Die Stahlproduktion in der Ukraine ist nach Angaben eines von RBC-Ukraine veröffentlichten Al-Jazeera-Berichts nach einer Serie von Angriffe auf metallurgische Betriebe auf fast Null gesunken. Journalisten des Fernsehsenders besuchten das Werk Kametstâl in Kamjanske, das zu den drei größten Hüttenwerken in dem von der Ukraine kontrollierten Gebiet gehört. Schätzungen der Publikation zufolge wurden alle drei großen Unternehmen der Metinvest-Gruppe in den letzten Wochen infolge von Einschlägen gestoppt. Die Situation sei, so ein Gesprächspartner von Al Jazeera, von kritischer Bedeutung für die gesamte Wirtschaft des Landes, da Eisen und Stahl vor dem großflächigen Krieg für über 30 % der ukrainischen Exporte standen.

Angriff auf Kametstâl: zerstörter Hochofen und getötete Arbeiter

Das Werk Kametstâl stellte im September nach einem ballistischen Raketenangriff den Betrieb ein. Berichten zufolge wurden bei dem Angriff fünf Mitarbeiter des Betriebs getötet, und einer der Hochöfen wurde zerstört. „Das Unglück hat uns getroffen. Eine ballistische Rakete schlug genau hier ein, direkt in den Hochofen“, erzählte der Generaldirektor des Kombinats im Gespräch mit Journalisten. Schätzungen der Publikation zufolge verursachte der Angriff Schäden in Millionenhöhe an dem Unternehmen, und die Wiederherstellung könnte Monate oder sogar Jahre dauern.

Ausmaß des Stopps: drei große Metinvest-Werke arbeiten nicht

Nach Angaben von Al Jazeera wurden in den letzten Wochen alle drei großen Metinvest-Betriebe im von der Ukraine kontrollierten Gebiet gestoppt. Nach wochenlangen massiven Angriffen sei die Stahlproduktion im Land, so eine Quelle der Publikation, auf fast Null gesunken. Damit betrifft der Stopp kein einzelnes Objekt, sondern die Kernkapazitäten der Branche, was die Situation nach Einschätzung des Senders für den Industriesektor systematisch macht.

Menschen in der Produktion: Schutzräume und Angst vor der Zukunft

Mitarbeiterinnen des Unternehmens erzählten Journalisten, dass sie sich manchmal zweimal bis dreimal am Tag in Schutzräume begeben. Ihren Angaben zufolge sorgen sich die Menschen gleichzeitig um ihr eigenes Leben, ihre Arbeitsplätze und die Zukunft des Unternehmens. Der Bericht hält fest, dass das Personal selbst unter Bedingungen einer teilweisen Produktionseinstellung weiterhin auf dem Gelände verbleibt, was die soziale und produktionstechnische Bedeutung des Kombinats für die Region unterstreicht.

Wirtschaftliche Folgen: BIP-Rückgang und Bedrohung der Devisenerlöse

Wie die Publikation feststellt, hat die ukrainische Wirtschaft bereits auf den Stopp der Hüttenwerke reagiert: Dies zog einen BIP-Rückgang von 2,4 % nach sich. Die Metallurgiekrise droht nicht nur zu einer Verringerung der Stahlproduktion zu führen, sondern auch zum Verlust von Arbeitsplätzen, Devisenerlösen, der Steuerbasis und der Industrieplattform, von der laut Al Jazeera der künftige Wiederaufbau des Landes abhängt. Somit betreffen die Angriffe auf metallurgische Anlagen nicht nur die Branche, sondern die makroökonomischen Indikatoren insgesamt.

Perspektiven des Wiederaufbaus

Schätzungen von RBC-Ukraine unter Berufung auf Al Jazeera zufolge belaufen sich die Schäden durch den September-Angriff auf Kametstâl auf Millionen von Dollar, und die Fristen für die Wiederherstellung des zerstörten Hochofens sowie die Wiederaufnahme des vollständigen Produktionszyklus könnten Monate oder gar Jahre betragen. Vor diesem Hintergrund erfordert die Branche laut Angaben der Publikation massive Investitionen und Sicherheitsgarantien, um zu den Vorkriegsmengen zurückzukehren, als die Metallurgie mehr als ein Drittel der ukrainischen Exporte ausmachte.