Das ukrainische Bankensystem zeigte im ersten Halbjahr 2026 trotz einer erheblichen Zunahme der fiskalischen Belastung eine stabile Rentabilität. Laut offiziellen Daten der Nationalbank der Ukraine erzielten 59 aktive Banken insgesamt einen Nettogewinn von 5,407 Milliarden Griwna. Die staatliche PrivatBank bleibt weiterhin Marktführer, ihr Finanzergebnis verzeichnete jedoch im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einen Rückgang.

Anstieg der Steuerzahlungen und fiskalische Belastung

Ein Hauptmerkmal des Finanzberichts für das erste Halbjahr 2026 war der starke Anstieg der Bankenausgaben für die Gewerbesteuer. Während die Banken im gleichen Zeitraum 2025 2,199 Milliarden Griwna in den Staatshaushalt einzahlten, stieg dieser Wert im aktuellen Jahr auf 5,45 Milliarden Griwna. Die Steuerlast hat sich somit faktisch verdoppelt und macht mehr als die Hälfte des Gewinns vor Steuern aus.

Dieser Anstieg ist auf eine Änderung der Steuerpolitik zurückzuführen: Im Jahr 2026 wird auf den Bankensektor erneut ein vorübergehender Gewerbesteuersatz von 50 % angewendet. Diese Maßnahme, die zuvor in den Jahren 2023–2024 galt, wurde 2025 vorübergehend auf 25 % gesenkt, kehrte aber im aktuellen Jahr zum erhöhten Niveau zurück, um den Staatshaushalt zu unterstützen.

Führende im Ranking: Monopolisierung der Gewinne

Die Gewinnverteilung im ukrainischen Bankensektor bleibt extrem ungleich. Auf die zehn gewinnstärksten Institutionen entfallen 88 % des gesamten Nettogewinns des Systems (4,768 Milliarden Griwna). Der unangefochtene Marktführer ist die PrivatBank, die einen Nettogewinn von 2,456 Milliarden Griwna erzielte, was etwa 45 % des Gesamtergebnisses aller Banken des Landes ausmacht.

Den zweiten Platz belegte die Universal Bank (Hauptaktivum von Monobank) mit 385 Millionen Griwna, den dritten Platz schloss die Raiffeisen Bank mit 357 Millionen Griwna ab. Bemerkenswert ist, dass unter den Top 10 drei staatliche Banken, fünf Institutionen mit ausländischem Kapital und zwei Banken mit privatem Kapital vertreten sind, was auf eine hohe Marktkonzentration hindeutet.

Dynamik staatlicher und privater Banken

Der staatliche Sektor bleibt der Haupttreiber der Rentabilität des Systems. Fünf staatliche Banken erzielten einen Nettogewinn von 3,246 Milliarden Griwna (etwa 60 % des Gesamtwerts). Neben der PrivatBank gehören zu den führenden im staatlichen Sektor die Oschadbank (338 Millionen Griwna) und die Ukreximbank (224 Millionen Griwna). Es ist jedoch anzumerken, dass die PrivatBank im Vergleich zum ersten Halbjahr 2025, in dem ihr Nettogewinn 3,488 Milliarden Griwna betrug, einen Rückgang verzeichnete.

Banken mit ausländischem Kapital erzielten einen Nettogewinn von 1,191 Milliarden Griwna, was 22 % des Gesamtwerts entspricht. Von den 15 Banken dieser Gruppe zeigten nur zwei einen Verlust: Pravex Bank und YUTE Bank. Der Sektor der Banken mit privatem Kapital erzielte 970 Millionen Griwna, wobei etwa 72 % dieser Summe von nur zwei Akteuren – der Universal Bank und der PUMB – erwirtschaftet wurden.

Veränderungen in der Struktur des Bankensystems

Zu Beginn des Jahres 2026 durchlief der Markt erhebliche strukturelle Veränderungen. Im Februar erklärte die NBU die Motor Bank und die Erste Investitionsbank für zahlungsunfähig. Die Lizenz der Motor Bank wurde im April widerrufen, was das Insolvenzverfahren einleitete. Gleichzeitig wurde die Erste Investitionsbank von der europäischen Fintech-Firma UAB ZEN.COM übernommen, nahm nach der Nachkapitalisierung den Betrieb wieder auf und wechselte in die Kategorie der Banken mit privatem Kapital.

Widersprüchliche Daten

Obwohl der aktuelle Steuersatz von 50 % gesetzlich für 2026 festgelegt ist, gibt es Uneinigkeiten bei den langfristigen Prognosen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat wiederholt dazu aufgerufen, die erhöhte Steuer auf Bankgewinne nach 2027 abzuschaffen und sie ausschließlich als vorübergehende Maßnahme zu betrachten. Gleichzeitig schafft das Fehlen einer offiziellen Bestätigung zur Verlängerung oder Abschaffung des Satzes für 2027 Unsicherheit für die langfristige Planung des Bankensektors.