Die Botschaft der Ukraine in den Vereinigten Staaten von Amerika hat sich öffentlich an das Sinfonieorchester von Annapolis gewandt und die Musikorganisation aufgefordert, die für den Herbst geplanten Auftritte des russischen Geigers Wadim Repin abzusagen. Wie RBC-Ukraine berichtet, teilten dies die Diplomaten auf der offiziellen Facebook-Seite der Botschaft mit. Die ukrainische Seite begründet ihre Position mit den Verbindungen Repins zu kulturellen Initiativen, die – so die Darstellung Kiews – vom russischen Staat unterstützt werden.

Konzerte „Kräfte der Natur“ in der Maryland Hall

Es geht um eine Reihe von Auftritten unter dem Titel „Kräfte der Natur“ (Forces of Nature), die am 6.–7. November 2026 in der Maryland Hall in Annapolis (Bundesstaat Maryland) stattfinden sollen. Genau auf diese Daten fällt die Herbstsaison des Sinfonieorchesters von Annapolis, und genau in diesem Zeitraum ist laut Botschaft die Teilnahme Repins als Solist im Programm vorgesehen. Die ukrainischen Diplomaten riefen das Orchester ausdrücklich auf, die „Entscheidung über die Teilnahme“ des russischen Musikers „zu überdenken“ und „die Solidarität mit der Ukraine zu bekräftigen“.

Verbindungen zu russischen staatlichen Strukturen

Zur Begründung ihrer Position listete die ukrainische Botschaft konkrete Fakten auf. Erstens hatte Repin zuvor bei einem Konzert auf, das von der Kreml-Stiftung organisiert und der Ehrung sogenannter „großer Verteidiger“ Russlands gewidmet war. Zweitens erhielt der mit Repin verbundene Kunstförderfonds nach Beginn der vollen Invasion Russlands in die Ukraine im Jahr 2022 erhebliche Finanzmittel vom russischen Präsidentiellen Fonds für kulturelle Initiativen. Aus Sicht der ukrainischen Diplomaten machen diese Umstände die Teilnahme des Geigers an einem amerikanischen Orchester mit einer Haltung der Solidarität mit Kiew unvereinbar.

Präzedenzfall 2022: Das Orchester hatte Repin bereits abgesagt

Bemerkenswert ist, dass das Sinfonieorchester von Annapolis bereits 2022 beschlossen hatte, Repin aus seinem Programm zu streichen. Damals wurde sein geplanter Auftritt durch eine musikalische Ehrung der Ukraine ersetzt – ein Gestus, der, wie die Botschaft betont, die Fähigkeit des Orchesters zeigt, eine principielle Wahl zu treffen. Die ukrainischen Diplomaten berufen sich auf diesen Präzedenzfall als Argument dafür, dass die Absage der Konzerte 2026 für diese Organisation kein beispielloser Schritt wäre.

Internationaler Kontext: Wer Repin bereits abgesagt hat

Die ukrainische Botschaft erinnerte zudem daran, dass eine Reihe ausländischer Kulturinstitutionen die Zusammenarbeit mit dem russischen Geiger bereits überdacht hat. So sagte das Philharmonische Orchester von Mannheim in Deutschland ein Konzert mit Repin ab. Das Ungarische Nationalphilharmonie-Orchester in Budapest strich nach einem separaten Schreiben der ukrainischen Botschaft den Auftritt des Geigers zur Eröffnung der Konzertsaison. Das Sinfonieorchester von Palm Beach in Florida sagte im März 2026 ebenfalls den geplanten Auftritt Repins ab. Damit, so die Angaben Kiews, ist der Druck auf die Teilnahme Repins an internationalen Programmen systematischer Natur.

Reaktion des Orchesters bislang ausgeblieben

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels hatte das Sinfonieorchester von Annapolis noch keine öffentliche Stellungnahme zu dem Schreiben der ukrainischen Botschaft veröffentlicht. Die Diplomaten äußerten die Hoffnung, dass das Orchester „diese Bedenken sorgfältig prüfen“ möge. Ob Repin am 6.–7. November in der Maryland Hall spielen wird, wird in den kommenden Wochen bekannt werden. Das Foto des Gebäudes der US-Botschaft in Kiew (Foto: Sergiy Karazy/REUTERS) illustriert den diplomatischen Kontext, in dem sich diese Geschichte abspielt.