Bevor der großangelegte Einmarsch begann, fuhren jedes Jahr im Sommer Millionen von Ukrainerinnen und Ukrainern ans Meer, und Kurorte wie Zatoka, Schlysselport und Berdjansk waren für viele ein vertrauter Ort für den Urlaub: überfüllte Strände, Erholungsanlagen, Hotels, Cafés und lange Abende am Wasser. Das Unterhaltungsprojekt Styler von RBC-Ukraine hat Archivbilder dieser Reiseziele gesammelt, so wie man sie sich vor 2022 erinnert – als visuelle Chronik eines sorgenfreien Sommerurlaubs, den der Krieg grundlegend verändert hat. Im Folgenden: wie diese Kurorte in der Hochsaison aussahen und was aus ihnen bis zum Jahr 2026 geworden ist.
Zatoka: der Kurort, der auf ukrainischem Boden geblieben ist
Zatoka in der Oblast Odessa war bis 2022 einer der bekanntesten Seebadeorte der Ukraine. In der Hochsaison kamen Tausende von Touristen hierher, und die langen Sandstrände des Schwarzen Meeres füllten sich mit Badegästen, sodass kaum noch freier Platz übrig war. Entlang der Küste betrieben Erholungsanlagen, Hotels, Cafés, Restaurants, Geschäfte und Unterhaltungsbetriebe ihren Betrieb, und der Kurort wurde gerade deshalb geschätzt, weil man hier ohne Auslandsreise einen Urlaub am Meer verbringen konnte. Die Aufnahmen aus dem Archiv vermitteln dieses dichte, laute touristische Leben gut, das heute im starken Kontrast zu den aktuellen Bildern steht: Wo früher die Saison brodelte, hat der Krieg beschädigte Objekte und leere Flächen hinterlassen.
Schlysselport: der sorgenfreie Sommer, der zum Archiv wurde
Schlysselport in der Oblast Cherson war vor dem großangelegten Einmarsch eines der beliebten Ziele für den Sommerurlaub: Sandstrände des Schwarzen Meeres, bezahlbare Unterkünfte und zahlreiche Einrichtungen für Touristen. Im Sommer war es hier schon früh am Morgen voll – an der Küste betrieben Cafés und Geschäfte, und am Abend spazierten die Urlauber entlang der Promenade und verbrachten ihre Zeit in Unterhaltungsbetrieben. Genau so – laut, voll und sommerlich sorgenfrei – ist der Kurort auf den Archivvideos in Erinnerung geblieben. Nach Beginn des Einmarschs geriet Schlysselport unter Besatzung: Er liegt auf dem Linken Ufer der Oblast Cherson, das von russischen Truppen kontrolliert wird, daher ist ein gewöhnlicher Strandurlaub dort heute unmöglich, und die Aufnahmen aus der Vorkriegszeit bleiben das wichtigste Archiv dafür, wie der Kurort vor der Besetzung aussah.
Berdjansk und die Berdjansker Landzunge: der Asow-Kurort unter russischer Besetzung
Berdjansk in der Oblast Saporischschja nahm jahrelang Touristen aus verschiedenen Regionen der Ukraine auf, und eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten war die Berdjansker Landzunge mit Stränden, Erholungsanlagen, Pensionen und weiterer Kurort-Infrastruktur. In der Saison lebte die Stadt auf: Auf den Stränden gab es viele Menschen, Cafés und Fahrgeschäfte betrieben, und das Kurortviertel füllte sich mit Badegästen. Nach Beginn des großangelegten Einmarschs geriet Berdjansk unter vorübergehende russische Besetzung – russische Truppen eroberten die Stadt Ende Februar 2022. Heute zeigen die Aufnahmen aus dem vorkriegszeitlichen Berdjansk nicht mehr einfach nur einen Ort für den Sommerurlaub, sondern eine ukrainische Stadt so, wie sie vor der Besetzung war.
Unterschiedliche Schicksale: Besetzung und Beschuss
Wichtig ist, die Status der drei Kurorte voneinander zu unterscheiden, da ihr nachkriegszeitliches Schicksal nicht gleich ist. Zatoka liegt – anders als Schlysselport und Berdjansk – nicht unter russischer Besetzung und bleibt auf dem von der Ukraine kontrollierten Gebiet. Auch hier hat der Krieg das Leben im Ort jedoch wesentlich verändert: Der Kurort wurde wiederholt von russischem Beschuss getroffen, und aufgrund der Sicherheitsrisiken sowie der Einschränkungen des Zugangs zum Meer kann er nicht mehr so arbeiten wie vor 2022. Die Vorkriegsarchive von Zatoka, Schlysselport und Berdjansk sind heute daher nicht nur eine nostalgische Zusammenstellung, sondern ein dokumentarischer Kontrast zwischen dem friedlichen Kurort-Sommer und den Folgen des Krieges, die bis zum Jahr 2026 andauern.