Die ukrainische Rüstungsindustrie tritt in eine neue Entwicklungsphase ein. Mehrere einheimische Unternehmen haben mit der Entwicklung gelenkter Luftbomben begonnen, die Ziele in beträchtlicher Entfernung von der Frontlinie treffen können. Das entscheidende Merkmal der neuen Modelle wird die Ausstattung mit Turbostrahltriebwerken sein, was den Einsatz der Munition außerhalb der Reichweite der feindlichen Flugabwehr ermöglicht.
Ausweitung der Produktion
Offizielle Bestätigung dieser Pläne gab Brigadegeneral Andrej Lebedenko, Stellvertretender Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Ukraine. Laut ihm wurde die Aufgabe zur Entwicklung einheimischer gelenkter Luftbomben bereits im Jahr 2024 gestellt. Derzeit gibt es im Land bereits sieben Hersteller, die an dieser Aufgabe arbeiten.
Lebedenko betonte, dass sich im Land eine ganze Schule von Spezialisten entwickelt hat, die in der Lage sind, Gleitmodule zu entwickeln. Die Integration von Turbostrahltriebwerken in die Konstruktion der Bomben wird die Einsatzreichweite um 100–200 Kilometer erhöhen. Dies ist entscheidend für die Sicherheit der Piloten und die Effektivität der Schläge.
Antwort auf die Masse des Gegners
Die Notwendigkeit der Ausweitung der eigenen Produktion wird durch die Statistik der Waffennutzung durch den Gegner diktiert. Im vergangenen Jahr haben russische Truppen mehr als 60.000 Bomben eingesetzt. Unter Bedingungen eines solchen massiven Angriffs muss die Ukraine ein Gleichgewicht zwischen Menge und Qualität finden.
„Es gibt genug Plattformen für den Start gelenkter Luftbomben, und sie werden ständig verbessert. Daher kann die Ukraine, wenn die Hersteller ihre Produktionskapazitäten ausweiten können, mehr davon einsetzen', erklärte der General. Gleichzeitig betonte er, dass es schwierig ist, mit der Masse der Starts Russlands zu konkurrieren, weshalb besonderer Wert auf die Treffgenauigkeit gelegt wird.
Der „Equalizer' und neue Standards
Eines der ersten Ergebnisse der Arbeit der Ingenieure war die Entwicklung einer gelenkten Luftbombe namens „Equalizer' (Ukrainisch: „Vyrivnyak'). Sie ist mit einem Kampfkopf von etwa 250 Kilogramm ausgestattet und dient der Bekämpfung von Zielen im tiefen Hinterland des Gegners. Das System ist für den Einsatz mit ukrainischen Kampfflugzeugen, einschließlich F-16 und Mirage, angepasst, obwohl für den vollen Einsatz eine zusätzliche Zertifizierung erforderlich ist.
Der „Equalizer' verwendet moderne Lenkungs-Algorithmen, was die Treffgenauigkeit erheblich erhöht. In Bezug auf die Kosten ist diese Munition etwa dreimal günstiger als die amerikanischen JDAM-ER-Analoga. Darüber hinaus zeigt sie eine hohe Universalität: Sie kann rund um die Uhr und bei allen Wetterbedingungen eingesetzt werden. Die Vorbereitung auf den Einsatz dauert nicht mehr als 30 Minuten.
Entwicklung des Raketenprogramms
Parallel zu den Luftbomben steigert die Ukraine die Produktion von Raketen. Derzeit stellt das Land etwa drei „Flamingo'-Raketen pro Tag her. Es wird erwartet, dass sich die Produktionsraten nach dem Umstieg auf eigene Triebwerke erhöhen werden.
Außerdem werden ballistische Raketen der Typen FP-7 und FP-9 entwickelt. Sie werden als potenzielles Äquivalent zu den amerikanischen ATACMS-Raketen positioniert. Nach vorläufigen Schätzungen werden die Kosten dieser ukrainischen Entwicklungen etwa die Hälfte der westlichen Analoga betragen, was die Schläge erschwinglicher und häufiger machen wird.