Ein Cybersicherheitsforscher, der unter dem Pseudonym 0x50594d auftritt, hat eine Schwachstelle demonstriert, die es ermöglicht, nach einem gewöhnlichen Videoanruf die vollständige Root-Kontrolle über ein Smartphone zu erlangen. Laut seinen Angaben liegt die Ursache in der Modem-Firmware mehrerer Unisoc-Prozessoren, die weit verbreitet in günstigen Geräten von Xiaomi, Motorola und Realme zum Einsatz kommen. Bei einem erfolgreichen Angriff kann der Angreifer Änderungen am Android-Betriebssystem vornehmen und erhält damit faktisch die vollständige Kontrolle über das Gerät. Die Veröffentlichung der PoC-Details erfolgte in einem Umfeld, in dem der Chip-Hersteller Unisoc zum Zeitpunkt der Publikation noch nicht auf die Meldung des Forschers reagiert hatte.
So funktioniert der Angriff
Laut Beschreibung des Forschers wird das Problem als „ausnutzbare Schwachstelle, die mit einer fehlerhaften Isolation gemeinsam genutzter Ressourcen in der System-on-Chip-Architektur zusammenhängt“, charakterisiert. In der Unisoc-Modem-Firmware sei, so der Forscher, ein kritischer Fehler entdeckt worden, der die Ausführung beliebigen Codes mit Kernel-Privilegien aus dem Modem-Kontext heraus ermöglicht. Sobald die Möglichkeit zur Codeausführung auf dem Modem besteht, sei der Angreifer nach Einschätzung von 0x50594d in der Lage, Daten im gesamten Speicherbereich zu lesen und zu schreiben, indem er den Schutz im ersten Bereich des Speicher-Schutzblocks deaktiviert. Genau dieser Mechanismus mache, so die Aussage des Forschers, einen einzigen Videoanruf für den Übergang zum Root-Zugriff ausreichend.
Welche Geräte sind betroffen
Der Fehler wurde in der Modem-Firmware der Unisoc-Chips T612, T616, T606 und T7250 entdeckt, weshalb formal alle auf diesen Prozessoren basierenden Geräte einem Risiko ausgesetzt sind. Die Konzeptprüfung wurde an konkreten Modellen durchgeführt: Realme C33, Xiaomi Redmi A5 mit Sicherheitsupdate vom 2026-01-01 und Motorola E13 mit Update vom 2025-02-01. Dabei war auf allen drei Geräten zusätzlich ein Android-Sicherheitsupdate vom Juli 2025 installiert, was nach Logik des Forschers darauf hindeutet, dass die Schwachstelle zum Zeitpunkt des Tests nicht durch aktuelle Patches geschlossen worden war.
Technischer Kern und Einschränkungen der Prüfung
Zwei wesentliche Einschränkungen, die der Quelle selbst zusammen mit der Demonstration genannt werden, sind hervorzuheben. Erstens wurde die Konzeptprüfung unter Laborbedingungen und nicht in realen Mobilfunknetzen durchgeführt, daher ist die Übertragung des Angriffs auf die breite Nutzerbasis unter normalen Netzbedingungen nicht bestätigt. Zweitens war auf den Testgeräten vor Beginn des Angriffs bereits ein Root-Zugriff vorhanden, was bedeutet: In einer typischen Nutzerkonfiguration ohne vorheriges Rooten können die Folgen des Exploits erheblich weniger kritisch sein als im Laborszenario.
Widersprüchliche Angaben
Hier besteht ein deutliches Spannungsfeld zwischen zwei Bewertungen. Einerseits bezeichnet der Forscher den Fehler als „kritisch“ und betont die Möglichkeit der beliebigen Codeausführung mit Kernel-Privilegien sowie der vollständigen Speicherkontrolle — ein Argument für eine hohe Gefährdung. Andererseits hält dieselbe Quelle fest, dass der PoC im Labor und nicht in Mobilfunknetzen erstellt wurde und dass auf den Geräten bereits Root vorhanden war, weshalb „der Angriff in der Realität möglicherweise keine Folgen hat“. Somit koexistieren in einem einzigen Material die Version „kritische Schwachstelle mit Root per Videoanruf“ und die Version „eingeschränkter Labor-PoC ohne nachgewiesene Massenwirkung“, und die endgültige Bewertung der Schwere hängt davon ab, ob der Angriff unter realen Netzbedingungen auf nicht gerooteten Geräten reproduziert werden kann.
Position von Unisoc und Empfehlungen für Nutzer
Zum Zeitpunkt der Erstellung des Materials hatte Unisoc auf die Nachricht des Forschers noch nicht reagiert, daher liegt bislang keine unabhängige Bestätigung oder Widerlegung der Schwachstelle seitens des Herstellers vor. Unter solchen Umständen ist eine vernünftige Verhaltenslinie für Besitzer günstiger Smartphones mit den Chips T612, T616, T606 und T7250: Firmware und Android-Sicherheitsupdates auf dem aktuellen Stand zu halten, in verdächtigen Szenarien keine Videoanrufe von unbekannten Absendern anzunehmen und die offiziellen Patches von Unisoc und der Gerätehersteller zu verfolgen. Bis ein offizieller Kommentar des Herstellers und unabhängige Reproduktionen in realen Netzen vorliegen, sollte das Risiko als mit Einschränkungen bestätigt gelten.