EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bestätigte auf einem Briefing in Brüssel den Erhalt eines neuen Antrags aus Kiew auf Auszahlung von Mitteln aus der Kreditlinie zur Unterstützung der Ukraine. Demnach geht es um einen Betrag in Höhe von „mehreren Milliarden Euro“, der die Ausgaben für die Luftverteidigung abdecken soll, vor allem für den Erwerb hochwirksamer PAC-3-Luftabwehrraketen für die Patriot-Systeme. Die Aussagen kamen vor dem Hintergrund, dass die EU-Mitgliedstaaten den Antrag bereits prüfen, und, wie die Kommissionschefin betonte, der Prozess „in die richtige Richtung gehe“.

Antrag auf PAC-3: Was die EU-Kommission bestätigte

Wie RBC-Ukraine unter Berufung auf „Europäische Wahrheit“ berichtet, hat die ukrainische Seite offiziell einen Antrag an die EU-Kommission gerichtet, einen Teil der Kreditmittel speziell für die Luftverteidigung zu verwenden. Von der Leyen nannte den Zweck ausdrücklich: „Er beträgt mehrere Milliarden Euro und soll die Ausgaben für die Luftverteidigung der Ukraine abdecken, einschließlich der hochwirksamen PAC-3-Luftverteidigungssysteme“. Es geht also nicht um eine neue Finanzhilfe, sondern um die Umleitung bereits vereinbarter Kreditmittel auf eine konkrete Verteidigungseinkauf.

Mechanik des 90-Milliarden-Kredits und bereits freigegebene Mittel

Die Kommissionschefin erinnerte daran, dass die Kreditlinie in Höhe von 90 Milliarden Euro zur Unterstützung der Ukraine bereits funktioniere. Ihren Angaben zufolge wurden seit Juni über dieses Instrument 8,5 Milliarden Euro für unbemannte Luftfahrzeuge und Raketen sowie für den Kauf von Kampfjets in der europäischen Industrie freigegeben. Zuvor hatte die EU den ersten Tranche des Kredits für 2026–2027 angekündigt: 30 Milliarden Euro für makrofinanzielle Hilfe, weitere 60 Milliarden für Verteidigungszwecke. Genau aus dem Verteidigungspool wird im Wesentlichen der Antrag auf Raketen für Patriot finanziert.

Das Projekt „Freya“ als eigenständige Richtung

Separat erwähnte von der Leyen das gemeinsame Projekt mit der Ukraine zur Entwicklung eigener antibalistischer Raketenabwehrsysteme – „Freya“. Sie nannte es außerhalb des Kontexts der aktuellen Kreditzahlung als eigenständige Richtung der technologischen und verteidigungspolitischen Zusammenarbeit zwischen der EU und Kiew, was den langfristigen Charakter der Unterstützung der Luftverteidigung jenseits einmaliger Käufe amerikanischer Raketen unterstreiche.

Kontext: kritischer Mangel an Raketen für die PVO

Der Antrag auf PAC-3 kommt vor dem Hintergrund eines akuten Mangels an Munition für die Luftabwehrsysteme. Nach vorliegenden Angaben leidet die Ukraine unter einem kritischen Mangel an Raketen für Patriot, NASAMS und IRIS-T, und in einigen Einheiten sind die Bestände nahezu erschöpft. Dies macht die operative Freigabe der Mittel aus der Kreditlinie zu einer Frage nicht nur der finanziellen, sondern auch der unmittelbaren Kampfversorgung des Luftraums.

Widersprüchliche Daten

In offenen Quellen weichen die Angaben zur genauen Summe des Antrags voneinander ab. Ursula von der Leyen verwendete auf dem Briefing die Formulierung „mehrere Milliarden Euro“, ohne eine konkrete Zahl zu nennen. Gleichzeitig operieren eine Reihe ukrainischer Medien (insbesondere Hlawred) in Schlagzeilen und Artikeln mit einer konkreteren Schätzung – etwa 2 Milliarden Euro für Patriot-Raketen. Eine Version spricht also von unbestimmten „mehreren Milliarden“, die andere von einer Summe von rund 2 Milliarden Euro. Bis zu einer offiziellen Klarstellung durch die EU-Kommission oder Kiew sollten beide Zahlen als nicht übereinstimmend betrachtet werden.