Laut der vom Institut für Kriegsstudien (ISW) erstellten und an RBC-Ukraine übergebenen Übersicht versuchten die russischen Truppen in den letzten 24 Stunden an mehreren Abschnitten der Front vorzurücken, stießen jedoch systematisch auf Gegenangriffe der ukrainischen Verteidigungskräfte. Die Analysten stellen fest, dass ein bestätigtes Vorrücken der russischen Kräfte an den meisten Frontabschnitten nicht verzeichnet wurde, während die ukrainischen Soldaten im Gegenteil taktische Erfolge erzielten und Schläge gegen die Logistik des Gegners versetzten.

Richtung Kupjansk und Charkiw

Im Norden der Oblast Charkiw und im Raum Wolssyj Buhluk setzten die russischen Einheiten ihre Offensive fort, konnten aber aufgrund der Gegenangriffe der ukrainischen Streitkräfte nicht vorrücken. Auf dem Kupjansker Abschnitt wurden am 1. September nur begrenzte Sturmangriffe verzeichnet, ein bestätigtes Vorrücken gab es nicht, während die Verteidigungskräfte weiter Gegenangriffe führten. Ein ähnliches Bild zeigte sich in Richtung Borowa: Die russische Offensive blieb ergebnislos, und laut russischen Quellen griffen die ukrainischen Soldaten westlich von Borowa an – nördlich von Schejkowka, in der Nähe von Redkodub und Nowe sowie in Richtung Katerynowka südöstlich von Borowa. Einige russische Militär Blogger räumten ein, dass die ukrainischen Kämpfer vorrückten und an diesem Abschnitt taktisch wichtige Erfolge erzielten.

Widersprüchliche Angaben

Hier widersprechen sich die Versionen beider Seiten. Am Vortag verbreiteten russische Quellen ein Video, auf dem, wie sie behaupten, russische Soldaten in Welika Schapkowka südwestlich von Kupjansk und nördlich von Kupjansk-Uzlowyj zu sehen seien; auf dieser Grundlage erklärten sie, ihre Kräfte hätten vorgerückt. Die ISW-Analysten halten es jedoch für möglich, dass diese Videoaufnahmen gefälscht oder mit Hilfe von künstlicher Intelligenz erstellt wurden, weshalb ein Vorrücken in diesem Gebiet nicht bestätigt wird. Ein ähnlicher Widerspruch zeigt sich auf dem Sumsker Abschnitt: Russische Militär Blogger behaupteten, sie seien in Uljanowo eingedrungen und rückten in der Nähe von Potapowka und Sadki (nordwestlich von Sumy) vor, unabhängige Bestätigungen für diese Aussagen liegen jedoch bislang nicht vor.

Donbas-Front: Slawjansk, Lyman, Pokrowsk

Am 31. August und 1. September setzten die russischen Truppen ihre Offensive auf dem Slawjansker Abschnitt fort, erzielten aber kein bestätigtes Vorrücken; gleichzeitig führten die ukrainischen Streitkräfte Gegenangriffe sowohl nördlich als auch südlich von Lyman, das nordöstlich von Slawjansk liegt, durch. Auf den Pokrowsker und Nowopawlovscher Abschnitten führten die russischen Streitkräfte ebenfalls Offensive Operationen durch, jedoch wurden keine bestätigten Erfolge oder Vorrücken verzeichnet. Auf dem Alexandrowsker Abschnitt wurden am 1. September nur begrenzte Offensive Operationen verzeichnet, die von den ukrainischen Streitkräften abgewehrt wurden; auf dem Huljajpolsker Abschnitt erreichten die russischen Kräfte am 31. August und 1. September kein bestätigtes Vorrücken.

Abtschnit Cherson und Schläge gegen die Logistik

Auf dem Huljajpolsker und den angrenzenden Abschnitten setzten die ukrainischen Kräfte ihre Mitteldistanzangriffe auf russische Objekte und Logistikrouten im besetzten Teil der Oblast Cherson fort. So griffen ukrainische Drohnen Fahrzeuge auf der Straße M-14 Rostow – Krim sowie auf der Straße N-30 Berdjansk – Tokmak – Wassyliwka nördlich von Tokmak an. Parallel dazu trafen die Verteidigungskräfte, wie zuvor berichtet, erfolgreich Elemente der Luftverteidigung, Kommandoposten und Lager auf dem Territorium Russlands und in der Krim.

Sumsker Abschnitt und Gesamtfazit

In den vergangenen 24 Stunden setzte die russische Armee ihre Offensive im Norden der Oblast Sumy fort, konnte aber nicht durchbrechen. Insgesamt, so die Einschätzung des ISW, zeichnet sich das Gesamtbild des Tages dadurch aus, dass die russischen Offensive Operationen an verschiedenen Frontabschnitten durch die Gegenangriffe der ukrainischen Streitkräfte gestoppt oder rechtzeitig aufgehalten wurden, während die Analysten keine bestätigten territorialen Erfolge Russlands verzeichneten. Besonders wird darauf hingewiesen, dass in den ukrainischen Streitkräften die Aufstellung einer neuen 446. Brigade für unbemannte Systeme vorbereitet wird, was die Richtung der Schläge gegen die Rückzugsräume und die Logistik des Gegners verstärkt.