Der Generaldirektor von „Ukrposhta“, Ihor Smilianskyj, hat die Einrichtung einer eigenen Luftfracht-Sicherheitsdienstleistung angekündigt, die sich der Risikosteuerung beim internationalen Postverkehr widmen soll. Laut dem Leiter dient die neue Struktur dazu, gleichzeitig das Sicherheitsniveau der Sendungen zu erhöhen und Verzögerungen von Paketen zu verringern, die bei Kontrollen auf Flugplätzen und an Grenzen entstehen. Wie RBC-Ukraine berichtet, ist die Initiative eine Antwort auf wachsende Anforderungen der Partnerländer an die Sicherheit internationaler Luftfracht sowie auf systemische Probleme, durch die einzelne problematische Sendungen den gesamten Ladungstransport lahmlegen.
Warum ein Paket einen 20-Tonnen-Lkw stoppt
Smilianskyj hat die konkrete Mechanik des Problems offenbart: Derzeit verlässt „Ukrposhta“ mehr als 90 % der Pakete innerhalb von maximal 24 Stunden das Land. Allerdings sei es, wie er sagte, „sehr ärgerlich, wenn wegen Fragen zu 1–5 Paketen am Flughafen oder an der Grenze ein ganzer 20-Tonnen-Lkw gestoppt wird und Tausende Pakete wegen einer Kontrolle auf Gefahrgut 1–2 Tage verzögert werden“. Solche Verzögerungen, so betonte der Leiter des Postbetreibers, treffen nicht nur die Logistik, sondern auch ukrainische Unternehmer: Die Geschwindigkeit der internationalen Zustellung beeinflusst direkt die Beziehungen zu Käufern, die Bewertungen von Verkäufern auf Marktplätzen, die Anzahl der Wiederholungsbestellungen und die Wettbewerbsfähigkeit inländischer Waren auf ausländischen Märkten.
Ausbildung unter der Ägide der UN und Zusammenarbeit mit der Zollbehörde
Die Spezialisten der neuen Dienstleistung wurden unter der Leitung von Experten des UN-Büros für Drogen- und Verbrechenbekämpfung (UNODC) ausgebildet. Das Ausbildungsprogramm umfasste internationale Methoden zur Erstellung von Risikoprofilen und zur Erkennung gefährlicher oder verbotener Beilagen in Postsendungen. Wichtig ist, dass „Ukrposhta“ das Luftfracht-Sicherheitssystem gemeinsam mit der Staatlichen Zollbehörde der Ukraine entwickelt. Dabei betonte Smilianskyj: Die neue Dienstleistung ersetzt die Zollkontrolle nicht, sondern arbeitet in Zusammenarbeit mit der Zollbehörde und ergänzt diese durch spezialisierte Instrumente des Risikomanagements.
159 Routen, 230 Länder und Pläne für Ausrüstung
Derzeit nutzt „Ukrposhta“ 159 Luftfrachtrouten und führt den internationalen Postverkehr mit 230 Ländern und Gebieten der Welt durch. Die wichtigsten Luftfracht-Hubs für die Postströme sind London, Frankfurt, Warschau, Riga und Chișinău. Die Reserve-Routen verlaufen über Prag, Amsterdam, Bukarest und Bratislava. In Zukunft plant das Unternehmen, in spezialisierte Ausrüstung zu investieren – moderne Röntgensysteme und Röntgentelevisions-Introskope an automatisierten Sortierhubs. Geplant ist auch die Einführung von künstlicher Intelligenz zur Analyse von Risikoprofilen und anderen Kontrollarten. „Das wird den gesamten Prozess beschleunigen – von der Bearbeitung des Pakets am Terminal bis zu seiner Übergabe an die Zollbehörde“, erklärte Smilianskyj.
Vorbereitung auf die Wiederaufnahme der Flüge aus Borisspol
Auf die Frage nach dem Zusammenhang zwischen der neuen Dienstleistung und der Perspektive der Wiederherstellung des Luftverkehrs präzisierte Smilianskyj: Die Einrichtung einer eigenen Luftfracht-Sicherheitsdienstleistung bedeutet nicht die Wiederaufnahme der Flüge vom Flughafen „Borisspol“, doch „Ukrposhta“ bereitet sich gezielt auf dieses Szenario vor. „Das bedeutet, dass ‚Ukrposhta‘ nicht nur schnell Pakete zustellen, sondern dies zuverlässig und sicher für unsere Partner tun möchte“, erklärte der Generaldirektor. Das Hauptziel des neuen Systems sei, so seine Formulierung, die Kontrolle der Sendungen so streng zu gestalten, dass die Sicherheit gewährleistet ist, aber gleichzeitig für die Endkunden unsichtbar bleibt, damit diese ihre internationalen Pakete in kürzester Zeit erhalten.
Kontext: Ausbau der Infrastruktur am Boden
Der Start der Luftfracht-Sicherheitsdienstleistung fügt sich in einen breiteren Modernisierungskreislauf von „Ukrposhta“ ein. Zuvor hatte das Unternehmen den Start der Produktion und Installation von 1000 Straßen-Paketschließfächern angekündigt, die in Wohnhäusern in Kiew, Odessa, Lwiw, Dnipro und anderen großen Städten der Ukraine platziert werden sollen. Die Gesamtheit der Maßnahmen – von automatisierten Sortierhubs mit Röntgenkontrolle bis hin zum Netz der Paketschließfächer und der eigenen Risikomanagement-Dienstleistung – bildet die infrastrukturelle Grundlage für die Wiederherstellung eines vollwertigen internationalen Postverkehrs in einer Situation, in der die ukrainische Post auf ausländische Hubs angewiesen ist.