Das Eisenbahnsystem der Ukraine steht vor einer beispiellosen Herausforderung: Die Kombination aus Kampfeinsätzen und kritischem physischem Verschleiß führt zu einem akuten Mangel an Personenwagen. Die Situation wird durch regelmäßige russische Angriffe auf die Infrastruktur und das Rollmaterial verschärft, während das Durchschnittsalter der Wagen 35 Jahre überschreitet.

Umfang der Zerstörungen und Verschleiß

Laut offiziellen Daten der «Ukrzaliznyzja» ist das Eisenbahnnetz seit Beginn der Invasion zu einem der Hauptziele für russische Artillerie und Drohnen geworden. Seit dem 24. Februar 2022 wurden mehr als 5.400 Beschussvorfälle registriert, bei denen über 25.800 Infrastrukturobjekte beschädigt wurden.

Der Schaden für den Personenverkehr war enorm. Im Verlauf der Kampfhandlungen wurden 46 Personenwagen vollständig zerstört. Weitere 200 Fahrzeuge erlitten Schäden und benötigen eine Generalüberholung. Die Bedrohung geht jedoch nicht nur von feindlichen Beschüssen aus. Ein erheblicher Teil des Fuhrparks steht aufgrund der natürlichen Alterung kurz vor der Außerdienststellung.

Das Durchschnittsalter der Personenwagen in der Ukraine beträgt 35,4 Jahre, und der Verschleißgrad hat 74,2 % erreicht. Weitere 1.050 Wagen warten auf eine technische Inspektion, nach der sie als unbrauchbar aus dem Verkehr gezogen werden könnten.

Strategie für Wiederherstellung und Beschaffung

Um die Krise zu bewältigen, setzt die «Ukrzaliznyzja» ein umfassendes Programm zur Modernisierung des Fuhrparks um, das die Reparatur bestehender Wagen und den Kauf neuer Fahrzeuge kombiniert. Im Jahr 2026 ist die Reparatur von 1.184 Personenwagen geplant. Es wird betont, dass alle Arbeiten von den eigenen Produktionsabteilungen der Zweigniederlassung «Passagiergesellschaft» ohne Einbeziehung externer Auftragnehmer durchgeführt werden.

Parallel dazu läuft ein staatliches Programm zur Beschaffung neuer Fahrzeuge. Für den Zeitraum von 2025 bis 2028 ist der Kauf von 366 neuen Wagen geplant, wovon jährlich 100 Einheiten erworben werden sollen. Die Kosten für die Beschaffung werden über öffentliche Ausschreibungen festgelegt und variieren je nach Wagentyp – Abteilwagen, SW (Schlafwagen) oder inklusive.

Der Modernisierungsprozess hat bereits begonnen: In den Jahren 2024–2025 erhielt der Transporteur 66 neue Wagen ukrainischer Produktion, die bereits 2023 bestellt wurden. Für 2025 wurde ein Vertrag über die Herstellung weiterer 100 Wagen abgeschlossen, von denen 60 in diesem Jahr in Betrieb genommen werden sollen.

Bekämpfung des Mangels und Anpassung der Fahrpläne

Die hohe Nachfrage nach Eisenbahntransporten, insbesondere in der Sommersaison, zwingt das Unternehmen dazu, den vorhandenen Fuhrpark maximal einzusetzen. Im Juni wurde der Fuhrpark um sechs neue Wagen und drei modernisierte Kinderwagen erweitert. Dies ermöglichte es, den Druck auf beliebten Strecken teilweise zu verringern. Beispielsweise konnte auf der Strecke Kiew – Lwiw das Verhältnis von Nachfrage zu Angebot von 5:1 auf 4:1 gesenkt werden.

Trotzdem bleibt der Mangel an Plätzen bestehen. Das Unternehmen passt den Fahrplan der Züge regelmäßig an, wobei Sicherheit, Passagieraufkommen und Durchgangskapazität des Netzes berücksichtigt werden. Die «Ukrzaliznyzja» versichert, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um eine stabile Verbindung zwischen den Regionen aufrechtzuerhalten und unbegründete Streichungen von Fahrten zu vermeiden.

Besonders hervorzuheben ist die Situation bezüglich des Komforts. Trotz der sommerlichen Hitze setzt der Transporteur weiterhin Wagen ohne Klimaanlage ein. Das Unternehmen begründet dies damit, dass der Verzicht auf solche Wagen den Mangel an Tickets nur verschlimmern würde, und eine vollständige Modernisierung des Fuhrparks erhebliche Zeit und Ressourcen erfordert.