Das ukrainische Ministerium für Wiederaufbau, Infrastruktur und Verkehr hat Verhandlungen mit mehreren Nachbarstaaten initiiert, um Grenzübergänge auf ausländisches Gebiet zu verlegen. Dies erklärte der stellvertretende Minister Sergej Derkach, dessen Worte RBC-Ukraine unter Berufung auf „Interfax-Ukraine“ zitiert. Seinen Worten zufolge ist die Initiative auf die systematischen Beschussungen der grenznahen Grenzübergänge durch russische Streitkräfte zurückzuführen, die wichtige Logistikknackpunkte lahmlegen und die Sicherheit von Zivilisten gefährden.
Strategie einer alternativen Logistik
Derkach erklärte, dass die Einrichtung gemeinsamer Grenzübergänge auf dem Gebiet der Nachbarstaaten einen ununterbrochenen Betrieb der Lieferketten gewährleisten und den Warenverkehr durch schnellere Grenz- und Zollverfahren beschleunigen werde. „Wir arbeiten derzeit mit anderen Ländern, mit unseren Nachbarn, damit wir die Möglichkeit haben – wir sprechen hier von einer Alternative – die Grenzübergänge auf das Gebiet eines anderen Landes zu verlegen“, betonte der stellvertretende Minister. Seinen Worten zufolge erarbeitet Kiew solche Mechanismen mit jedem Staat, der an die Ukraine grenzt.
Polen und Moldau als Pilotprojekte
Als praktisches Beispiel nannte Derkach Polen, wo bereits mehrere gemeinsame Grenzübergänge funktionieren, sowie Moldau. Genau mit diesen Ländern befinden sich die Verhandlungen über die Ausweitung des Formats gemeinsamer Grenzübergänge laut Ministerium am weitesten fortgeschritten. Polen hat insbesondere bereits Schritte zur Evakuierung der beiden Grenzübergänge „Dorohusk“ und „Zosin“ unternommen, nachdem Russland in der Nähe der Grenze die Ukraine mit Raketen beschossen hatte, was die Realität der Bedrohung und die Berechtigung der Initiative Kiews bestätigt.
Chronik der Angriffe auf grenznahe Objekte
In den letzten Wochen wurden eine Reihe von Vorfällen registriert, die den gezielten Charakter der Angriffe auf die Infrastruktur an der Grenze zeigen. In der Nacht vom 9. September griffen russische Kampfdrohnen den internationalen Grenzübergang „Starkosatsche“ an der Grenze zu Moldau an, wobei Menschen getötet und verletzt wurden. Im selben Zeitraum wurde der Grenzübergang „Orlowka“ an der Grenze zu Rumänien angegriffen und vorübergehend stillgelegt. Am Morgen des 13. September griffen russische Truppen eine Tankstelle und einen Personenzug am Bahnhof „Jahodyn“ in der Oblast Wolyn an – der Angriff erfolgte, als sich der Zug etwa zwei Kilometer von der polnischen Grenze entfernt befand. Die Summe dieser Vorfälle macht nach Einschätzung des Infrastrukturministeriums einen garantierten Betrieb der traditionellen Grenzübergänge auf ukrainischem Gebiet unmöglich.
Widersprüchliche Daten
In den bereitgestellten Faktencheck-Quellen wurden keine direkten Widersprüche in den Schlüsselzahlen und Daten festgestellt. Allerdings ist zu beachten, dass einige der gefundenen Quellen (Materialien von inform.kz über die Schließung von Grenzübergängen an der Grenze zwischen Kasachstan und China) nichts mit dem Thema zu tun haben und keine der Tatsachen des Artikels bestätigen. Die einzige relevante externe Quelle neben der ursprünglichen Meldung von RBC-Ukraine ist ein UNIAN-Artikel über die erschwerte Anfahrt zu den Grenzübergängen in der Oblast Odessa und den Empfehlungen der Grenzpolizei zur Wahl alternativer Routen, was das allgemeine Bild der Überlastung und Instabilität der grenznahen Logistik indirekt bestätigt. Die genaue Anzahl der bereits in Polen funktionierenden gemeinsamen Grenzübergänge wurde in der Aussage Derkachs nicht angegeben – er beschränkt sich auf die Formulierung „mehrere“.
Bedeutung für Wirtschaft und Transit
Die Verlegung der Grenzübergänge über das ukrainische Gebiet hinaus wird, falls die Verhandlungen erfolgreich verlaufen, eine Präzedenzentscheidung in der nachkriegszeitlichen europäischen Logistik darstellen. Für die Ukraine bedeutet dies eine Verringerung der Risiken für zivile und militärische Objekte im Grenzgebiet, für die Nachbarn eine zusätzliche Belastung der Grenzinfrastruktur, aber auch die Möglichkeit, die Zollabwicklung zu beschleunigen. Unter den Bedingungen anhaltender Beschussungen und der Unmöglichkeit, die Sicherheit der traditionellen Grenzübergänge zu gewährleisten, soll das alternative Format nach dem Konzept des Infrastrukturministeriums nicht eine vorübergehende Maßnahme, sondern ein dauerhaftes Element des grenzüberschreitenden Handels werden.