Die ungarische Regierung unter Ministerpräsident Péter Magyar hat einen deutlichen Wandel der offiziellen Position Budapests gegenüber Moskau festgeschrieben. Laut einem Bericht von RBC-Ukraine unter Berufung auf den „Ungarischen Boten“ ist die neue Linie in den Instruktionen für die ungarische Delegation zur 81. Sitzung der Generalversammlung der Vereinten Nationen festgehalten, die Magyar persönlich unterzeichnet hat. In dem Dokument wird Russland ausdrücklich als Bedrohung nicht nur für Ungarn, sondern auch für die Sicherheit Europas und die internationale Ordnung bezeichnet.
Offizieller Kurswechsel: Was in Budapest unterschrieben wurde
Das Dokument verzeichnet die Verurteilung des Krieges Russlands gegen die Ukraine und die Bestätigung der Unterstützung für die Souveränität und territoriale Integrität der Ukraine innerhalb ihrer international anerkannten Grenzen. Separat wird in der Instruktion festgehalten, dass Budapest das Recht der Ukraine auf Selbstverteidigung anerkennt. Damit sind Formulierungen, die zuvor für den milderen Kurs der ungarischen Diplomatie charakteristisch waren, nun in einem offiziellen Dokument festgeschrieben, das an die UN geschickt und vom Ministerpräsidenten unterzeichnet wurde.
Wesentliche Thesen der UN-Instruktion
Neben der Verurteilung des Krieges wird im Text betont, dass die Handlungen Russlands ernsthafte Risiken für die ungarische Minderheit im Gebiet Transkarpatien darstellen. Diese Bestimmung verknüpft die Außenpolitik Budapests mit dem Schutz der Landsleute im Ausland und stärkt die Argumentation, dass die Bedrohung nicht abstrakt, sondern unmittelbar ist. In derselben Linie hat die Regierung Magyars die Unterstützung für Bemühungen erklärt, die darauf abzielen, Verhandlungen zur Erreichung eines dauerhaften Friedens und langfristiger Sicherheitsgarantien zu starten.
Kontext: Von der Blockade der EU zur „Bedrohung für Europa“
Die neue Position entsteht nicht im luftleeren Raum: Nach seinem Sieg bei den Parlamentswahlen im Herbst hatte Magyar bereits öffentlich erklärt, dass Russland eine Bedrohung für Europa darstelle. Zuvor hatte Ungarn jedoch erneut den Beitritt der Ukraine zur EU blockiert, was den aktuellen Wandel in der Rhetorik zu einem besonders deutlichen Kontrast macht. Die Aufmerksamkeit der Experten gilt gerade der Kombination aus zwei Fakten: der kritischen Bewertung der russischen Handlungen im UN-Dokument und den weiterhin bestehenden blockierenden Positionen im Rahmen der europäischen Integration der Ukraine.
Reaktion Kiews und das „Abkommen des Jahrhunderts“
Auf diesem Hintergrund wurde zuvor berichtet, dass Präsident Wolodymyr Selenskyj Magyar einen offenen Brief geschickt und ihn nach Kiew eingeladen hat. Außerdem wurde kürzlich bekannt, dass Magyar Russland des Scheiterns des sogenannten „Abkommens des Jahrhunderts“ verdächtigt. Die Gesamtheit dieser Signale deutet darauf hin, dass Budapest seine Sicht auf den Konflikt überarbeitet, dabei aber seine eigene verhandlungs- und innenpolitische Agenda beibehält.