In den ersten Monaten der massiven Stromausfälle kauften die Ukrainer alles auf, was Elektrizität speichern konnte. Eine im Ladenregal gefundene Powerbank galt bereits als Glücksgriff, und eine Heim-Ladestation schien ein Luxus zu sein. Die Hauptaufgabe bestand darin, das Telefon aufzuladen, den Laptop einzuschalten oder zumindest ein paar Lampen zu betreiben. Vier Jahre später hat sich die Situation grundlegend geändert: In vielen Haushalten gibt es bereits Powerbanks, Ladestationen und Router-Akkus. Wie jedoch Taras Martynyuk, Leiter der Abteilung für Unterhaltungselektronik bei „ASBIS-Ukraine“, in einem Gespräch mit RBC-Ukraine anmerkt, garantiert das Vorhandensein dieser Technik noch keine echte Autonomie. Ihm zufolge kommt er nach Jahren der Arbeit mit tragbarer Elektronik immer öfter zu einem Schluss: „Wir haben gelernt, Strom zu speichern, aber wir wissen noch nicht immer, wie wir ihn sinnvoll nutzen.“
Das Problem der Ladezeit: Acht Stunden gegen zwei Stunden Strom
Eine typische Situation, mit der die Ukrainer bei regelmäßigen Stromausfällen konfrontiert sind, sieht so aus: Der Strom ist für zwei Stunden zurück, aber für das vollständige Laden der Heimstation werden acht Stunden benötigt. Die 30.000-mAh-Powerbank ist geladen, aber der Laptop läuft nicht darüber. Der Router wird über einen Akku betrieben, startet jedoch jedes Mal neu, wenn die Spannung ausfällt. Dabei kann die Technik völlig intakt sein — der Nutzer erwartet einfach etwas von ihr, wofür sie nicht ausgelegt ist. Ältere Generationen tragbarer Stationen wurden oft langsam aufgeladen, und wenn der Strom lange wiederkam, war das nicht kritisch. Doch bei kurzen Stromlieferungen ist die Situation drastisch anders: Eine ältere Station mit etwa 1 kWh benötigt rund acht Stunden zum Laden, während moderne Systeme selbst mit größerer Kapazität die Ladung je nach Modell deutlich schneller wiederherstellen können.
LiFePO4-Akkus und die Grenzen des Hausnetzes
In vier Jahren hat sich auch die Akku-Technologie grundlegend verändert. Lithium-Eisenphosphat-Batterien (LiFePO4) haben eine hohe Ladezyklus-Ressource, eine gute thermische Stabilität und werden in modernen Stationen häufig eingesetzt. Die Ladegeschwindigkeit wird jedoch nicht nur durch die Akkuchemie bestimmt, sondern auch durch die Elektronik der Station sowie die zulässige Eingangsleistung. Hier kommt eine Einschränkung ins Spiel, die viele Käufer übersehen: die Kapazität des häuslichen Stromnetzes. In einem einphasigen 230-V-Netz entspricht ein 16-A-Leitungsschutzschalter einer Leistung von etwa 3,7 kW, 32 A entsprechen 7,4 kW und 50 A entsprechen 11,5 kW. Und das ist die Gesamtlast des gesamten Hauses. Wenn nach der Stromrückkehr Kühlschrank, Gefrierschrank und andere Geräte gleichzeitig anlaufen, erzeugt das Laden der Station eine zusätzliche Last. Eine Ladeleistung von 4 kW überschreitet bereits den Nennwert des 16-A-Schalters, was zu einem beschleunigten Verschleiß führen kann. Daher sollte man laut Martynyuks Empfehlung die Kapazitäten des Heimnetzwerks berücksichtigen und die Ladeleistung in den Stationseinstellungen gegebenenfalls begrenzen, sofern eine solche Funktion vorhanden ist.
Leistung versus Kapazität: Der Hauptfehler bei der Auswahl
Bei der Auswahl einer Ladestation achten Käufer vor allem auf Leistung und Kapazität: Hält der Kühlschrank Stand, wie viele Stunden arbeitet der Computer? Bei regelmäßigen Stromausfällen ist es jedoch ebenso wichtig, wie viel Zeit die Station selbst benötigt, um ihre Ladung wiederherzustellen. Dabei sind Leistung und Kapazität grundlegend unterschiedliche Parameter. Die Leistung bestimmt, welche Geräte gleichzeitig angeschlossen werden können, während die Kapazität bestimmt, wie lange sie laufen. Stationen nur nach Kapazität zu vergleichen ist in etwa so, als würde man ein Auto ausschließlich nach der Größe des Tankinhalts aussuchen. Für Laptop, Router und Beleuchtung ist eine Konfiguration erforderlich, für ein Haus mit Pumpe und Heizkessel eine andere. Martynyuk empfiehlt, nicht mit dem Katalog zu beginnen, sondern mit einer Liste der erforderlichen Geräte, deren Verbrauch, Betriebsdauer und der Zeit zum Aufladen zwischen den Stromausfällen. Andernfalls kann sich selbst eine teure Station als Fehlkauf erweisen.
Die Evolution der Powerbanks: Von 10.000 bis 50.000 mAh und mehr
Noch vor wenigen Jahren reichte eine 10.000-mAh-Powerbank den meisten für das Smartphone. Heute entscheiden sich laut Beobachtungen von „ASBIS-Ukraine“ immer mehr Käufer für Modelle mit 20.000 bis 30.000 mAh. Es gibt auch eine Nachfrage nach 40.000 bis 50.000 mAh und mehr — wenn mehrere Gadgets mit Strom versorgt werden müssen, aber keine vollwertige Ladestation erforderlich ist. Die Hauptänderung hat bei der Ausgangsleistung stattgefunden: Powerbanks mit 65, 100, 140 Watt Ausgangsleistung können nicht nur Handys, sondern auch Laptops mit Strom versorgen. Ein 65-W-USB-C-Anschluss passt für viele Modelle mit entsprechender Ladeunterstützung, aber für einen leistungsstärkeren Laptop reicht das möglicherweise nicht aus. Käufer verwechseln oft die Parameter: Milliamperestunden charakterisieren die Energiereserve, nicht die Ladegeschwindigkeit. Zwei 20.000-mAh-Powerbanks können unterschiedliche Zwecke erfüllen — die eine lädt ein Smartphone, die andere ermöglicht das Arbeiten am Laptop. Zudem verlieren Akkus allmählich an Kapazität, Powerbanks fallen herunter und sind Temperaturschwankungen ausgesetzt, während die Bedürfnisse der Nutzer wachsen: Gestern reichte es noch, das Telefon zu laden, heute muss man während eines Ausfalls am Laptop arbeiten.
Eine praktische Checkliste vor dem Kauf
Die Gesamtheit der Faktoren, die Taras Martynyuk zu berücksichtigen empfiehlt, lässt sich auf wenige konkrete Schritte reduzieren. Erstens: Erstellen Sie eine Liste der Geräte, die während eines Stromausfalls mit Strom versorgt werden müssen, und ermitteln Sie deren Gesamtenergieverbrauch. Zweitens: Schätzen Sie die Dauer eines typischen Ausfalls und die Zeit ein, in der der Strom zurückkehrt — davon hängt ab, ob die Station Zeit hat, sich zwischen den Blackouts aufzuladen. Drittens: Überprüfen Sie den Sicherungsautomaten im Verteilerkasten und vergewissern Sie sich, dass die Ladeleistung der Station die zulässige Last des Heimnetzes nicht überschreitet. Viertens: Verwechseln Sie nicht die Ausgangsleistung (was angeschlossen werden kann) mit der Kapazität (wie lange es läuft) und der Eingangsladeleistung (wie schnell die Station ihre Reserve wiederherstellt). Und schließlich sollten Sie bedenken, dass Akkus mit der Zeit altern und die Anforderungen an die Autonomie jedes Jahr steigen — Technik, die vor zwei Jahren gekauft wurde, deckt die aktuellen Bedürfnisse möglicherweise nicht mehr ab.