Eine aktuelle Umfrage der Forschungsgruppe Rating Group, die unter ukrainischen Geflüchteten in Polen durchgeführt und von RBC-Ukraine veröffentlicht wurde, zeichnet ein widersprüchliches, aber durchaus bekanntes Bild: Die Mehrheit der ukrainischen Vertriebenen hat sich bereits in den polnischen Alltag integriert, doch die Frage der Rückkehr in die Ukraine bleibt für einen erheblichen Teil von ihnen offen. Laut Studie planen 51 % der Befragten eine Rückkehr in ihre Heimat, wobei die überwiegende Mehrheit nicht beabsichtigt, dies in absehbarer Zeit zu tun. Als entscheidende Bedingung für die Rückkehr nannten 71 % der Befragten Sicherheit und Stabilität in der Ukraine – faktisch geht es also um das Ende des Krieges. Gleichzeitig würden 44 % der ukrainischen Geflüchteten dauerhaft im Ausland leben, während 43 % dieses Vorhaben nicht haben und die übrigen sich noch nicht entschieden haben.
Staatsbürgerschaft, Sprache und Anpassung
Unter denen, die eine Option im Ausland in Betracht ziehen, wählen 40 % Polen, 17 % würden in einem anderen europäischen Land leben, 6 % außerhalb Europas, weitere 37 % haben sich für ein konkretes Land noch nicht entschieden. Die Frage der Legalisierung des Status bleibt eine der drängendsten: 34 % der Befragten erwägen die Möglichkeit, die polnische Staatsbürgerschaft zu erwerben, einschließlich jener, die bereits entsprechende Dokumente eingereicht haben, 46 % planen keinen Erwerb der Staatsbürgerschaft, 20 % haben sich nicht entschieden. Bemerkenswert ist, dass die am meisten gewünschte Hilfe zur Erleichterung des Lebens in Polen von den Befragten gerade die Möglichkeit war, die polnische Staatsbürgerschaft zu erhalten – so antworteten 35 % der Umfrageenteilnehmer. Die sprachliche Integration sieht dabei relativ hoch aus: 60 % gaben an, Polnisch auf mittlerem oder hohem Niveau zu beherrschen, weitere 26 % haben Grundkenntnisse, 12 % ein Anfängerniveau, und nur 2 % kennen Polnisch nicht. Mit ihrem Niveau der sozialen Anpassung sind 57 % der Befragten zufrieden, während 37 % unzufrieden bleiben.
Arbeit, Geld und Wohnen
Die wirtschaftliche Lage der ukrainischen Geflüchteten in Polen ist insgesamt stabil. 73 % der Befragten haben eine Arbeit; unter den Beschäftigten arbeiten 87 % direkt in Polen, 4 % in der Ukraine, weitere 5 % gleichzeitig in mehreren Ländern. Im vergangenen Jahr hat sich die finanzielle Lage bei einem Großteil nicht verändert – so antworteten 41 %, 36 % sprachen von einer Verbesserung, 20 % von einer Verschlechterung. Auf das kommende Jahr blicken die Ukrainer etwas optimistischer: 38 % erwarten eine Verbesserung der finanziellen Lage, 12 % eine Verschlechterung, 31 % prognostizieren keine Änderungen. Mit dem Wohnen ist die Lage deutlich schwieriger: 81 % der ukrainischen Geflüchteten mieten Wohnraum, nur 7 % besitzen eigenes, weitere 3 % werden vom Arbeitgeber mit Wohnraum versorgt, je 2 % leben in polnischen Familien oder bei ukrainischen Freunden und Bekannten, 1 % nutzen Sozialwohnungen. Den Kauf einer eigenen Wohnung bewerten nur 16 % positiv, während 44 % ihn für unerschwinglich halten; die Verfügbarkeit einer qualitativ hochwertigen Medizin bewerten 26 % positiv, 32 % negativ. Am besten bewerten die Geflüchteten die Möglichkeiten für einen hochwertigen Freizeitvergnügen – 57 % bewerten sie positiv, ein komfortables Leben in Polen halten 41 % für möglich, und die Verfügbarkeit von Vorschul- und Schulbildung – 39 %.
Psychologie, Diskriminierung und Freundeskreis
Zu den Hauptproblemen des Lebens in Polen nannten die Ukrainer am häufigsten den negativen Einfluss der Medien – darauf wiesen 45 % der Befragten hin. Der psychologische Zustand bleibt ebenfalls ein Problem: 26 % litten häufig oder sehr häufig unter übermäßiger Angst oder Panik, mit der sie nicht umgehen konnten, weitere 31 % erlebten ähnliche Zustände gelegentlich. In den letzten 12 Monaten sind 31 % der Befragten auf Diskriminierung aufgrund ihrer nationalen oder ethnischen Zugehörigkeit gestoßen, weitere 22 % aufgrund der Verwendung der ukrainischen Sprache, während 49 % auf keiner der genannten Merkmale diskriminiert wurden. Der engste Freundeskreis von 45 % der Befragten besteht überwiegend aus Ukrainern, 34 % kommunizieren gleichzeitig mit Ukrainern und Polen, überwiegend mit Polen – nur 8 %, und 13 % gaben an, überhaupt keinen engen Freundeskreis zu haben. Das Verhältnis der Ukrainer zur einheimischen Bevölkerung ist überwiegend neutral (44 %) oder warm (50 %), wobei die Ukrainer das Verhältnis der Polen zu sich selbst zurückhaltender bewerten: 30 % nannten es warm, 46 % neutral, 22 % kalt.
Kontext: Abwanderung und Spannungen
Die Ergebnisse der Umfrage sollten im Kontext breiterer Tendenzen betrachtet werden. Laut RBC-Ukraine nimmt die Zahl der Ukrainer mit dem Status des vorübergehenden Schutzes in Polen weiter ab: Im Juli gab es 8.000 weniger als im Vormonat, wobei ein Teil der Vertriebenen in andere EU-Länder ausreist, insbesondere in die Tschechische Republik, die immer häufiger eine Alternative zu Polen wird. Parallel wird ein Anstieg der Angriffe auf Ukrainer in Polen und die damit verbundene Spannung in den ukrainisch-polnischen Beziehungen festgestellt; das ukrainische Außenministerium betont dabei, dass die polnischen Strafverfolgungsbehörden, nach ihrer Einschätzung, auf die Vorfälle reagieren. Somit dokumentiert die Umfrage eine stabile, aber fragile Anpassung: Die Ukrainer in Polen arbeiten, lernen die Sprache und gestalten ihren Alltag, doch die Entscheidung über die Zukunft – Rückkehr oder Niederlassung – ist nach wie vor an einen entscheidenden Faktor gebunden, die Sicherheit in der Ukraine.