Neue Daten der Umfrage Polling Europe zeigen ein komplexes und widersprüchliches Bild der Einstellung der Bürger der Europäischen Union zur Aussicht auf einen Beitritt der Ukraine zum Block. Obwohl fast die Hälfte der EU-Bürger (49 %) für die Mitgliedschaft Kiews ist, ist in einer Reihe von Schlüsselstaaten ein deutlicher Rückgang der Unterstützung zu verzeichnen. 39 % der Befragten sprachen sich gegen den Beitritt aus, und 12 % waren unsicher.
Spanien und Italien: Unterstützung mit Vorbehalten
Spanien führt bei der Unterstützung der Ukraine an. Hier sprachen sich 65 % der Bürger für den Beitritt des Landes zur EU aus. Die Beziehungen zwischen Madrid und Kiew haben sich seit 2022 erheblich vertieft: Spanien hat bereits mehr als 9.000 ukrainische Soldaten ausgebildet und im Jahr 2026 ein Paket an militärischer Hilfe in Höhe von 1 Mrd. Euro angekündigt.
Auch in Italien herrscht eine positive Stimmung, wo 52 % der Befragten „dafür' stimmten. Die Mehrheit der Italiener betont jedoch, dass Kiew zunächst die notwendigen innerstaatlichen Reformen durchführen muss, bevor es auf eine volle Mitgliedschaft hoffen kann.
Abkühlung in den führenden Ländern
Gleichzeitig haben Soziologen eine Verschlechterung der Stimmung in drei Ländern festgestellt, die zuvor als die aktivsten Unterstützer der Ukraine galten – Frankreich, Deutschland und Polen. In diesen Staaten spricht sich die Mehrheit der Bürger gegen eine volle Mitgliedschaft der Ukraine mit Stimmrecht aus.
Der polnische Faktor: diplomatische Krise und historisches Gedächtnis
Besondere Aufmerksamkeit erregt die Situation in Polen, wo der Widerstand 49 % erreichte. Die Umfrage wurde Anfang Juli durchgeführt, unmittelbar nach einem resonanten diplomatischen Skandal zwischen Warschau und Kiew.
Der Konflikt verschärfte sich Ende Mai, als Präsident Wolodymyr Selenskyj einer der Spezialeinheiten der ukrainischen Streitkräfte den Ehrentitel „Helden der UPA' verlieh. Diese Entscheidung löste eine heftige Reaktion der polnischen Seite aus. In Polen gilt die Ukrainische Aufstandsarmee (UPA) als verantwortlich für die Wolhynien-Morde von 1943–1945, die als Völkermord an der polnischen Bevölkerung anerkannt werden.
Vor dem Hintergrund der Debatten über das historische Gedächtnis entzog der polnische Präsident Karol Nawrocki Wolodymyr Selenskyj den Orden des Weißen Adlers. Später lehnten auch ehemalige ukrainische Präsidenten diese staatliche Auszeichnung ab. Soziologische Umfragen in Polen zeigten ebenfalls eine Verschlechterung der Einstellung gegenüber Ukrainern: Mehr als ein Drittel der Befragten gab an, dass ihre Einstellung gegenüber Bürgern der Ukraine schlechter geworden ist.