Seit mehr als einer Woche führt Russland täglich massive Angriffe mit Drohnen auf Kiew und die Oblast Kiew durch und trifft gezielt die logistische und Lagerinfrastruktur. In die Schusslinie gerieten Lager von Lebensmittelsupermärkten, Marktplätzen, Buchverlagen und Pharmazeutikfirmen. Fast täglich meldet die „Nowa Poschtscha“ Drohnentreffer, an Objekten der Kette „Epizentr“ wurden Schäden festgestellt, und am 3. September wurde die „Coca-Cola“-Fabrik in Browar getroffen. In einer Situation, in der in der Hauptstadt mehr als zehnmal täglich der Luftalarm ausgerufen und stundenlang aufrechterhalten wird, ist die Wirtschaft faktisch gelähmt: Nach geltenden Vorschriften ist der Betrieb von Einkaufszentren während des Alarms verboten, und die Metro arbeitet mit Einschränkungen.
Aufteilung des Alarms: „Gelber“ und „roter“ Modus
Als Reaktion auf die neue Beschuss-Taktik kündigte das Kabinett der Ukraine an, die Regeln für den Geschäftsbetrieb während Luftalarms zu überarbeiten. Die zentrale Neuerung ist die Aufteilung des Alarms in zwei Typen: „gelb“ und „rot“. Während der „gelben“ Alarmstufe wird den Unternehmen die Arbeit gestattet, für Kiew wird vorgeschlagen, den vollen Betrieb der Metro wieder aufzunehmen. Die „rote“ Alarmstufe behält die geltenden Einschränkungen bei: Objekte werden geschlossen, die Tätigkeit wird ausgesetzt. Laut den zuständigen Behörden soll diese Differenzierung die wirtschaftlichen Verluste verringern, ohne die Sicherheit der Bürger in Momenten der intensivsten Angriffe zu gefährden.
Steuervergünstigungen und 24-Stunden-Betrieb der Behörden
Am 2. September führte Präsident Wolodymyr Selenskyj ein Treffen mit Eigentümern und Geschäftsführern der größten Lebensmittel- und Baumarktsupermärkte, Hypermärkte und Marktplätze durch. Hauptthema war der Betrieb von Unternehmen und Logistik bei täglichen Angriffen. Die Staatliche Steuerverwaltung hat bereits ein Paket von Unterstützungsmaßnahmen für die betroffenen Unternehmen ausgearbeitet. Wie die Leiterin des Ressorts, Lesja Karnauk, erklärte, erfordern einige Initiativen eine gesetzliche Regelung; die Steuerverwaltung ist jedoch auf einen risikoorientierten Ansatz bei Verwaltung und Kontrolle übergegangen, um die Arbeitsbedingungen für geschädigte Unternehmen zu erleichtern. Parallel dazu wurde, nach Angaben des stellvertretenden Leiters des Präsidialamts Viktor Nikity, in den Regionen ein spezielles Reaktionsprotokoll der Oblast-Militärverwaltungen aktiviert, und die Wirtschaftsabteilungen der OWA wurden auf einen 24-Stunden-Betrieb umgestellt, um eine operative Kommunikation mit den Unternehmen zu ermöglichen.
Angriffe auf Häfen und Eisenbahn: Die Auswirkungen reichen über die Ukraine hinaus
Der Leiter des Ministeriums für Wiederaufbau, Nikolai Kalaschnik, wies auf eine klare Tendenz in den Handlungen Russlands hin: gleichzeitige Angriffe auf Seehäfen, zivile Schiffe, Eisenbahn- und Grenzinfrastruktur. Das Ziel sei, so seine Einschätzung, den Export, den Import und den Personenverkehr zu stoppen. Kalaschnik betonte, dass die Folgen weit über das ukrainische Territorium hinausreichen: Bedroht seien ausländische Schiffe, internationale Transportunternehmen, europäische Logistikrouten und der ukrainische Agrarexport, der in mehr als 55 Länder der Welt geliefert wird. Kiew arbeite, so der Minister, mit internationalen Partnern an der Wiederherstellung der Infrastruktur, dem Aufbau von Reserven und der Gestaltung alternativer Logistiklösungen.
Widersprüchliche Daten
Die Hauptinformationsquelle über die Maßnahmen der ukrainischen Regierung ist eine Publikation von RBC-Ukraine, in der konkrete Entscheidungen und Aussagen den genannten Beamten zugeschrieben werden. Russische Nachrichtenagenturen (TASS, RBC-Russland) berichten im selben Zeitraum über ähnliche Ereignisse in Form der Unterstützung von Unternehmen, die durch Angriffe auf Lager und Logistikzentren in der Region Krasnodar und in der Oblast Samara geschädigt wurden; in ihren Materialien findet sich jedoch weder eine Bestätigung noch eine Widerlegung konkreter ukrainischer Regeländerungen wie der Einführung eines zweistufigen Alarmsystems oder eines risikoorientierten Steuerkontrollregimes. Somit fehlt in dem vorliegenden Datenkorpus eine unabhängige Verifizierung der von Kiew angekündigten Maßnahmen durch russische Quellen, was es nicht erlaubt, einzelne Details (z. B. die genaue Liste der Steuervergünstigungen oder die Inkrafttretensfristen der neuen Alarmordnung) zu bestätigen oder zu widerlegen.