Erstes Treffen auf Ministerebene seit langer Zeit
Der ukrainische Minister für Veteranenfragen Witalij Kim und sein amerikanischer Amtskollege, der Sekretär des US-amerikanischen Departments für Veteranenfragen Doug Collins, hielten das erste Treffen der Leiter beider Behörden seit langer Zeit ab. Im Ergebnis der Gespräche einigten sich die Seiten, die Zusammenarbeit im Bereich der Veteranenpolitik zu verstärken, vor allem in den Feldern Rehabilitation, Prothetik und der Behandlung schwerer Kriegsverletzungen. Dies teilte Witalij Kim selbst in seinem Telegram-Kanal mit, die Details des Treffens übermittelte die Redaktion von RBC-Ukraine.
Das amerikanische System: 170 Zentren und neun Millionen Veteranen
Ein eigener Block der Gespräche war der Veteranenmedizin der USA gewidmet – dem größten integrierten Gesundheitssystem des Landes. Laut den auf dem Treffen genannten Daten umfasst es 170 medizinische Zentren und mehr als tausend ambulante Einrichtungen und betreut über neun Millionen Veteranen. In diesem System ist die spezialisierte Expertise in Prothetik, Amputationen, Polytrauma, Schädel-Hirn-Verletzungen und komplexer Rehabilitation gebündelt. Unter bestimmten Bedingungen können Veteranen auch in zivilen medizinischen Einrichtungen Hilfe erhalten, was die Verfügbarkeit der Dienste erweitert.
„Wir brauchen Lösungen schneller als in Jahrzehnten“
Witalij Kim betonte, dass das amerikanische System der Veteranenunterstützung über erhebliche Erfahrung verfügt, die über mehrere Jahrzehnte hinweg angesammelt wurde. Gleichzeitig hob er hervor, dass diese Erfahrung für die Ukraine besonders relevant ist: Das Land baut sein eigenes System der Veteranenhilfe unter Bedingungen eines großangelegten Krieges auf und muss Lösungen deutlich schneller finden, für die anderen Ländern Jahrzehnte gebraucht haben. Laut dem Minister geht es nicht darum, fremde Modelle zu kopieren, sondern bewährte Praktiken zu übernehmen, die den Weg von der Verletzung bis zur Genesung verkürzen.
Was die Ukraine im Gegenzug anbieten kann
Gleichzeitig unterstrich Kim, dass die Ukraine bereits über eigene Erfahrung verfügt, die für die Partner nützlich sein kann. Insbesondere geht es um praktische Lösungen, die unter Bedingungen der aktiven Phase der Kampfhandlungen erarbeitet wurden: von der Organisation der Notfallmedizin an der Front bis zu Mechanismen der langfristigen Begleitung. Besonderes Aufmerksamkeit wurde auf dem Treffen der psychologischen Rehabilitation, der Arbeit mit posttraumatischen Zuständen und der umfassenden Begleitung der Veteranen geschenkt. Kim wies darauf hin, dass die Folgen des großangelegten Krieges und des anhaltenden Stresses nicht nur Soldaten und Veteranen betreffen, sondern auch deren Familienangehörige sowie die Zivilbevölkerung.
Nächster Schritt: Arbeit auf Ebene der Fachteams
Im Ergebnis des Treffens einigten sich die Seiten, den Erfahrungsaustausch zwischen den Behörden fortzusetzen. Als nächster Schritt soll die Arbeit auf Ebene der Fachteams und Spezialisten erfolgen, die die Praktiken beider Länder im Detail studieren und konkrete Richtungen der weiteren Zusammenarbeit festlegen werden. Damit wechselt das Format der Zusammenarbeit von der politischen auf die anwendungsbezogene Ebene, was nach dem Plan beider Seiten die Umsetzung konkreter Lösungen in das ukrainische System der Veteranenhilfe beschleunigen soll.
Kontext: Synchronisierung der Behörden rund um die Veteranenpolitik
Das Treffen von Kim und Collins findet vor dem Hintergrund einer umfassenden Reform der ukrainischen Veteranenpolitik statt. In der Ukraine ist geplant, die Arbeit aller staatlichen Behörden um die Aufgaben im Zusammenhang mit den Veteranen zu synchronisieren. In jeder Exekutivbehörde wird eine verantwortliche Person bestimmt, die persönlich für die Umsetzung der staatlichen Veteranenpolitik in ihrem Bereich zuständig ist. Dies soll die Zersplitterung der Ansätze beseitigen und einen einheitlichen Standard der Hilfe auf allen Ebenen gewährleisten – von der medizinischen Rehabilitation über die Beschäftigung bis zur sozialen Begleitung.