Anlässlich des 35. Jahrestags der Unabhängigkeit der Ukraine, den das Land am 24. August 2026 feiert, hat RBC-Ukraine eine Interviewreihe mit Vertretern verschiedener politischer Epochen gestartet. Im Rahmen dieses Projekts trat der stellvertretende Generaldirektor von RBC-Ukraine, Wolodymyr Kurennoi, in einem Podcast des Mediums auf. Seine Aussage bezieht sich auf die zentrale historische Wahl, die vor allen postsowjetischen Staaten unmittelbar nach dem Zerfall der Sowjetunion stand: zwischen schnellen radikalen Transformationen und einer schrittweisen evolutionären Entwicklung.

Zwei Wege nach dem Zerfall der Sowjetunion

Wie Kurennoi erklärte, standen vor jedem Land der GUS, in seinen Worten, „zwei Wege'. Den ersten bezeichnete er bedingt als „Schocktherapie' – das sind schnelle, sehr schmerzhafte, aber produktive Veränderungen. Der zweite Weg ist schrittweise, evolutionär und langsam. Genau diesen zweiten Szenario habe die Ukraine gewählt, so der Sprecher, und gerade diese Wahl habe, seiner Einschätzung nach, in hohem Maße den Charakter der weiteren Entwicklung des Landes und das Tempo des Aufbaus seiner Institutionen bestimmt.

„Der Katze wird der Schwanz in Stücken abgehackt': Die Metapher des evolutionären Weges

Die Hauptkritik am evolutionären Szenario, die Kurennoi vorbrachte, besteht darin, dass es das Leiden der Gesellschaft lediglich verlängerte. Zur Veranschaulichung verwendete er eine prägnante Metapher: „Die Ukraine hat, nun, meiner Ansicht nach leider den evolutionären Weg gewählt, bei dem der Katze der Schwanz in Stücken abgehackt wird … jeden Monat, jedes Jahr wird ein Stück abgehackt, und diese Katze leidet, weil es nun einmal schmerzhaft ist.' Damit betonte der Sprecher, dass der langsame Charakter der Reformen einen einzelnen schmerzhaften Schritt in eine langwierige Serie wiederkehrender Verluste für die Gesellschaft verwandelte.

Vergleich mit dem Baltikum, Polen und Tschechien

Als alternatives Beispiel nannte Kurennoi die baltischen Staaten, Polen und Tschechien. Laut seinen Worten wählten diese Staaten den radikalen Szenario der Transformationen, was es ihnen ermöglichte, effektive Institutionen schneller aufzubauen und einem längeren Verbleib in der sogenannten „Grauen Zone' der postsowjetischen Wirtschaft zu entgehen. Vor diesem Hintergrund erwies sich der evolutionäre Weg der Ukraine, so die Einschätzung des Sprechers, als langwieriger und im institutionellen Maßstab weniger ertragreich.

Kontext: 35. Jahrestag der Unabhängigkeit und internationale Glückwünsche

Die Aussage Kurennois erfolgte am Feiertag, dem 24. August, an dem die Ukraine den 35. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit feiert. An diesem Tag wandte sich Präsident Wolodymyr Selenskyj mit einer besonderen Botschaft an die Nation. Zudem sprachen sich König Charles III. von Großbritannien und Königin Consort Camilla sowie der US-Außenminister Marco Rubio öffentlich anlässlich des Festes zu Wort. Die Interviewreihe von RBC-Ukraine mit Vertretern verschiedener politischer Epochen wird auf dem YouTube-Kanal des Mediums fortgesetzt.

Charakter der Aussage

Wichtig ist zu betonen, dass die im Podcast geäußerten Urteile eine Experteneinschätzung und die persönliche Position des stellvertretenden Generaldirektors von RBC-Ukraine darstellen und keine offizielle Feststellung des Staates oder das Ergebnis einer akademischen Untersuchung. Metaphern und Vergleiche mit anderen Ländern spiegeln die Autorendeutung des historischen Prozesses wider, was bei der Lektüre des Materials zu berücksichtigen ist.