Die Leiterin der Ukraine-Mission bei der NATO, Alena Hetmantschuk, hat im Interview mit RBC-Ukraine Details eines speziellen Mechanismus offenbart, über den Kiew zusätzliche Abfangraketen für die Patriot-Luftabwehrsysteme von den europäischen Bündnispartnerländern erhält. Ihren Worten zufolge basiert das Versorgungssystem mit Abfangraketen auf einem Anreizmodell, das europäische Verbündete dazu bewegen soll, Raketen aus ihren eigenen Arsenalen bereitzustellen, zu verkaufen oder zu tauschen – im Gegenzug für zukünftige Lieferungen nach ukrainischen Verträgen.

Funktioniert das Tauschschema

Der von der Diplomatin beschriebene Mechanismus sieht vor, dass europäische Staaten der Ukraine Raketen vom Typ PAC-2 oder PAC-3 aus ihren Lagern übergeben oder verkaufen. Im Gegenzug erhalten sie das Recht auf zukünftige Lieferungen von Abfangraketen, die nach ukrainischen Verträgen produziert werden. Hetmantschuk betonte, dass Kiew in diesem Jahr bereits „einige zusätzliche Abfangraketen“ von NATO-Staaten Europas nach diesem Modell erhalten habe, und die Arbeit zur Gewinnung neuer Teilnehmer gehe weiter.

Die Rolle der NATO als Fürsprecher

Ein Schlüsselelement des Prozesses ist laut der Leiterin der ukrainischen Mission die Advocacy durch den Bündnis selbst. Die Chancen auf eine positive Entscheidung steigen erheblich, wenn der Antrag auf Waffenübertragung nicht nur von Kiew, sondern auch von der NATO gestellt wird, die dafür das „grüne Licht“ gibt. Dies verwandelt ein bilaterales Abkommen in eine koordinierte Bündnisaktion und beseitigt damit einen Teil der politischen und rechtlichen Hürden für die europäischen Regierungen.

Wer in Europa über Abfangraketen verfügt

Hetmantschuk präzisierte, dass derzeit in Europa weniger als zehn NATO-Mitgliedstaaten Raketen vom Typ PAC-2 oder PAC-3 im Arsenal haben. Darunter nannte sie Deutschland, die Niederlande, Polen, Rumänien, Spanien, Griechenland und Schweden. Gleichzeitig seien, so ihre Worte, alle Diskussionen über eine mögliche Übertragung dieser Raketen „sehr heikel und nicht der öffentlichen Debatte zugänglich“, was die Möglichkeit einer unabhängigen Überprüfung der konkreten Mengen und Bedingungen der Geschäfte einschränke.

Kontext: Mangel vor dem Hintergrund der Eskalation

Eine separate Lieferquelle für Patriot-Abfangraketen bleibt das PURL-Programm, über das die USA Raketen übergeben. Allerdings führte, wie Hetmantschuk hervorhob, die Ausweitung der russischen ballistischen Beschussaktionen zu einem erheblichen Anstieg des Bedarfs an Bewaffnung. In diesem Zusammenhang verbreitete US-Präsident Donald Trump eine Publikation der Washington Post, in der der Autor eine Reihe von Lösungen für das Mangelproblem vorschlägt, darunter die Einrichtung einer Produktion von Patriot-Raketen direkt auf ukrainischem Gebiet.