrie der Ukraine (NAUDI), erklärte, illustriert genau diese Geschichte den Weg der Branche: von der Rettung einzelner Waffensysteme unter der Bedrohung durch eine Besetzung — den Entwicklern wurde befohlen, die Anlage zu zerstören, doch es gelang, sie zu retten — bis hin zur großangelegten Serienfertigung. Einzelne Entwicklungen, die nach 2014 geschaffen oder wieder aufgenommen wurden, begannen während des Krieges, auf industrielles Niveau skaliert zu werden.
Ersteinsatz: Operation auf der Schlangeninsel
Bevor sie zur Serienproduktion kam, durchlief die „Bogdana“ einen Praxistest. Die Anlage nahm an Kampfhandlungen teil, insbesondere an der Operation zur Befreiung der Schlangeninsel, deren Einsatz Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte Mychajlo Fedorov bzw. Waleryj Saluschnyj in seinen Mitteilungen gesondert erwähnte. Dieser Vorfall festigte den Ruf der SPG als in der Praxis erprobte Waffe und wurde neben anderen Systemen der neuen ukrainischen Rüstungsindustrie — „Neptun“, unbemannten Systemen und Störmitteln — zu einem Argument für ihre Serienfertigung.
Deutsches Fahrwerk und Vereinbarung über 200 Fahrzeuge
Parallel zur Ausweitung der eigenen Fertigung entsteht ein internationaler Produktionsrahmen. Laut Berichten mehrerer Medien haben die Ukraine und Deutschland eine Vereinbarung über die Produktion von 200 SPG „Bogdana“ für die ukrainische Armee unterzeichnet, wobei ein Teil der Fahrzeuge auf dem deutschen Zetros-Fahrwerk mit Mitfinanzierung durch Berlin gefertigt wird. Dies erweitert die Produktionsbasis über das KZTS hinaus und verknüpft das ukrainische Artillerieprogramm mit europäischen Kompetenzen bei Fahrwerken und Komponenten.
Widersprüchliche Angaben
In offenen Quellen gibt es Abweichungen, die es zu unterscheiden gilt. Erstens werden zwei verschiedene Fahrwerke genannt: In der Beschreibung der Basis-„Bogdana“ wird ein KRAZ-Fahrwerk mit gepanzertem Aufbau für fünf Personen angegeben, während im Kontext der deutschen Vereinbarung von einer Variante auf Zetros-Fahrwerk die Rede ist — es handelt sich um unterschiedliche Konfigurationen, nicht um dasselbe Fahrzeug. Zweitens beziehen sich die Zahlen 40 Fahrzeuge pro Monat und 200 Einheiten auf verschiedene Ströme: 40/Monat ist das Tempo der inländischen Serienproduktion (Aussage Selenskyjs, Oktober 2025), während 200 das Volumen einer separaten Vereinbarung mit deutscher Beteiligung darstellt. Diese Kennzahlen als „Widerspruch“ gegenüberzustellen, ist unzutreffend: Sie beschreiben verschiedene Produktionslinien und verschiedene Zeitpunkte, und die Redaktion führt beide Versionen ohne Vermischung an.
Die „Bogdana“ demonstriert somit ein Modell, bei dem eine einzelne vorkriegszeitliche Entwicklung innerhalb weniger Kriegsjahre zu einem Industrieprogramm mit eigener und ausländischer Fertigung wurde. Für die ukrainische Rüstungsindustrie ist dies nicht nur ein Produktionsanstieg eines einzelnen Modells, sondern ein Indikator für die Neuaufstellung des gesamten Waffensystems um NATO-Standards und Serien- statt Einzelproduktion.